Stuttgart: Podiumsdiskussion zum Strukturwandel in der Buchbranche


Jördis Beatrix Schulz, Gesa Oldekamp, Reinhilde Rösch, Susanne Martin und Solvey Munk. Foto: Heidi Wendelstein

Am 27. April 2017 luden die Stuttgarter BücherFrauen ein zu einer Podiumsdiskussion zum Thema »Herausforderung Strukturwandel – Was verbindet (noch) Buchhandel, Zwischenbuchhandel und Verlag?«. Nach der Begrüßung durch Städtesprecherin Almut Galos entwickelte sich schnell eine spannende Unterhaltung zwischen den vier eingeladenen Fachfrauen und der Moderatorin. Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann bei YouTube angesehen werden.

In einem Punkt war sich das vielseitig besetzte Podium einig: Amazon-Gründer Jeff Bezos hat alles richtig gemacht. Die Buchbranche in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten jedoch zu lange gebraucht, um sich auf den Strukturwandel einzustellen. Und so befindet sie sich heute in einer Umbruchphase, die sich mit den Worten von Moderatorin Reinhilde Rösch (Geschäftsführerin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Landesverband Baden-Württemberg) durchaus als disruptiv bezeichnen lässt.
 
Jördis Beatrix Schulz, Director von tolino publishing und tolino media, die bereits 1998 ihren ersten Onlineshop aufbaute, steht den Veränderungen in der Branche positiv gegenüber. Sie versucht mit tolino publishing eine Brücke zu bauen für Self Publisher aus dem Ebook-Bereich hin zum gedruckten Buch. Das Bedürfnis nach dem Gegenstand Buch existiert weiter und kann nicht vollkommen durch Ebooks als digitale Einheiten abgelöst werden.

Durch Anklicken des Fotos gelangen Sie zur Aufzeichnung der Veranstaltung.Eine gute Nachricht für den Zwischenbuchhandel. Denn, wie Solvey Munk von Umbreit betonte, sind die Zwischenbuchhändler Logistiker und daraus folgt: »Das Ebook kann uns nicht retten.« Neben der Digitalisierung und den Veränderungen des Leseverhaltens sah sie die größte derzeitige Herausforderung im Verschwinden der kleineren Akteure im Buchhandel. Mit immer weniger verschiedenen Kunden steigt die Abhängigkeit der Logistiker von den wenigen großen Kunden.

Auch Gesa Oldekamp, die Leiterin von Marketing und Vertrieb des Belser Verlags, sah aus Verlagssicht das Schrumpfen des stationären Buchhandels als aktuell größte Schwierigkeit: Die Verlage fürchten, dass sie so die Bandbreite ihres Programms nicht mehr halten können.

Susanne Martin versuchte nun zu erklären, warum der kleine stationäre Buchhandel derzeit so sehr unter Druck steht, dass viele aufgeben. Neben der Tatsache, dass das Internet als wichtiger Verkaufsplatz zu lange ignoriert wurde, steht sie jetzt als Buchhändlerin vor dem Problem, dass sich Ebooks schwer sichtbar machen und präsentieren lassen, bei einer kleineren Verkaufsprovision im Vergleich zum gedruckten Buch, kommt außerdem die aufwendige Beratungsleistung im Zusammenhang mit dem Gerätekauf (Ebookreader) hinzu. Zusätzlich macht ihr ein Generationenwechsel zu schaffen: Die Vielleser und Vielkäufer, die über Jahrzehnte ein wichtiges Standbein vieler Buchhandlungen waren, sind mittlerweile sehr alt und eher damit beschäftigt ihre umfangreichen Bibliotheken loszuwerden, als neue Bücher anzukaufen. Die jüngere Lesergeneration bindet sich nicht mehr an einen Laden, sondern kauft mal im Laden, mal bestellt sie bei einem anderen Anbieter (ohne schon wieder das A-Wort zu nennen) im Internet. Diese Generation möchte es schön haben, am besten noch ein paar andere attraktive Läden in der Nähe – was die Standortfrage für kleinere Buchhandlungen sehr kritisch werden lässt.

Aber wie soll man darauf reagieren? Reinhild Rösch fragte nach den Chancen und Möglichkeiten in der aktuellen Situation. Welche Strategien schlagen die Verlage ein, wie positioniert sich der Zwischenbuchhandel neu, was können Buchhändlerinnen tun?

Gesa Oldekamp erklärte, dass Verlage versuchen Nebenmärkte zu erschließen, wie z. B. den Einzelhandel. Dabei geht es einfach darum, in Ladengeschäften, aber vor allem auch im Internet, möglichst viel Sichtbarkeit für das Buch zu bekommen.

Aus dem Self Publishing-Bereich empfahl Jördis Beatrix Schulz die aktive Miteinbeziehung und enge Bindung zwischen Autorin und Leserin als nachahmenswert und verkaufsfördernd.

Städtesprecherin Almut GalosDas Stichwort Powerselling, das derzeit vor allem in den großen Buchhandlungen als Zaubermittel gilt, stieß bei Susanne Martin auf wenig Gegenliebe – allerdings zeigte sich, dass sie als Buchhändlerin in einem kleinen Laden sowieso eine enge Bindung zu ihren Kunden hat und indem sie individuelle Leseempfehlungen gibt, ihre eigene Form von kraftvollem Verkauf betreibt. Sie empfahl die persönlichen Empfehlungen zur Nachahmung: In der Schiller-Buchhandlung präsentiert jede Mitarbeiterin ihre eigenen Buchempfehlungen sowohl im Laden, als auch auf der Homepage – ein Service der von Kunden sehr gut aufgenommen wird – wie auch Anne Betten als Kundin der Schiller-Buchhandlung spontan aus dem Publikum bestätigen konnte.

Die Runde schloss mit dem allgemeinen Wunsch, neue Wege einzuschlagen. Die Fachfrauen formulierten das als Aufruf an sich selbst und an die Branche: Raus aus dem Alltag, hin zu den Kunden und zu den Inhalten, für die sie sich interessieren. Wir dürfen gespannt sein, wie uns die Buchbranche in den nächsten Jahren überrascht, wohin die neuen Wege führen.


Text: Eva Rincke
Fotos und Aufzeichnung der Veranstaltung: Heidi Wendelstein


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