< Sommerakademie 2015: „Auch Wackeln ist eine Form von Haltung“

Sommerakademie: Interview mit der Gründerin Karen Nölle


Seit über 10 Jahren ein Erfolg: die Sommerakademie auf Sylt

In diesem Jahr feiert sowohl der Branchenverband BücherFrauen/Women in Publishing e.V. Jubiläum wie auch das von den BücherFrauen entwickelte Konzept der „Sommerakademie“. Die „Sommerakademie“ ist ein mehrtägiger Workshop, der Textanalyse und Körperarbeit kombiniert: als Ausgleich zur intensiven „Kopfarbeit“ finden Körperübungen unter der Leitung einer Pilates-Trainerin statt. Behandelt werden Texte aller Art, nicht nur belletristische, auch Sachbuch- und Gebrauchstexte. Teilnehmen können Autorinnen, Übersetzerinnen, Lektorinnen, Journalistinnen und alle anderen „schreibenden Berufe“. Aus Anlass des Doppel-Jubiläums sprachen wir mit Karen Nölle, Übersetzerin, Lektorin und Autorin sowie „Erfinderin“ der Sommerakademie auf Sylt.

Wann und wie kam es zu der Idee, eine mehrtägige Weiterbildung anzubieten?

Karen Nölle: Ich glaube, es war 1996, als ich zum ersten Mal ein Seminar anbot - in Göttingen -, um zu probieren, ob meine Idee etwas taugt, LektorInnen und ÜbersetzerInnen an einen Tisch zu bringen, damit sie ihre verschiedenen Aufgaben in der Arbeit an Texten, die eines Tages gedruckt werden sollen, kennen und unterscheiden lernen. Die Idee dazu war aus der beruflichen Praxis gekommen - ich machte beides, redigieren und übersetzen (und schreiben), und fand, dass beide Seiten sich oft zu Unrecht misstrauten, statt gemeinsam ein schönes Produkt zu schaffen. Deswegen hießen die Seminare auch „Wie wird ein Text schön?“. Ich habe sie mehrere Jahre an verschiedenen Orten angeboten, zunehmend bei den Bücherfrauen, zunehmend nur für Frauen.

Was war der Auslöser, das Ganze in einer „Urlaubsumgebung“ zu veranstalten?

Karen Nölle: Die Seminare waren intensiv, ergiebig und anstrengend - oft war ich hinterher erschöpft. So entstand die Idee, das Nützliche mit dem Entspannenden zu verbinden - mit körperlichem Ausgleich zur Kopfarbeit und einer schönen Umgebung für Spaziergänge. Sylt, wo man sich vom Wind durchpusten lassen kann, hat die wunderschöne Akademie am Meer. Als wir dort willkommen geheißen wurden, war der ideale Ort gefunden.

Gab es seitdem jedes Jahr ein Seminar auf Sylt?

Karen Nölle:  Es musste noch keines ausfallen. Die erste Sylt-Werkstatt organisierte ich allein, dann fand die Übersetzerin und Lektorin Angela Kuhk, dass ich nicht immer so viel arbeiten sollte, und übernahm die Organisation. Zur Sommerakademie der Bücherfrauen wurde die Werkstatt erst nach einigen Jahren, als deutlich wurde, wie gut das Konzept funktioniert. Und seitdem hat Vera Seehausen in der Geschäftsstelle der BücherFrauen die Organisation übernommen.

Sylt bietet eine tolle Umgebung, doch gab es auch schon mal Überlegungen, andere Örtlichkeiten zu nutzen?

Karen Nölle: Sommerakademie und Sylt sind für mich eins - und für die BücherFrauen bisher auch. Das hindert aber weder mich noch die anderen Seminarleiterinnen anderswo ebenso wunderbare Seminare anzubieten.

Was ist mit „Körperarbeit“ gemeint und gehörte dieser Teil von Anfang an zum Seminarkonzept?

Karen Nölle: Die Körperarbeit war von Anfang an mehr als nur Ausgleich - das auch, aber mir ging es, als ich mir die Kombination ausdachte, noch um etwas anderes. Ich versprach mir gute Effekte auch für die Diskussionsrunden, davon, wenn die Teilnehmerinnen im Ganzen, nicht nur gedanklich, bewegt waren. Meine These: Es muss die Atmosphäre verändern, die Art der Gesprächsführung, die Art wie Themen an- und Dinge ausgesprochen werden. Für mich ist das aufgegangen, aber ich hätte auch Lust, die Kombination noch weiterzuentwickeln.

Welche Themen und Inhalte wurden im Laufe der Jahre behandelt? Wie findet die Auswahl statt?

Karen Nölle: Die Textarbeitsseminare bei mir sind immer eine Kombination aus rotem Faden und eingereichten Texten. Themen wie Syntax, Verknappung, Tempus, Was steht zwischen den Zeilen und wie bekommt man es dorthin?, oder wie in diesem Jahr Haltung lassen sich an fast allen Texten erarbeiten, wenn der rote Faden hält. Das ist dann meine Verantwortung.

Oft besprachen wir am Ende in der Runde, was als nächstes interessieren würde ... das war natürlich einfacher, als es noch „mein“ Seminar war, jetzt müsste ja eine neue Leiterin die Ideen aus der Vorrunde weiterverwirklichen. So entstehen jetzt auch mehr inhaltliche Ideen in der Akademiegruppe, denke ich. Aber letztes Jahr zum Beispiel hat die Autorin und Übersetzerin Beate Schäfer das Thema „Stimmen“ gewählt - und „Haltung“ konnte sozusagen nahtlos anschließen.

Welche Dozentinnen haben bisher ihr Wissen geteilt? Nach welchen Kriterien wurden sie ausgewählt?

Karen Nölle: Das waren außer mir Beate Schäfer, Verlegerin Cordula Haux und die Literaturagentinnen Susan Bindermann und Heike Wilhelmi. Die Akademiegruppe hat Vorschläge eingeholt und die Damen dann angesprochen und auf ihre Qualifikation hin überprüft.

Wie viele Frauen haben insgesamt an den Sommerakademien teilgenommen?

Karen Nölle: Über zehn Seminare à fünfzehn Frauen – davon allerdings etliche mehrmals. Auch in diesem Jahr hielten sich die Neuen und die Wiederholungstäterinnen ziemlich genau die Waage.

Können nur BücherFrauen teilnehmen?

Karen Nölle: BücherFrauen und Frauen aus den Verbänden VdÜ und dem VFLL zahlen den BücherFrauenpreis, für Frauen von außerhalb ist es etwas teurer. Aber teilnehmen darf jede professionelle Textfrau.

Was sind die schönsten Erinnerungen?

Karen Nölle: Die schönsten Erinnerungen? Das sind so viele! Auf jeden Fall aber sind es die Jahre, in denen Ostwind erlaubt, dass wir uns abends eine Burg aus Strandkörben bauen und aus unseren Texten vorlesen, zu Wein und Knabberzeug. Die Gespräche und Albereien dann sind schon etwas ganz Besonderes. Ich erinnere mich an ein Jahr, als Elvira Willems uns zum Schluss alle sogar noch zum Singen angeleitet hat. Ein Chor im Strandkorb.

Wie soll die Zukunft der Sommerakademie aussehen?

Karen Nölle: Das beschließt die Akademiegruppe. Aber bisher ist Sylt immer ganz schnell ausgebucht. Ich wüsste nicht, warum sich das ändern sollte. Ich komme auch gern wieder - vielleicht 2017 mit einer Fortsetzung des Themas Haltungen? Ich hätte da schon so eine schöne Idee für Schreibübungen.

Liebe Karen, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Anja Baier.


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