Women's Club

Die Münchner Bücherfrauen bei Prof. Dr. Christine Haug, Leiterin des Zentrum für Buchwissenschaft: Buchforschung – Verlagswirtschaft - Digitale Medien an der Ludwig-Maxmilians-Universität München

Der „Women’s Club“ traf sich im November 2019 mitten in Schwabing in echter Uniatmosphäre. Gastgeberin war Christine Haug, die an der LMU seit 2006 die Studiengänge Buchwissenschaft leitet und 2018 das Zentrum für Buchwissenschaft gegründet hat. Was sich hinter diesem Begriff verbirgt, erfuhren wir in anderthalb spannenden Stunden im Institut für Deutsche Philologie der LMU.

 

Die in Ulm geborene Wissenschaftlerin erzählte zunächst von den Stationen ihrer Ausbildung. Mit siebzehneinhalb Jahren hatte sie eine erste Ausbildung als Buchhändlerin abgeschlossen, in die sie 1978 nach dem Realschulabschluss gestartet war. Die Kulturbuchhandlung Jastram in Ulm gibt es bis heute. Ihre Liebe zum Buch fand dort eine solide Basis. Doch das sollte noch nicht alles gewesen sein, beschloss die junge Ulmerin. Das Buch hatte ihr wissenschaftliches Interesse geweckt.

Am Hessenkolleg in Wetzlar holte sie in zwei Jahren Vollzeitschule das Abitur nach.  „Harter Stoff“, erinnert sie sich, „und doch eine tolle Zeit.“ Mit dem Abi in der Tasche begann sie 1983 an der Justus-Liebig-Universität Gießen ihr Traum-Studium: Neuere deutsche Literatur, Mittelalterliche Literatur, Sprachwissenschaft und Geschichte. 1989 schloss sie das Studium mit Magister in Germanistik und Geschichte als Nebenfach ab. Mit einem Promotionsstipendium der Hessischen Graduiertenförderung promovierte sie über den Verleger, Buchhändler, Leihbibliothekar Johann Christian Konrad Krieger (1725-1825) und die Entstehung einer Lesekultur in Hessen. 1996 schloss sich ein Forschungsstipendium an der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel an, ab 1997 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem DFG-Projekt, ab März 2001 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Buchwissenschaft Mainz. 2002 folgte ein Habilitandenstipendium der DFG, 2004 schloss sie das Habilitationsverfahren mit einer Antrittsvorlesung zum Thema "Warenhausbuchhandel und Warenhausleihbuchhandel im Dritten Reich" ab.

 

Seit 2006 Buchwissenschaft-Professur an der LMU

 

In der Wissenschaft hat Christine Haug ihre Berufung gefunden. Doch von Elfenbeinturm-Romantik ist sie weit entfernt. Als Inhaberin der Professur für Buchwissenschaft und Leiterin der Buchwissenschaft an der LMU München hat sie viel bewegt. Ein Forschungsjahr am Center for Advanced Studies der LMU 2015/2016 versetzte sie in die Lage, das eigene Fach aus einer gewissen Distanz zu betrachten und neue Perspektiven zu überlegen – die Idee für ein Zentrum für Buchwissenschaft entstand. Unter diesem Dach ist die Wissenschaft rund um das Thema Buch an der LMU 2018 breiter aufgefächert worden in „Buchforschung“, „Verlagswirtschaft“ und „Digitalisierung“. Die Zentrumsstruktur ermöglicht Christine Haug und ihrem kleinen Team eine große Themenvielfalt in der Buchwissenschaft. Über fach- und fakultätsübergreifende Kooperationen, zum Beispiel mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik und Neue Medien, wird der interdisziplinäre Anspruch umgesetzt. Über das Einbinden großer Verlage und zahlreicher Praktiker aus allen Bereichen rund um das Medium Buch ist der Praxisbezug noch verstärkt worden. Den aktuellen Medienwandel und die digitale Transformation bilde das Fach nun endlich auch nach außen sichtbar ab, erklärt die Professorin. Die Studierendenzahlen sei mit etwa 250 in allen drei Studiengängen (BA und 2 MA-Studiengänge) auf einem Höhepunkt; das Studienfach habe starken Zulauf, im Gegensatz zu anderen Geisteswissenschaften. „Offenbar schätzen Studierende heute vor allem Studiengänge, die auch gleich ein Bild von möglichen Berufen mit kommunizieren“, sagt Christine Haug. Ein Drittel ihrer Arbeitszeit verbringt sie in Verlagen, erzählt sie, der Praxisbezug ist ihr besonders wichtig: „90 Prozent unserer Studierenden können in die Branche vermittelt werden“ – in eine Branche, die besonders stark vom Wandel in Anspruch genommen ist. 

 

Ihre wissenschaftliche Karriere empfindet die Wahl-Münchnerin als großes Privileg. „Als ich das Abitur nachmachte, habe ich nicht im Entferntesten daran gedacht, jemals zu habilitieren.“ Dass ihr Beruf sie täglich ganz und gar ausfüllt, aber auch ganz und gar fordert, gehört für sie dazu – nicht selten über die eigenen Leistungsgrenzen hinweg. Gute Teamarbeit ist für die Buchwissenschaftlerin deshalb ein besonders wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. „Ich musste zum Beispiel dringend lernen zu delegieren, das ging nur nach einer deutlicher Ansage meiner Sekretärin.“ Ihr Rezept gegen Burnout hat sie sich mühsam erarbeitet: „Abgrenzung ist enorm wichtig. Ich versuche, die Sprechstunden auf die tatsächlich vorgegebenen Zeiträume zu begrenzen und nicht permanent für alle Studierenden greifbar zu sein. Ich versuche, mir auch mal Auszeiten zu nehmen. Gespräche lasse ich nicht mehr ausufern, sondern komme schneller auf den Punkt. Das „Ping“ des Mail-Systems haben wir ausgestellt, auch das als Mittel gegen permanente Erreichbarkeit.“ Und dann ist da noch ihr ganz persönliches Credo, das nicht nur das Dasein als Uni-Professorin einfacher macht: „Nimm dich als Person nicht so wichtig. Das relativiert vieles.“

 

Herzlichen Dank an die Münchner Bücherfrau Hildegard Wehler, die den Kontakt zu Christine Haug hergestellt und das Treffen organisiert hat.

 

Die Veranstaltungsreihe WOMEN´S CLUB wird von der Münchner Literaturagentin und Verlegerin Silke Weniger organisiert. Die Idee dazu entstand bei einem Coaching der Gruppe von MÜNCHNER BÜCHERFRAUEN RELOADED im Jahr 2018. Seit 2019 werden in lockerer Folge Frauen besucht, die in der Münchner Buchwelt besondere Akzente setzen oder besondere Posten besetzen. Das Ziel dabei ist es, fern von Präsentationszwängen in ein persönliches Gespräch zu kommen, hinter die Kulissen zu blicken und - im besten Falle - die Frau hinter der Rolle kennenzulernen. Diese Reihe steht nur den Mitgliedsfrauen offen.

 

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