Die Liebe zum Buch – Messerundgang von und mit Bücherfrauen

Buchmesse. Freitag, 10 Uhr morgens in Leipzig. Die Hallen haben gerade erst aufgemacht, aber die Messe brummt. Und die Bücherfrauen sind mittendrin. Am Stand, im Gespräch, auf Akquise oder der ersten Lesung.

Drei Frauen aus der Buchbranche werden an diesem Vormittag ihre Arbeit sichtbarer machen und einen Einblick in ihre Berufsbilder und ihre persönlichen Lebenswege geben. Bereits zum dritten Mal hat Jana Stahl von der Regionalgruppe Rhein-Neckar einen Rundgang über die Leipziger Buchmesse organisiert und Expertinnen aus verschiedenen Verlagen gebeten, etwas über ihre Arbeit und den Weg dahin zu erzählen. Und knapp 10 Frauen in Ausbildung oder Umbruchssituationen sind gekommen, um sich inspirieren zu lassen, Fragen zu stellen und neue Kontakte zu knüpfen.

Interesse am Gegenüber

Station 1: Halle 5. Wir treffen als erstes Stephanie Haack, Pressefrau bei Mare, einem kleinen Zeitschriften- und Buchverlag, der ausschließlich zum Thema Meer publiziert und bei vielen Menschen nicht nur im Landesinneren die Herzen höher schlagen lässt. Als Pressefrau bedeutet die Leipziger Buchmesse für Stephanie Haack natürlich Einsatz rund um die Uhr. Pressevertreter haben im Vorfeld Termine mit ihr ausgemacht, es stehen Treffen mit Kooperationspartnern an, sie wird auf Preisverleihungen erwartet und Autoren wollen betreut werden. „Werden die Autoren nicht von ihren Lektoren betreut?“, kommt eine Nachfrage aus der Runde. Inhaltlich sind natürlich schon die Lektoren zuständig, von denen aber nicht immer alle zur Messe erscheinen können, erklärt Stephanie Haack. Als Pressefrau ist man oft Ansprechpartnerin und Schnittstelle, gerade bei kleineren Verlagen. Neben all diesen festen Terminen heißt Messe aber auch spontane Begegnungen. „Es ist schon ein Sehen und Gesehen werden“, sagt Stephanie Haack, die trotz Krach und Zeitdruck eine beeindruckende Ruhe und Konzentriertheit ausstrahlt. Was würde sie sagen, muss frau als Pressevertreterin unbedingt mitbringen? „Neugier. Neugier auf andere Menschen und ein Interesse an seinem Gegenüber. Zuhören können.“

Mit Pressefrau Stephanie Haack (2.v.r.)

Und wie ist sie Pressevertreterin geworden? Nach einem Umweg über eine Werbeagentur reift bei ihr der Wunsch, etwas Nachhaltiges zu entwickeln. Es folgt ein praxisorientiertes Studium der Buchwissenschaft, Publikation und Kommunikation in Mainz, ein Praktikum bei Suhrkamp und eine spontane Begegnung mit einem entfernten Bekannten, der bei Mare arbeitet. Und der ihr rät, sich doch zu bewerben. Stephanie Haack macht zunächst ein Praktikum, dann ein Volontariat, dann als Zwischenlösung eine Stelle in der Presse. Die Zwischenlösung dauert nun schon eine Weile an. Die Arbeit in einem kleinen Unternehmen mit familiärer Atmosphäre und geringer Fluktuation ist so erfüllend, dass sie auch als Mutter eines zweijährigen Kindes wieder Vollzeit an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt ist. Wir freuen uns mit ihr und machen uns auf den Weg zur zweiten Station.

Es ist unglaublich, wie schnell sich Jana Stahl durch die Menschenmassen schlängelt und obwohl wir uns alle vorgenommen haben, sie nicht aus den Augen zu verlieren, ist sie dann doch nach ein paar Minuten nicht mehr sichtbar. Wie gut, dass sie die nächste Station vorher angekündigt hat.

Frauen in den Vertrieb

In Halle 4, am Stand von dtv treffen wir Katharina Scholz, die sich kurz vor einer wichtigen Veranstaltung trotzdem Zeit für die Bücherfrauen nimmt. Die junge Verkaufsleiterin betreut für dtv den Verlagsbereich Literatur. Und das heißt, dass sie all die Literatur, die in Kürze erscheinen wird, zunächst einmal selbst liest. Bevor sie sie den großen Sortimentern präsentiert, mit Schlüsselkunden Jahresgespräche führt und Konditionen aushandelt, sich über Ladenpreise und Vorschaugestaltung Gedanken macht. Katharina Scholz erzählt unglaublich klar und strukturiert, und man merkt ihr an, dass sie es gewohnt ist, Dinge zu erklären.

Katharina Scholz (Mitte)

Auch für die Bücherfrauen, die noch oder wieder auf der Suche nach Wegen in die Verlagswelt sind, hat sie gleich zwei wichtige Botschaften mit dabei. „Wer interessiert sich für Vertrieb?“ Keine einzige Hand hebt sich. „Das ist nicht das erste Mal, dass ich diese Erfahrung mache.“ Der Weg in den Verlag ist nicht einfach, und am schwierigsten ist es im Lektorat. Trotzdem wollen gerade dort die meisten Frauen hin. Dabei braucht es im Vertrieb der Verlage genauso die Liebe und Begeisterung für Bücher, die Freude am Umgang mit Menschen und natürlich auch eine gewisse Zahlenaffinität, gibt Katharina Scholz zu bedenken. Das zweite Thema, das die Verkaufsleiterin, die sich auch in der Nachwuchsförderung engagiert, nicht müde wird zu betonen, lautet Netzwerken. Und das heißt, auf die Abendveranstaltungen von Verlagen und Karrieretage zu gehen, sich im Nachwuchsparlament, bei den Jungen Verlagsmenschen und natürlich den Bücherfrauen zu engagieren. „Man muss viel Hartnäckigkeit an den Tag legen und darf sich nicht entmutigen lassen.“ Manchmal ist auch ein Umzug nötig. Katharina Scholz freut sich, zur Buchmesse wieder in Leipzig, der Stadt ihrer Studientage, zu sein, aber es war klar, dass sie für ihre Karriere nach München umziehen musste.

Auf das Schöne setzen

Von München ist es nicht weit bis an den Bodensee. Dort wächst der Gmeiner Verlag und mit ihm die Crew um die Marketing- und Vertriebsleitung Diane Kopp, auf die wir als nächstes in Halle 4 warten. Der Gmeiner Verlag setzt ganz bewusst auf Nische und ist damit in den letzten Jahren sprunghaft gewachsen. „Was gibt es Schöneres als Lesern spannende Unterhaltung zu bieten?“, fragt Diane Kopp und fügt auch gleich hinzu, dass Krimis mit Lokalkolorit lange Zeit etwas verpönt waren. Diane Kopp und Nina Wolfframm, Werbeleitung, verspäten sich leicht, um dann auf Wolke 7 auf den Stand zu schweben, frisch mit dem Sales Award Newcomer-Preis 2013 gekürt. Ausgezeichnet wurde Diane Kopp, weil sie für eine neue E-Books Only-Reihe ein eigenes Vertriebssystem aufgebaut hat. Was hält sie für das Wichtigste, was man für einen Einstieg in die Verlagsbranche mitbringen sollte? „Die Liebe zum Buch. Auch wenn man nicht jedes Einzelne mag.“

Diane Kopp und Nina Wolffram mit dem Sales Award Newcomer Preis

Darauf kann frau sich in Leipzig auf jeden Fall einigen. Und nach einem kurzen Abstecher zum Bücherfrauen-Stand, einem herzlichen Empfang durch Natalia Werdung, die 2. Vorsitzende, und jeder Menge ausgetauschter Visitenkarten löst sich die Gruppe auf und gibt sich für den Rest des Tages mit einem Kopf voller neuer Gedanken und Eindrücke der „Liebe zum Buch“ hin.

Text: Kathrin Köller | Regionalgruppe Berlin

Fotos: Heike Weise

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