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  Beruf oder Familie?

Im Beruf sind wir top: Wir leiten Verlage, entwickeln Marketingstrategien und Reihenkonzepte, redigieren Manuskripte, akquirieren Kunden und managen AutorInnen. Und während wir versuchen, die vielen Aufgaben in der familienkompatiblen Arbeitszeit unterzubringen, warten die Kinder in Kita oder Hort darauf abgeholt zu werden.

Kinder gehören zum Alltag vieler BücherFrauen. Diese berufstätigen Mütter stellen täglich unter Beweis, dass sich Familie und Professionalität nicht ausschließen – im Gegenteil: Häufig profitieren Frauen im Job von den Kompetenzen, ohne die ihr Familienalltag nicht zu managen wäre. Dennoch scheuen sich Frauen – auch untereinander – im beruflichen Umfeld, selbstbewusst darüber zu sprechen, was sie nach »Feierabend« zu Hause noch alles leisten. Denn nach wie vor gelten Mütter als weniger flexible und oder nur eingeschränkt verfügbare Arbeitskräfte, die manchmal sogar unvorhergesehen ausfallen.

Dass Eltern im Alltag mit Kindern Organisationstalent, Prioritätenmanagement und Konfliktlösungskompetenz jeden Tag aufs Neue unter Beweis stellen, wird hingegen gern übersehen. Und so werten ArbeitgeberInnen die Entscheidung ihrer Angestellten für Kinder nur selten als Zeichen von Einsatzbereitschaft, Stehvermögen und Stresstoleranz. Sie sehen darin eher einen Rückzug ins Privatleben, den sie mit dem Verzicht auf Karriere gleichsetzen. Ist eine interessante Stelle zu vergeben, renommieren kinderlose KollegInnen mit Projekterfahrung und Fortbildungen, die ihre »soft skills« weiterentwickeln sollen. Eltern – in der Regel Mütter –, die wegen der Kinder ausgesetzt oder ihre Arbeitszeit reduziert haben, geraten schnell ins Hintertreffen.

Auch wenn seit der Einführung des neuen Elterngelds immer mehr Väter Elternzeit in Anspruch nehmen: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nach wie vor ein Problem von Frauen. Das wollen wir nicht hinnehmen! Berufstätige Mütter haben keine Frau, die ihnen den Rücken freihält. Sie brauchen eine Gesellschaft, die ihnen den Rücken freihält! Eine Gesellschaft, die sie darin unterstützt, Familienleben und Beruf zu vereinbaren, und die ihre besonderen Leistungen anerkennt und honoriert. Deshalb brauchen berufstätige Mütter qualifizierte und ausreichende Betreuungsangebote für ihre Kinder. Sie brauchen Zeit, die sie selbst mit ihren Kindern verbringen können. Sie brauchen einen finanziellen Ausgleich für die Einkommensverluste, die aus kinderbedingter Auszeit oder Arbeitszeitreduzierung erwachsen. Sie brauchen ArbeitgeberInnen und GeschäftsparterInnen, die akzeptieren, dass die Familienphase vorübergeht und keineswegs die Aufgabe beruflicher Ambitionen bedeutet. Und sie brauchen Anerkennung dafür, dass sie die Kinder großziehen, ohne die unser Gemeinwesen nicht bestehen kann.

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