BücherFrauen-Studie
Mehr Ausbildung geht nicht …
… das war die einhellige Meinung der beiden Expertinnen, Prof. Dr. Romy Fröhlich, Kommunikationswissenschaftlerin an der Universität München, und Dr. Kirsten Steffen, Personalberaterin bei Bommersheim Consulting, während der Diskussion zum Thema »MehrWert. Frauen in der Buchbranche«, zu der die BücherFrauen im Rahmen der Leipziger Buchmesse am Freitag, den 19. März 2010 eingeladen hatten.
Moderiert wurde die Veranstaltung im Rahmen des Karrieretags Buch + Medien von der freien Lektorin und Hamburger BücherFrau Katharina Gerhardt.


Mit Spannung wurden die ersten Ergebnisse und Tendenzen der von den BücherFrauen in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studie zur Arbeitssituation in der Buchbranche erwartet. Und Frau Fröhlich ließ sich nicht lange bitten. Für die Studie werden Antworten einer Online-Befragung ausgewertet – die erste ihrer Art für die Buchbranche und mit so zahlreichem Rücklauf, von Männern wie von Frauen, dass sich Aussagen und Vergleiche zur beruflichen Situation, zu Entgeltunterschieden und Karrieremöglichkeiten von Männern und Frauen in der Buchbranche anstellen lassen. Die Auswertung des Datenmaterials ist zurzeit noch nicht abgeschlossen – alle ausführlichen Ergebnisse werden vollständig im Herbst 2010 vorliegen. Dennoch konnte Frau Fröhlich schon klare Tendenzen beschreiben.
Frauen in der Buchbranche müssen sich nicht hinter ihren männlichen Kollegen verstecken. Im Gegenteil: 70 % aller Befragten haben einen akademischen Hintergrund. Frauen können dabei – häufiger als ihre männlichen Kollegen – mehrere Ausbildungen und Qualifikationen vorweisen.
Dass sich das nicht unbedingt auszahlt, haben alle schon immer vermutet. Nun haben wir es schwarz auf weiß: Nicht nur dass die Buchbranche im Vergleich zu Medien/PR-Berufen grundsätzlich schlechter bezahlt: 80 % der Befragten haben gesagt, dass sie max. 3500 € (brutto) im Monat verdienen, 53 % liegen bei ihrem monatlichen Bruttogehalt sogar unter 2.500 €. Aufgrund der geringen Verdienstspannen in der Buchbranche sind die Gehälter hier zwar grundsätzlich niedriger, für Frauen seien sie allerdings laut der Studie, so Frau Fröhlich, ganz klar noch mal niedriger als für Männer. Zwar seien Entgeltunterschiede zwischen den Geschlechtern zum Zeitpunkt des Berufseinstiegs kaum vorhanden, die Schere ginge aber kurz danach erheblich auseinander – und das auf allen Hierarchiestufen innerhalb der Unternehmen. Am größten sind die Verdienstunterschiede zwischen den Geschlechtern allerdings bei den Selbstständigen und Freiberuflern.

Die Auswertung der Befragung zeigt dabei deutlich, dass es bei Frauen keinen Zusammenhang zwischen Ausbildung/Qualifikation und Karriere-/Gehaltsstufe gibt, dieser Zusammenhang bei Männern aber absolut ist. Die gute Ausbildung und Mehrfachqualifikation von Frauen zahlen sich offenbar nicht aus – jedenfalls nicht in der Geldbörse oder auf der Karriereleiter, während Männer davon profitieren.
Dennoch arbeiten alle gerne in der Buchbranche, auch das eine Tendenz aus der Studie. Menschen, die mit Büchern arbeiten, sind leidenschaftlich mit dem verbunden, was sie tun. Männer zeigen allerdings deutlicher, dass sie bestimmte Karriereziele verfolgen, während Frauen sich lieber auf inhaltliche Herausforderungen freuen. Gerade die praktischen Erfahrungen aus der Personalberatung deuten hier auf einen eklatanten Unterschied hin, den beide Expertinnen für wesentlich für die Existenz der „gläsernen Decke“ in der Buchbranche halten. Und obwohl die Mehrheit der Befragten (52 %) sagt, dass sie sich gerne – innerhalb des eigenen Betriebs – verändern will, werden die Möglichkeiten dazu von 70 % als pessimistisch bewertet. Die schlechte Wirtschaftslage wird als Hauptgrund hierfür genannt, gefolgt von den hierarchischen Strukturen und familiären Verpflichtungen.
Beide Expertinnen bewerten die Buchbranche als nicht besonders familienfreundlich. Alternative Arbeitszeitmodelle kommen kaum zur Anwendung, nur 16 % der Befragten arbeiten Teilzeit. Die Studie zeigt außerdem, dass Kinder bei Frauen karrierehemmend wirken, während sie bei Männern sogar förderlich für die Karriere sind. Da klingt dann selbst das überraschendste Ergebnis der Befragung nachvollziehbar: 70 % der Befragten (Männer und Frauen) sind kinderlos.

Beide Expertinnen verteidigten im Gespräch mit der Moderatorin vehement die Meinung, dass der Status quo so nicht sein müsse. Es ist möglich, sich den Erfolg im Beruf auch entsprechend und wie Männer entlohnen zu lassen. Frauen müssten ein Bewusstsein für Karriereziele und die damit verbundenen Statussymbole entwickeln – diese erreichen wollen und offensiv einfordern, so Frau Steffen. Die Leidenschaft für die Inhalte mag Triebkraft für das sein, was wir gerne tun; die ‚Belohnung‘ müsse man sich aber auch aktiv abholen, in Gehalts- und Beförderungsverhandlungen oder bei Berufswechseln, und dafür sei es unabdingbar, dass klare Ziele formuliert würden. Die Erfahrungen aus der Praxis zeigten, so Frau Steffen, dass bei Frauen da noch großer Aufholbedarf bestünde. Wobei in der abschließenden Diskussion mit dem Publikum nicht unbedingt Einigkeit darüber bestand, ob die klare Benachteiligung wirklich an fehlenden Zielen liegt oder nicht (auch) an den ‚anderen‘ Lebens- und Arbeitszielen, die Frauen haben.
In jedem Fall aber – und da waren sich wieder alle einig – fehlt es an Vorbildern, an Personen und an Arbeitszeitmodellen, die vorleben und zeigen, dass auch alternative Arbeits- und Lebensmodelle gerecht ent- bzw. belohnt werden können.

Die Ergebnisse der von Frau Fröhlich durchgeführten Studie werden im Herbst vollständig vorliegen und in einer Publikation der BücherFrauen veröffentlicht. Die Präsentation findet im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt.
Text: Valeska Henze
Fotos: Alexandra Klusmann
Podcast zum Karrieretag auf der Leipziger Buchmesse
Artikel von Siobhan O’Leary auf publishingperspectives.com: Women Dominate German Publishing, But Lag in Pay and Advancement
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Prof. Dr. Romy Fröhlich
Prof. Dr. Romy Fröhlich ist Professorin für Kommunikationswissenschaft am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Berufsfeldforschung (Medienberufe), Public Relations und Nachrichtenforschung. Für diese Bereiche forschte sie auch an Universitäten in den USA und in Australien. Den BücherFrauen war vor allem ihre sehr fundierte Studie zum Berufsfeld Public Relations bekannt, aufgrund derer wir sie als Kooperationspartnerin angesprochen haben. Wir freuen uns sehr, dass sie den Auftrag, die Studie durchzuführen, angenommen hat.

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