Berlin: Bericht - Wozu (noch) Verlage?

Zu Gast bei den Bücherfrauen: die epubli-Frau Carolin Reif

Am 13. April hatte Marlies Michaelis, BücherFrau und klassische Verlegerin des Cividale Verlages, sich mit Carolin Reif, Autorenbetreuerin bei epubli, zum Podiumsgespräch verabredet. Die Veranstaltung fand bei unseren Gastgeberinnen Margarete Schwind und Sabine Schaub von Schwindkommunikation in Charlottenburg statt. Sehr schön residiert die Agentur für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Galerie Schmalfuss. Die moderne Kunst in den geräumigen Altbauräumen der Knesebeckstraße bot für unsere Veranstaltung den passenden Rahmen. Wir konnten ausführlich über die Vor- und die Nachteile der neuen Publikationsformate Self- und E-Publishing sprechen und uns austauschen.

Carolin Reif startete augenzwinkernd mit ihrem „Impulsreferat“. Neben Portalen wie gutefrage.net und NetDoktor.de sei epubli „nicht das größte Pferd im Stall“ der Holtzbrinck Digital Content Group, aber mit etwa 12.000 Publikationen Print und Digital die Nummer 1 in Deutschland mit diesem Angebot.

Bei 20 Mitarbeiter*innen zu rund 5.500 betreuten Autoren und Autorinnen beschränkt sich das Angebot auf die Erstellung des E-Books bzw. den Print-on-Demand, den Vertrieb inklusive ISBN und auf die persönliche Beratung, die sich überwiegend als Hilfe zur Selbsthilfe versteht. Die Autorenbetreuer*innen beantworten Fragen, unterstützen im Umgang mit kostenlosen Webinaren und anderen webgestützten Tools wie beispielsweise dem neuen Cover Designer. epubli empfiehlt vom Unternehmen geprüfte Dienstleister für Lektorat, Covergestaltung, Marketing und PR, ohne daran mitzuverdienen.

Publizieren ohne verlagsseitige Prüfinstanz

Marlies Michaelis möchte als traditionelle Verlegerin wissen, ob es zukünftig Schutzhinweise für Verbraucher in den Klappentexten wie beispielsweise „Dieses Buch wurde lektoriert“ braucht. Die Autorenbetreuerin räumt ein, dass sie lediglich ausgewählte Passagen lesen könne. Insgesamt sei das keine fachliche Korrektur, man könne den Kunde*innen nur einzelne Hinweise geben. Nachträglich seien Korrekturen schnell und ohne Probleme möglich. Dies sei ein weiteres Plus der neuen Produktionsverfahren. Dafür muss auch keine Änderung der ISBN vorgenommen werden.

Das punktuelle 4-Augen-Prinzip ist kein zuverlässiges Mittel, um beispielsweise rassistische oder pornographische Aussagen zu entdecken. Bisher habe es noch keine „Eskalation“ gegeben. Unter dem Hinweis, dass es genügend abgelehnte Bücher gibt, die später erfolgreich wurden, setze epubli auf das Spiel der freien Kräfte. Es sei die Qualität, die sich verkaufe und für diese Qualität sei jeder epubli-Autor und jede Autorin, auch im rechtlichen Sinn, selbst verantwortlich.

Auf eigenes Risiko

Skeptische Stimmen aus dem Publikum befürchten, dass der eine oder die andere Self-Publisherin sich nicht nur mit Marketing, PR und Lektorat übernimmt, sondern auch finanziell. Carolin Reif grenzt das Unternehmen energisch gegen sogenannte Zuzahlverlage ab.

Das Geschäftsmodell epubli wurzele im Ärger des Gründers über versteckte Kosten beim Druck seiner Doktorarbeit. Transparenz der Kosten, keine Vorauszahlung und Print-on-Demand seien die Garanten, dass selbst bei minimalen Verkäufen kein größerer finanzieller Schaden entstehe.

Bei epubli gibt es eine Handvoll Topseller, aber auch sehr viele, die sich nur sehr langsam verkaufen. Zahlen oder Erlösstrukturen hat sie an diesem Abend leider nicht mit dabei. Neben vielen Privatkunden veröffentlichen auf der Plattform auch Wissenschaftsbetriebe, Zeitungen und Zeitschriften wie die Zeit, Journalisten, Blogger, Fotografen und Hybridautoren, die professionell und zielgruppengerecht mit den unterschiedlichen Kommunikations- und Vertriebskanälen umzugehen wissen.


„Es liegt ja nicht da…“

Keine finanzielle Vorleistung – keine Lagerware – online und offline zugleich – parallel in mehreren Verlagen veröffentlichen – 5 Tage Kündigungsfrist. Das sind attraktive Vorteile, die epubli und die neuen Produktionsweisen den Autoren*innen anbieten, um schnell und kostengünstig deren Texte auf den Markt zu bringen. 24h-Lieferbarkeit, Sichtbarkeit und Erhältlichkeit im stationären Buchhandel bleiben bislang offene Wünsche. Noch fehlen hier geeignete Tools und es hängt vom Engagement des Autors, der Autorin ab, mit einzelnen Buchhandlungen zu kooperieren und dann auch für die Verfügbarkeit des Buches zu sorgen.

epubli befindet sich im Gespräch mit KNV. Hier konnte Caroline Reif jedoch noch nicht „aus dem Nähkästchen plaudern“. Wir können also gespannt sein, ob es hier ähnliche Angebote geben wird wie bei den Verlagen, die KNV in der Auslieferung betreut oder wie das Angebot aussehen wird. Frau Reif sieht optimistisch in die Zukunft. Denn nicht nur die technischen Möglichkeiten entwickeln sich rasant, sondern auch der Buchhandel öffnet sich zunehmend für Plattformen und E-Books. 

Die Gretchenfrage: Was ist in 10 Jahren?

Deutlich macht Carolin Reif, dass es ihr nicht um ein Entweder/Oder geht. epubli könne und werde nicht den Fullservice anbieten, den klassische Verlage ihren Autoren*innen angedeihen lassen. Sie geht davon aus, dass der Markt noch nicht ausgeschöpft ist und dass beide Sparten bis 2016 parallel wachsen werden. Zu der Vision von epubli gehört es auch, dass es im gemeinsamen Wettbewerb nicht zu einem hohen Preisdruck kommen soll, da kein „Haus“ seine Autor*innen verlieren will. Marlies Michaelis ergänzt mit ihrer Einschätzung, dass klassische Verlage und Self-Publishing-Portale zugleich davon profitieren werden, dass das Publizieren immer günstiger und immer mehr Leser über einen höheren Bildungsabschluss verfügen werden. Mit der gemeinsamen optimistischen Prognose geht der interessante Abend, der in einigen Punkten konträr verlief, zu Ende. 

Bericht: Martina Martens
Fotos: © Susanne Zeyse

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