BücherFrauen aus Katalonien

Passend zum Schwerpunktthema der diesjährigen Frankfurter Buchmesse präsentierten sich die BücherFrauen auch 2007 mit einer internationalen Veranstaltung, in der es um Frauen in der katalanischen Buchbranche ging.

Auf dem Podium vertreten waren:
Valeria Bergalli, die im Jahr 2000 ihren Verlag editorial minúscula in Barcelona gegründet hat. Der Name gibt sowohl einen Hinweis auf die Größe des Verlages – bislang betreibt ihn die Verlegerin als Ein-Frau-Unternehmen, teilweise unterstützt von Praktikantinnen und freien Mitarbeiterinnen. Minúscula bedeutet andererseits auch »Kleinschrift« und reflektiert das bewusst schlicht gehaltene Erscheinungsbild der Bücher.

Bergalli
Ca. acht bis zehn Neuerscheinungen in spanischer Sprache bringt Valeria Bergalli derzeit pro Jahr heraus. Wenn sie zum Jahresende ihre erste feste Mitarbeiterin einstellen wird, könnten es vielleicht zehn bis zwölf Neuerscheinungen werden.
Als einziges Kind vielreisender Eltern fand sie schon früh ihre wahre Heimat in Büchern. Als sie dann durch eine Erbschaft finanziell in die Lage versetzt wurde, ihren Verlag zu gründen, wusste sie ganz genau, welche Bücher sie machen wollte. So findet sich in ihrem Programm die Reihe »Alexanderplatz«, mit Titeln von Irmgard Keun, Erika Mann, Victor Klemperer u.a. Verkaufen lässt sich dieses ambitionierte literarische Programm dank eines in Spanien noch gut funktionierenden Netzes unabhängiger Buchhandlungen.
Ihren Stand in Frankfurt teilt sich Valeria Bergalli mit zwei italienischen und einer französischen Verlegerin – ein gutes Beispiel für internationales Netzwerken.
Pilar Beltran leitet den Verlag »Edicions 62«, der zu einer ebenfalls in Barcelona ansässigen Verlagsgruppe, der »Grup 62« gehört. »Unter den Großen sind wir die Kleinen, unter den Kleinen die Großen«, sagt sie.
Beltran
Ihr Verlag, der älteste innerhalb der Gesamtgruppe, wurde im Jahr 1962, noch unter der Franco-Diktatur gegründet. Bücher in dieser Zeit zu machen sei für alle Verlage in Spanien schwierig gewesen, sagt Pilar Beltran. Doch aufgrund der besonderen Unterdrückung der katalanischen Kultur durch das Regime stellte die Gründung eines katalaonischsprachigen Verlages eine besondere Herausforderung dar.
Gemeinsam mit einem Kollegen ist Pilar Beltran für das Programm verantwortlich. Aufgaben wie Vertrieb, Werbung etc. werden von der Gesamtgruppe übernommen. Zu den Autorinnen und Autoren des katalanischsprachigen Programms gehören u. a. Agota Kristof, Donna Leon, Mercè Rodoreda, Paul Auster – und auch Al Gore. 40 Jahre lang wurde das Programm von einem Mann verantwortet, wodurch hauptsächlich männliche Autoren Aufnahme fanden. Hieran habe sich aber bereits etwas geändert, meint Pilar Beltran.

Bergalli, Brandt, Beltran
Geleitet wurde das Gespräch von Kirsten Brandt, die selbst einige Jahre in Barcelona gelebt hat und in der Buchbranche bereits in unterschiedlichsten Arbeitsfeldern tätig war: im Buchhandel, im Verlag und auch in einer Agentur. Zurzeit arbeitet sie als Übersetzerin.
Einleitend machte sie einige Angaben zum katalanischen Buchmarkt in Zahlen. So erschienen in der Zeit vor dem Spanischen Bürgerkrieg gut 800 katalanische Titel jährlich – eine Zahl, die erst 1977 wieder erreicht wurde. Derzeit sind es 8.400. Die Stadt mit den meisten Verlagen in ganz Spanien ist die katalanische Metropole Barcelona.

Verdienst- und Karrieremöglichkeiten von Frauen in der Buchbranche
In vielen Punkten lassen sich keine speziellen Aussagen für Katalonien treffen. Zum Lohnniveau lässt sich für ganz Spanien feststellen, dass (in allen Branchen) Frauen in der Regel weniger als Männer verdienen. Im Schnitt erreichen sie 73 % des vergleichbaren männlichen Verdienstes. Auch in der spanischen Buchbranche – die wie in Deutschland weiblich ist – stellt sich das nicht wesentlich anders dar. Man trifft überwiegend Lektorinnen und Agentinnen an, leitende Positionen haben Frauen jedoch selten inne. Viele Kleinverlage werden von Männern gegründet, die dann relativ schnell eine Sekretärin beschäftigen ... In den großen Verlagsgruppen finden sich auf der Führungsebene fast ausschließlich Männer. Doch es gibt einen kleinen Lichtblick: Den Vorsitz der Buchhändlervereinigung hat eine Frau inne.

Jüngere Frauen sind z. T. besser qualifiziert als Männer, eine Tatsache, die sich jedoch bislang nicht in der Bewertung weiblicher Arbeit niederschlägt. Diese wird vielfach noch als Zuverdienst zum Familieneinkommen gewertet.
Die Zapatero-Regierung arbeite zwar an einem Quotierungsgesetz, aber das Bewusstsein, dass es wichtig ist, aktiv etwas für die berufliche Förderung von Frauen zu tun, sei jedoch unterentwickelt. Vielfach herrscht der Glaube, über die gute Qualifizierung von Frauen werde sich über kurz oder lang alles in Wohlgefallen auflösen. Eine Annahme, die sowohl Valeria Bergalli als auch Pilar Beltran sehr kritisch sehen.

Das System der beruflichen Ausbildung in Spanien ist nicht so starr organisiert wie in Deutschland. Buchhändler/in z. B. ist kein Ausbildungsberuf. Die Vermutung von Kirsten Brandt, es sei deshalb leichter, in bestimmte Tätigkeiten »hineinzurutschen«, wurde von beiden Frauen auf dem Podium bestritten.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie
In Spanien ist eine ganztägige Kinderbetreuung – von der Krippe über den Kindergarten bis zur Ganztagsschule – gewährleistet. Trotzdem ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht unproblematisch.
Weder Valeria Bergalli noch Pilar Beltran haben Kinder – und beide sehen aufgrund ihrer derzeitigen Arbeitsbelastung Probleme. Auch in Spanien müssten sich Frauen zwischen Kindern und Karriere entscheiden; beides zusammen ließe sich schwer organisieren.

Und gibt es Ansätze dafür, dass Frauen sich organisieren, um ihre Situation zu verbessern? Gibt es z. B. einen »Nährboden« für eine Organisation wie die BücherFrauen? Es werde viel gesprochen, sagt Valeria Bergalli. Aber – noch – zu wenig getan.

Text: Heike Carstensen
Fotos: Britta Jürgs

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