JT 2019: Diversität und Inklusion

Literatur für alle, von allen und über alle - ein Vorschlag von Nina George und Antonia Losch

Die Verantwortung von Publizierenden in der politischen und gesellschaftlichen Gegenwart

Was hält eine Gesellschaft zusammen? Wo sind die Konzepte, die über unsere Branche hinaus das analysieren, thematisieren, debattieren und mitgestalten, was die gesellschaftliche, politische und ästhetische Gegenwart verlangt?

Wir stehen an einem Punkt, an dem die verschiedenen Brennpunkte unserer Kultur und Gesellschaft sich mit globalen Phänomenen und Verwerfungen treffen. Demokratische Werte scheinen plötzlich nicht mehr selbstverständlich, der Zusammenhalt in der Gesellschaft bröckelt. Die Auswirkungen von Globalisierung und Digitalisierung auf Kultur und Gesellschaft hinterlassen Spuren in unserem Berufsalltag, im Umgang, in dem, wie sich Topos von Land, Stadt und Selbstdefinition begreifen. Freie Meinungsäußerung und eine humanistische, demokratische, offene Gesellschaft stehen durchaus, ohne alarmistisch zu sein, auf dem Spiel.

Inklusion und Diversität in der Buchbranche

Was heißt nun: Diversität und Inklusion? Sich zu engagieren gegen Abgrenzung, Ausgrenzung und Abwertung anderer. Sich einsetzen für Themen wie Gerechtigkeit und Migration. Zugang zu Kultur, Teilhabe an Kultur, gemeinsame, nicht abgrenzende Entwicklung von Kultur und ihren Techniken.

Diversität spiegelt sich in Medien und im Literaturbetrieb, ob es um Gendergerechtigkeit geht, um Bibliodiversität, um die Stärkung von Stimmen jener, die oft an den Rand gedrängt werden: Frauen, Vertriebene, Queer und mit Herkunft anderer Klassen und Generationen, aber auch von jenen, die bisher aus anderen Gründen am Rande stehen, wie etwa Menschen mit Behinderung.

Diversität in der Gesellschaft, die wir, als Gestalterinnen der Gegenwart, auch gegen Angriffe vom rechten Rand oder den Diktatorinnen der USA, der Türkei so verteidigen, dass wir andere Narrativa dagegen setzen. Andere Publikationen, Stimmen, Aktionen.

Diversität, das heißt auch ein Nebeneinander von Formaten; es ist nicht alles gold, was digital ist, aber rückwärtsgewandte Lösungen ebenso nicht. Das Bewahren, was unsere Arbeit ermöglicht, und dort Regeln und Bedingungen schaffen, wo die digitale Evolution des Publishings lockt und mehr für Inklusion tun kann, als bisher geschehen.

Diversität, das heißt auch, das Machtgefälle zu korrigieren, zwischen Internetunternehmen, die Datenschutz, informationelle Selbstbestimmung und Urheberrecht aushebeln.

Inklusion ist ein ebenso allumfassender Begriff, der zunächst im Bereich der Behinderungen verstanden wird. Hierbei kann man den Fokus sowohl auf die Lesenden als auch auf die Schreibenden/Gestaltenden legen.

Zum Beispiel habe ich, Antonia, einmal ein taubblindes Mädchen kennengelernt, deren großes Hobby es war zu schreiben. Solche Personen könnten im Inklusionsjahr vorgestellt werden. Wenn man den Begriff Inklusion weiter fasst, könnte man auch Schreibende vorstellen, die eine besondere Geschichte erlebt haben (z.B. Flucht). Auch die Transgenderthematik ließe sich hier einbauen, im Prinzip alle Minderheiten, was sich wiederum mit dem gesellschaftlichen Konzept von Diversität, Vielfalt und Weiterentwicklung durch gegenseitige Kulturmigration deckt.

Für den Schwerpunkt der Lesenden: Es gibt bereits Bücher in mehreren Sprachen und Sprachsystemen, bspw. Blindenschrift, einfache/leichte Sprache, Gebärdensprache usw. (aber gibt es eigentlich Bilderbücher für Farbenblinde?). Hierbei lässt sich der digitale Wandel einbeziehen. Die Schriftgröße lässt sich anpassen und bei einem Anbieter ist es möglich, zwischen Hörbuch und eBook zu switchen. Wäre es nicht toll, wenn wir zwischen mehreren Sprachen (inkl. Gebärdensprache) wechseln könnten? Was genau ist technisch bisher möglich, was braucht noch Zeit?

Diversität und Buchbranche: Es sind unsere Konzepte, Visionen, Narrativa: Die Buchbranche findet als erste den Zugang zu den unterschiedlichen Lebensmodellen unserer Zeit. Im Bereich Familie gibt es ja mittlerweile viel mehr als die klassische Kernfamilie mit hier geborenen Vater, Mutter und Kindern. Auch sehen heutige Lebensläufe und Arbeitsumfelder ganz anders aus als noch vor einigen Jahren.

Es sind die Verlage und Buchhändlerinnen, Autorinnen und Literaturvermittlerinnen, die jetzt gefragt sind, sich einzumischen und Diversität und Inklusion als Grundlage des humanen Zusammenlebens zu fördern. Schon immer haben Bücher und ihre Darreichungsformen gezeigt, dass es kein "richtiges" Leben gibt, sondern dass es zig Varianten von Kulturen, Lebensweisen, Entscheidungen, Religionen, Rolemodels und Welten gibt. Diversität und Inklusion: Gegen Ausgrenzung, gegen Hass, gegen Antipluralismus - und für eine lebenswerte Zukunft! Nicht nur ein Jahresthema, sondern ein Lebensthema. Packen wir's an.

Antonia Losch, Städtegruppe Frankfurt

Nina George, Städtegruppe Berlin

Über uns
Vereinsporträt
Blaues Buch Online Extern
Vorstand
Überregionale Ansprechpartnerinnen
Beirat
BücherFrau des Jahres
Jahresthema
Publikationen
Buchmessen
Jahrestagung
LiteraturBrunch
International
Regional
BERLIN
BIELEFELD/OWL
BREMEN-OLDENBURG
FRANKEN
FRANKFURT/MAIN
FREIBURG
GÖTTINGEN-KASSEL
HAMBURG
HANNOVER
KÖLN/BONN-RHEIN/RUHR
LEIPZIG
MÜNCHEN
MÜNSTERLAND
RHEIN-NECKAR
STUTTGART
Mentoring
... in Berlin
... in Frankfurt/Rhein-Neckar
... in Hamburg
... in München
... in Stuttgart
Akademie
Profilbildung & Genderkompetenz
Sommerakademie
Online-Akademien
Finanzielle Fördermöglichkeiten
Kooperationen
Unsere Dozentinnen
Das Akademieteam
Archiv
SocialMedia
BücherFrauen-Blog
Weitere Kanäle
Termine
Presse
Pressemitteilungen
Downloads
Pressestimmen