Agnes Krup: Sommergäste (Roman)

Sommer 1925 – auf einer kleinen Insel vor der kanadischen Atlantikküste treffen die Sommergäste ein. Unter ihnen zwei Damen, die länger bleiben wollen: die erfolgreiche Schriftstellerin Charlotte Overbeck und ihre jüngere Geliebte Ellen Sinclair. Die beiden haben sich auf der Insel ein Haus gekauft, das jetzt hergestellt wird. Es soll für beide als Sommerresidenz und für Charlotte als Schreibstube dienen. Aber auf der Insel lebt und arbeitet der Ornithologe und Präparator Crawford Maker und durch die Begegnung mit diesem Mann werden in Ellen alte Wünsche wach. Ein Dutzend Jahre zuvor hat sie Kunst studiert, wollte Bildhauerin werden und vor allem in Ton modellieren, und sie war schon auf einem guten Weg, zumal ihr Lehrer, der berühmte Professor Lawrence Godefrey, auch ihr Liebhaber wurde und sich sehr für das Fortkommen der begabten jungen Frau einsetzte. Dann kam Charlotte, damals noch eine wenig verdienende, exzentrische Journalistin, und Ellen verließ Professor und Bildhauerei und wurde zur treusorgenden Dichtersgattin bzw „Sekretärin“, wie Charlotte ihren Eltern und später Presse und Bewunderern erzählt. Nun also der Präparator – wieder hat Ellen einen Mann gefunden, der ihre Talente entdeckt und bereit ist, sie zu fördern. Aber sie muss sich entscheiden zwischen Crawford und Charlotte – und will sie endlich ihren eigenen Weg gehen oder sich weiterhin von erfolgreichen älteren Geliebten fördern lassen?

So weit, so dramatisch, es klingt wie ein mitreißender Liebesroman und wie die perfekte Urlaubslektüre. Aber „Sommergäste“ ist viel mehr. Es ist ein Künstlerinnenroman, der die Situation auslotet, in der sich künstlerisch aktive Frauen vor hundert Jahren befanden. Die Gestalt der Charlotte wurde, das erklärt die Autorin Agnes Krup in ihrem Nachwort, inspiriert von der Schriftstellerin Willa Cather und ihren Lebensgefährtinnen. Und da wir uns auf einer vogelreichen Atlantikinsel befinden, fliegen Ellen eine Menge Seevögel über den Weg, jedes Kapitel ist einem davon gewidmet. Ellens großes Ziel, als sie versucht, sich aus dem Dasein als Sekretärin der berühmten Schriftstellerin zu lösen, ist es, einen Albatros auszustopfen – doch so kommt es nicht, Ellen muss sich mit einer Ente zufriedengeben. Das ist wie eine ironische Pointe ihrer Bemühungen – oder ihres Lebens überhaupt? Denn, wie der verliebte Präparator sagt: „Eine Ente ist schließlich gar nicht so wenig.“

Agnes Krup: Sommergäste
Piper, 2020
Hardcover mit Schutzumschlag, 368 Seiten
ISBN: 978-3-492-05914-5, 22,00 €

Eine Empfehlung von Gabriele Haefs ghaefs(at)aol.com

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Dr. Gabriele Haefs arbeitet als freie Übersetzerin und Autorin. Ihr Buch "111 Gründe, Wales zu lieben“  erschien im Mai 2019 im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf.
Foto: Miguel Ferraz

Transparenzhinweis: Die Autorin empfiehlt das Buch aus Eigeninteresse und nicht aus wirtschaftlichen Gründen.

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