Hamburg: Vom Buch zur App - ein Einblick in die Entstehung von Skipper-Books


Foto: Andrea Herzog, Hörcompany

Wie kommt ein Verlag auf die Idee, eine App zu entwickeln? Wie läuft so ein Prozess ab? Und bringt das dem Verlag überhaupt etwas? Auf diese und weitere Fragen haben die Hamburger BücherFrauen am 4. Juni ausführliche Antworten erhalten – beim Besuch des Verlags Hoffmann und Campe, genauer gesagt: des HoCa-Imprints Atlantik Verlag. Projektleiterin und digitale Expertin Ute Nöth nahm uns mit auf eine spannende Reise mit dem Verlagsmaskottchen Skipper, dem Hund mit der Buchschnauze.

In sieben Schritten aufs Handy
Skipper-Books – hinter diesem Namen verbirgt sich kein Segelabenteuer, sondern eine Buchverwaltungs-App, die der Atlantik Verlag offiziell auf der Leipziger Buchmesse 2015 präsentiert hat. „Von Buchliebhabern für Buchliebhaber gemacht“ lautete das Motto und das merkt man dem Projekt auch an. Ausgangspunkt war das 2014 bei Atlantik erschienene Büchertagebuch „Bücher sind treu“, dessen Umschlag ein „Bücherhund“ aus der Feder von Nikolaus Heidelbach ziert, der später auf den Namen „Skipper“ getauft wurde. Verleger Daniel Kampa wollte das Buch „irgendwie aufs Handy“ bekommen – und so begann ein aufwendiger Prozess, den Ute Nöth in sieben Schritten zusammenfasste.

1. Konkurrenzanalyse: Was gibt es bereits für Apps, die den Nutzern die Organisation ihrer Lektüre ermöglichen? Was bieten sie an, wie viel kosten sie?
2. Für welche Plattformen sind sie verfügbar?
3. Ausschreibung und Wahl eines Dienstleisters zur Entwicklung der App Konzeptphase: Was genau soll die App können? Was ist technisch überhaupt möglich?
4. Erstellung eines „Klickdummys“ zum Testen von Funktionen und Inhalten
5. Erstellung eines konkreten Layouts
6. Programmierphase
7. Einreichung der App zur Prüfung durch die ausgewählte Plattform

Der Teufel steckt im Detail
Die konkrete Schritt-für-Schritt-Anleitung offenbarte einige Aspekte, an die App-Laien nur selten denken. Mit am wichtigsten ist die Entscheidung für eine Plattform – jede von ihnen hat ihre Vor- und Nachteile, die im Vorfeld genau bedacht werden müssen (so ist der App Store von Apple viel kritischer bei der App-Prüfung, garantiert den Nutzern aber auch eine höhere App-Qualität als Google Play). Eine zum Beispiel für den App Store entwickelte App kann nicht mal eben bei Google Play eingestellt werden – sie muss dafür eigens programmiert werden, was nochmal fast genauso viel Zeit und Geld kostet.
Für ein digitales Produkt ist erstaunlich viel Arbeit auf Papier erforderlich. Ute Nöth zeigte verschiedene Skizzen der App-Oberfläche, die während der Konzeptphase entstanden sind und schon genau berücksichtigen mussten, welche Verknüpfungen die App bieten soll.
Beim Schritt von diesen Skizzen zum fertigen Layout wurde noch Millimeter für Millimeter an der Platzierung einzelner Bildelemente gefeilt. Auch deswegen ist es so wichtig, einen guten Dienstleister zu finden, der sich auf die Bedürfnisse des Kunden einlässt. Die Zusammenarbeit hat auch einen rechtlichen Rahmen: Es muss genau geregelt werden, welche Rechte der Entwickler und welche der Kunde an der fertigen App hat.

Das Ranking entscheidet über den Erfolg
Nach der Einstellung der App auf die ausgewählte Plattform – bei Skipper-Books entschied sich der Verlag für den App Store – geht die Marketing-Arbeit los. Entscheidend für eine gute Sichtbarkeit der App ist es, dass sie regelmäßig im Ranking des App Stores auftaucht, damit Nutzer auf sie aufmerksam werden. Deswegen konzentrierte der Atlantik Verlag seine Marketingaktivitäten wie Pressearbeit, Werbeschaltung und Merchandising auf den Start der App, während eine stetige Keyword-Optimierung der Website die Auffindbarkeit bei Suchmaschinen steigern soll. Hier betonte Ute Nöth, dass die Arbeit an einer App nie abgeschlossen ist – ohne regelmäßige Updates rutscht eine App schnell in die unauffindbaren Tiefen des App Stores ab und wird zur „Zombie-App“, die sich niemand mehr herunterlädt.

Was hat ein Verlag von einer App?
Aber was hat der Verlag davon, wenn die App oft heruntergeladen wird? Geld kostet Skipper-Books erst mal nicht. Auch werden keine Daten über das Leseverhalten der Nutzer gesammelt. Ute Nöth stellte das primäre Ziel der App als Investition in die Marke Atlantik heraus – der junge Verlag soll dadurch bekannter und Viellesern sympathisch werden. Außerdem werden den App-Nutzern regelmäßig Buchempfehlungen eingeblendet, die ein gutes Werbemittel für Atlantik-Titel darstellen.
Perspektivisch könnten diese Werbeflächen auch anderen Verlagen angeboten werden. Auch die Preispolitik wird sich vielleicht noch einmal ändern – kostenlos ist schließlich nicht immer ein Qualitätsmerkmal. Auch deswegen muss die App im Verlag immer im Gespräch bleiben und weiterentwickelt werden. Diese Empfehlungen gab Ute Nöth den BücherFrauen mit: Die Entwicklung und die Umsetzung einer App kosten viel Zeit und Geld und müssen sorgfältig geplant werden. Und da eine App niemals abgeschlossen ist, sollten kontinuierlich Ressourcen für Updates und Marketingaktionen zur Verfügung stehen. Es reicht leider schon lange nicht mehr aus, eine – wenn auch mit Hingabe und Expertise erstellte – App in den Store zu stellen, sich zurückzulehnen und auf den Erfolg zu warten. Am meisten profitiert der Verlag letztlich davon, wenn die Erfahrungen mit der App und das gewonnene Knowhow für weitere Projekte genutzt werden – als Schritt auf dem Weg zur digitalen Transformation, die heutzutage so oft von Verlagen verlangt wird.

Wir bedanken uns herzlich bei Ute Nöth und dem Atlantik Verlag für diesen schönen Abend und den einzigartigen Einblick in die Entwicklung einer App!

Text: Martha Wilhelm
Foto: Andrea Herzog, Hörcompany


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