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Celeste Ng: Kleine Feuer überall (Roman)


Cover: Ng, Kleine Feuer überall

„Für alle, die eigene Wege gehen und überall kleine Feuer legen“ lautet die Widmung, die Celeste Ng ihrem Titel voranstellt. Passend dazu beginnt die Handlung mit einer Brandstiftung. Lizzy, das jüngste Kind der Familie Richardson, soll ihr Elternhaus in Schutt und Asche gelegt haben. Die Geschichte dahinter entfaltet sich auf 382 Seiten und liest sich spannend wie ein Krimi.

In Shaker Heights, einem Vorort von Cleveland, ist die Welt 1998 noch in Ordnung. Kein Wunder, denn „es gab Regeln, viele Regeln, was man tun und nicht tun durfte.“ An diese Regeln hält man sich vernünftigerweise. Sowohl bei der Farbe des Außenanstrichs der Häuser wie auch bei der Höhe des Rasens. Die Belohnung dafür ist ein sorgenfreies Leben, das nach Plan verläuft: Schule, Uni, Studium und danach die Gründung der eigenen Familie in einem hübschen Eigenheim.

In einem solchen ist die Familie Richardson mit ihren vier halbwüchsigen Kindern Trip, Lexie, Moody und Izzy zuhause. Als Gutmenschen vermieten sie ihre Zweitwohnungen an Menschen, die es im Leben schwerer haben. In diesem Sommer an die Fotografin und Künstlerin Mia (36) und ihre 15jährige Tochter Pearl. Es treffen Welten aufeinander: Auf der einen Seite die Vorzeigesprösslinge ohne finanzielle Nöte und dort Pearl, die bereits 46 Mal umgezogen ist und deren Besitztümer in den Golf der Mutter passen.

So gegensätzlich sie sind, so anziehend finden sich die beiden Parteien. Es entstehen Freundschaften, eine Liebesbeziehung und Izzy findet in Mia eine Seelenverwandte, d.h. eine Ersatzmutter. Überhaupt haben in diesem Buch die Frauen das Sagen. Angefangen bei der kontrollsüchtigen Mutter Elena (40), die Kolumnen für die Lokalzeitung schreibt bis hin zu Mia, die als Künstlerin in einer prekären Situation lebt und ihren Lebensunterhalt mit mehreren Jobs gleichzeitig verdient. Als diese anfängt sich in einem Sorgerechtsstreit auf die Seite der jungen mittelosen Chinesin zu stellen und sie gegen die gutsituierten Freunde der Richardsons zu unterstützen, ist Elena entsetzt. Die Toleranz des Gutmenschentums erweist sich als bloße Heuchelei. Elena zieht um ihre Freundin beim Sorgerechtsstreit zu unterstützen alle Register und schreckt auch vor Nötigung nicht zurück. Und sie rächt sich für die Verletzung der Spielregeln an Mia, indem sie als Hobby-Ermittlerin im Vorleben von Mia herum stochert. Die hat eine Abreibung verdient, denn für Elena ist Mias Lebensweise eine Bedrohung: „ Regeln gab es aus einem bestimmten Grund: Wer sie befolgte kam voran; wer es nicht tat, drohte die Welt in Asche zu legen.“

Am Ende schließt sich der Kreis. Mutter und Tochter werden die Idylle verlassen, im Golf, so wie sie gekommen sind.. Nichts ist mehr so wie es vorher war. Zurück bleibt eine Familie, deren Haus in Flammen steht und die von vorne anfangen muss. Was passiert, wenn Struktur auf Chaos trifft zeigt uns Celeste Ng in ihrem neuen Buch. Für wen ihr Herz dabei schlägt, wird bereits in der Eingangszeile deutlich. Und so ist das Buch auch ein Plädoyer für die Individualität und eine Ermutigung eigene Wege zu gehen und sich der Gefahr der Freiheit auszusetzen.

Celeste Ng, Kleine Feuer überall
dtv Verlag, München 2018
übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Brigitte Jakobeit
Gebunden, 382 Seiten,
ISBN 978-3-423-28156-0, EUR 22,00 €

Eine Empfehlung von Gerlinde Moorkamp, moorkamp(at)litag.de

Foto: privat

Gerlinde Moorkamp arbeitet seit 2000 für die Literarische Agentur Silke Weniger, München. Sie betreut deutschsprachige Autorinnen und Autoren aus den Bereichen Belletristik, Kinder- und Jugendbuch


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