#lbm17: »Herausforderung Strukturwandel – Bedrohung oder Chance für die Buchbranche?«


Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion

Gesa Oldekamp, Caroline Reif, Ellen Braun, Kristina Deike (v. l.); Foto: Stephanie Hanel

Was bedeutet der Strukturwandel – auch bedingt durch die Digitalisierung – für die Buchbranche? Darüber diskutierten die BücherFrauen am 23.3. auf der Leipziger Buchmesse.

Ellen Braun (Moderatorin, Consulting/Coaching/Training) hat von den teilnehmenden Frauen ein Statement zum Thema erfragt und greift zu Beginn der Diskussion die These auf: »Wir müssen alte Ideen vergessen, um Platz für Neues zu gewinnen.«

Kristina Deike (Leiterin Gessler 1862, Café & Buchhandlung, Friedrichshafen) fokussiert sich in der Buchhandlung auf einen »Mikrokosmos des guten Geschmacks mit Wohnzimmercharakter«, ein Sortiment mit Wiedererkennungseffekt und Mut zur Lücke. Dazu kommen Kundenbestellungen und ‑empfehlungen, die durchaus über das lokale Angebot hinausgehen, jedoch nicht im Detail beworben werden.

Caroline Reif (Senior Partner Manager, Neopubli, Berlin) versteht sich als Mittlerin mit dem Ziel, alle Texte auf den optimalen Weg zum Leser zu bringen. Sie findet, dass ein Onlineshop mehr bieten muss als Einkauf/Verkauf. Vielmehr soll der Internetauftritt Produkt- und Autorenpräsentation im Online-Schaufenster vereinen.

Für Gesa Oldekamp (Belser Verlag, Stuttgart, Vertriebs- und Marketingleiterin; Akademie für Digitale Transformation) liegt die Zukunft im Mehrwert durch Digitalisierung. Sie nennt als Beispiel den Baumarkt, wo der Kunde bei der Suche nach der passenden Glühbirne die defekte Glühbirne vor Ort scannen kann und direkt zum Lagerplatz geführt wird.

Gesa Oldekamp, Kristina Deike, Ellen Braun, Caroline Reif (v. l.); Foto: Stephanie Hanel

Auf die Frage nach den Anforderungen der Kunden berichtet Carolin Reif von den Selfpublishern, die mithilfe der digitalen Angebote die Verlags- und Buchhandelslandschaft gravierend verändern. Sie erwartet jedoch weniger einen kompletten Ersatz der bisherigen Strukturen, sondern setzt auf die Vielfalt an Möglichkeiten. Dem digitalen Produkt steht der Wunsch nach Haptik gegenüber, nach schönen und edlen Produkten, etwa bei Fotobüchern.

»Nur ein gutes Buch reicht nicht!«, sagt Ellen Braun. Heute brauchen wir innovative Ideen, Produkte mit Mehrwert. Eine weitreichende Vernetzung und strukturierte, durchdachte Konzepte sind erforderlich. Dafür muss hier und da auch Altes weichen. Doch genau das erfordert Mut, denn bisher impliziert »Altes vergessen« ein Scheitern. Gesa Oldekamp fordert, eine Fehlerkultur zu pflegen, wie sie in anderen Ländern bereits als Chance für Neues gesehen wird. Durch das Aufgeben alter Ideen entsteht Freiraum für kreative Denkprozesse.

Die digitale Vernetzung als wichtiger Marketingfaktor bringt entsprechende Veränderungen mit sich und stellt bisherige Prozesse infrage. Caroline Reif betont, wie wichtig es ist, die Wünsche der Zielgruppe durch Nutzerabfragen kennenzulernen und immer wieder zu aktualisieren. Es gilt, Diskussionen anzustoßen, denn gerade der Stellenwert der Selfpublisher wird von etablierten Marktteilnehmern unterschätzt. Wenn Autorinnen und Autoren weder Verlage noch Buchhandlungen brauchen, sind diese gefordert, sich neu zu erfinden, andere Angebote zu entwickeln und das Thema Selfpublishing ins Konzept aufzunehmen. Gerade deshalb sieht Gesa Oldekamp die digitale Transformation eher als Chance, denn als Bedrohung für die Branche.

Caroline Reif ergänzt, dass die Chancen für die Zusammenarbeit nicht gut genug genutzt werden. Aus der buchhändlerischen Praxis bestätigt Kristina Deike, dass sich das Aufgabengebiet ändert. Die Vielfalt der Anforderungen birgt die Gefahr eines zu breit gefächerten Angebots, das beliebig wird. Wichtig für ihren Weg waren vor allem die Fragen: Wo stehen wir? Welche Zielgruppe sprechen wir an? Sie hat sich für ein hochpreisiges Angebot mit klarer Struktur entschieden, ergänzt durch Beratungsdienstleistung, offen für Experimente in verschiedene Richtungen.

Am Schluss der Podiumsdiskussion ging es darum, was wir sofort umsetzen können. Nehmen wir die Scheuklappen ab, arbeiten wir nicht gegen-, sondern miteinander, ohne Arroganz. Dann finden wir neue Ansätze und können den Strukturwandel gestalten. Das Resumee der BücherFrauen: Es gibt viel zu tun – stoßen wir es an! #brancheimwandel

Christina Schmitt/Marion Voigt

 


Audiomitschnitt der Diskussion

Gesa Oldekamp im BücherFrauen-Blog über den Strukturwandel

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