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Elisabeth Borchers: Nicht zur Veröffentlichung bestimmt (Fragment)


Cover: Boerchers, Nicht zur Veröffentlichung bestimmt

Der Titel und die erste Passage des Buches machen hellhörig: „Wenn das gelingt, was mir Arnold empfohlen hat, müsste der Titel lauten: Nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Nach nahezu 40 Jahren ein rücksichtsloser Blick auf Verlag, Autoren, Bücher, Manuskripte. Kein Pardon soll gegeben werden.“ Im Nachlass von Elisabeth Borchers (1926–2013), Lyrikerin und legendäre Lektorin der Verlage Luchterhand und Suhrkamp, fand sich ein unfertiges Manuskript aus den Jahren 1999, 2004 und 2005, das mit dieser Eröffnung beginnt. Der Frankfurter Verlag Weissbooks hat es in diesem Frühjahr veröffentlicht.

Auch wenn es die Ankündigung zunächst vermuten lässt: Es handelt sich nicht um eine schonungslose Abrechnung mit ehemaligen WeggefährtInnen. Vielmehr hält Borchers viele der kleinen und großen Momente und Geschichten fest, die sie im Lauf der Jahre im deutschen und internationalen Kultur- und Literaturbetrieb erlebt hat, die sie geprägt haben, die von ihr geprägt wurden und die sie im Alter, da der berufliche Alltag deutlich weniger Raum in ihrem Leben einnimmt, reflektiert. Dabei spielen auch Kränkungen und Enttäuschungen eine Rolle. Vieles wird jedoch auch mit einer gewissen Gelassenheit und Heiterkeit betrachtet. Aber es geht auch um das Hier und Heute, das scheinbare Mehr an Zeit, um Vergänglichkeit, Liebe und Sehnen. Die Aufzeichnungen, in denen Elisabeth Borchers ihre Gedanken oft treiben lässt, bis sie, angestoßen durch einen Blick aus dem Fenster, durch die Lektüre eines Artikels, durch das Lesen einer Widmung, das Betrachten eines Bildes, der Wiederfinden einer gepressten Knospe in einem Buch wie von selbst eine Richtung einnehmen und ein Thema finden, zeigen neben der einflussreichen Lektorin Borchers die feinsinnige Lyrikerin Borchers. Folgerichtig finden sich einige Bilder, Formulierungen, sogar ganze Passagen des Fragments in späteren Gedichten von Elisabeth Borchers sowie in ihren Poetikvorlesungen wieder, die sie 2003 in Frankfurt hielt.

Eine lohnende, kurzweilige und anregende Lektüre, die eine der wenigen einflussreichen Frauen des deutschen Literaturbetriebs der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und eine großartige Lyrikerin in Erinnerung ruft. Noch lebendiger, klüger, ausgefeilter, hintergründiger als in diesen Aufzeichnungen kann man sie bei der Lektüre ihrer Gedichte erleben. Sie seien jedem ergänzend empfohlen.

Elisabeth Borchers, Nicht zur Veröffentlichung bestimmt
Fragmentarisches Manuskript
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Martin Lüdke
Unter Mitarbeit von Ralf Borchers
Weissbooks GmbH Frankfurt am Main, 2018
Gebunden, 168 Seiten
ISBN 978-3-86337-103-6, 22 Euro

Eine Empfehlung von Ulrike Anders, mail(at)lektorat-anders.de

Ulrike Anders hat Buchwissenschaft und Germanistik studiert sowie eine Ausbildung zur Sortimentsbuchhändlerin absolviert. Als Lektorin und Projektmanagerin war sie bei den Verlagen Suhrkamp und KV&H (Harenberg) angestellt; heute lebt und arbeitet sie als freie Lektorin und Editorin in Essen.


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