Berlin: Bericht - Bücher zeitgemäß inszenieren

Die Zeitungen sind in der Krise: 2003 betrug ihre Auflage noch 22,6, jetzt sind es nur noch 18,4 Millionen. "Die Zeit" hat keinen Literaturteil mehr, und auch die "FAZ" bevorzugt nicht mehr das klassische Feuilleton. Die Medienlandschaft verändert sich rasant, neue Wege ins Herz der LeserInnen müssen gefunden werden. Wie können Bücher kommuniziert werden, wenn es keinen Platz mehr gibt, fragen sich Verlage und AutorInnen? Aber neue Formate, neue Technologien und direktere Formen der Kommunikation mit den LeserInnen eröffnen auch neue Möglichkeiten. Mathias Voigt, Geschäftsführer von "Literaturtest", stellte am 5. März 2014 vor etwa 30 ZuhörerInnen Best-Practice-Beispiele seiner Agentur vor. Er war für Gabriele Schmidle eingesprungen, die bei Literaturtest die Marke Literaturfilm verantwortet und kurzfristig absagen musste. Der Abend im Berliner Literaturhaus wurde von Yvonne de Andrés moderiert.


Yvonne de Andrés im Gespräch mit Mathias Voigt

Nicht alle klassischen Medien allerdings verlieren an Bedeutung. Literatursendungen im Radio zum Beispiel haben ihre Formate nicht groß verändert und ihre HörerInnen-Schar wächst. Diese sollte man also weiter „bedienen“. Zudem könne es interessant sein, neben den altbewährten Wegen auch andere Wege, wie die Social Media, zu begehen, so Voigt. Hier steigen die NutzerInnen-Zahlen enorm – waren es 2011 noch 25,7, so sind es heute bereits 10 Millionen mehr. Ganz vorn ist hier Facebook mit 82 Prozent, gefolgt von "Youtube" und "Xing". Die Agentur "Literaturtest" nutzt neben diesen auch "Twitter" und die Plattform "Pinterest".

Ein Trend sind Verlags- und AutorInnen-Blogs. Manche SchriftstellerInnen arbeiten schon länger damit; einige Verlage steigen jetzt ein. Ein Beispiel ist Aus dem Notizbuch des Verlegers. Es werden auch Blogs speziell für einzelne Titel entwickelt, wie etwa Der bleiche König von David Foster Wallace. Auch die Bedeutung von Kundenrezensionen ist groß. Voigt weist darauf hin, dass Bücher ab zehn Rezensionen eine bessere Chance haben verkauft zu werden. Und JournalistInnen greifen bei ihrer Recherche unter anderem auf Blogs zurück.

Lese-Communitys sind ebenfalls ein neuer Weg der Kundenbindung. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der Verlag kann den Austausch selbst steuern, AutorInnen werden aktiv eingebunden, durch Empfehlungen innerhalb und außerhalb der Community werden Verkaufszahlen angekurbelt. Außerdem erhalten Verlage und AutorInnen für ihre Bücher, zum Beispiel durch Vorab-LeserInnen, ein Feedback. Hinsichtlich der Auflage können sich Verlage unter anderem in Lese-Communitys daran orientieren, wie viel Interesse die Leser am jeweiligen Titel zeigen (Wollt-ihr-das-überhaupt-lesen-Test). "Bastei-Lübbe" soll dies so praktizieren.


Das BücherFrauen-Auditorium im Kaminzimmer des Berliner Literaturhauses

Ein besonders emotionaler Zugang zum Text sind Buchtrailer. Sie werden gesehen, gelistet und geteilt. Auch JournalistInnen schätzen diese bewegten Bilder zur Platzierung in Blogs und auf Websites.

Matthias Voigt weist auf die neuen AdressatInnen der Buch-PR hin. Online-rezensentInnen und BloggerInnen kommentieren, zitieren und verlinken mit hoher Geschwindigkeit. Durch ihre Vernetzung werden sie zu einer publizistischen Kraft mit großer Reichweite. In Deutschland gibt es bereits drei Millionen Blogs, die über "Google" schnell gefunden werden. Auch Amazonrezensionen sind nicht zu unterschätzen. Der Netzwerkkritiker Dr. Werner Fuchs hat schon über 3000 Bücher rezensiert und gilt als Instanz beim Online-Riesen.

Gespannt lauschen die ZuhörerInnen im Literaturhaus Voigts Ausführungen zu neuen Vertriebswegen. Er stellt unter anderem eine digitale Verlagsvorschau vor. Es gibt zum Beispiel auf bestimmte Zielgruppen abgestimmte Vorschau-Apps, Leseproben und Bildgalerien für Buchhändler, Journalisten und Endkunden. Eine Spezialität von Literaturtest ist das Herstellen kurzer Literaturfilme, die auf AutorInnen und Bücher aufmerksam machen. Mit so einem Trailer über ihren ersten Berlin-Krimi Die Einsamkeit des Chamäleons bewarb sich Patrica Holland Moritz auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Sie wurde daraufhin zur "Langen Krimi-Nacht" eingeladen und sitzt jetzt mit solchen Krimi-Größen wie Arne Dahl und Håkan Nesser auf dem Podium.

Nach der überaus interessanten Vorstellung entspinnt sich eine rege Diskussion mit den TeilnehmerInnen im Berliner Literaturhaus, die von Yvonne de Andrés charmant moderiert wird. Besonders interessiert die Frage, wie teuer ein Literaturfilm ist. Na, das kommt ganz darauf an … Aber wer Anregungen sucht, wird auf YouTube fündig.

Hier der Vortrag "Bücher zeitgemäß inszenieren" von Matthias Voigt zum Nachlesen.

Weitere Informationen:
www.literaturtest.de
https://www.facebook.com/AgenturLiteraturtest
http://www.youtube.com/Literaturfilm

Text und Fotos von Ramona Ehret

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