Nachgefragt: Pressefrau Imke Folkerts im Gespräch


Pressefrau Imke Folkerts. Foto: Eva Hehemann

Seit der Jahrestagung  im November 2014 arbeitest du an der Seite von Anja Baier als Pressefrau. Was hat dich dazu bewogen zu kandidieren?

Nach einer langen Phase als passives Mitglied der BücherFrauen keimte in mir die Idee auf, mich wieder mehr zu vernetzen und zu engagieren. Das hat auch damit zu tun, dass ich nach einer langen Zeit des Eingespannt-Seins im Job und privat jetzt mehr Luft habe. Deshalb hatte ich beschlossen, dieses Jahr zur Jahrestagung zu kommen. Kurz vorher kam dann die Mitteilung, dass Unterstützung für die Pressearbeit gesucht wird, und nach mehreren Telefonaten mit Anja Baier, die mir versicherte, dass sie weiter macht, so dass wir uns die Arbeit teilen und ich auf ihre Erfahrung zählen kann, habe ich mich dann entschlossen, zu kandidieren. Außerdem finde ich es spannend, meine gerade frisch erworbenen theoretischen Kenntnisse der Kommunikationswissenschaft nun in der Praxis anzuwenden – und das auch noch für die BücherFrauen. Mit den Zielen und Themen konnte ich mich schon immer vollkommen identifizieren und finde das Netzwerk für die Branche überaus wichtig.

Welche Ziele hast du dir für die Pressearbeit gesteckt?

Es wird in meiner Arbeit darum gehen, die Zusammenarbeit mit anderen Netzwerken zu stärken, innerhalb der Buchbranche, zum Beispiel mit den Jungen Verlagsmenschen, aber auch darüber hinaus. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Vernetzung der Frauen, die als Autorinnen, Übersetzerinnen und in den Bereichen  Lektorat, Redaktion und Korrektorat arbeiten, schon sehr gut gelungen ist. Ich würde deshalb gern auch mehr Frauen aus den Bereichen Vertrieb und Marketing sowie Buchhändlerinnen für die BücherFrauen interessieren und gewinnen.

Und das erste große Projekt, das ansteht, ist natürlich das 25jährige Jubiläum der BücherFrauen im nächsten Jahr. Das gilt es zu nutzen, um das Netzwerk mit seiner Geschichte, seinen vielen äußerst kompetenten Frauen und den Themen und Plänen für die Zukunft noch bekannter zu machen.

Du bist schon seit 20 Jahren Mitglied unseres Branchennetzwerks. Haben dich die BücherFrauen in dieser Zeit beruflich weitergebracht? Und vielleicht auch privat?

Auf jeden Fall! Vor allem am Anfang meiner Berufstätigkeit habe ich durch die Veranstaltungen der BücherFrauen viele andere Berufsbereiche innerhalb der Branche kennengelernt, von denen ich bis dato keine Ahnung hatte. Es hat meinen Horizont erweitert und mir die  Zusammenhänge in der Branche vor Augen geführt. Und gerade am Anfang seiner Karriere sucht man nach weiblichen Vorbildern, von denen es im Berufsalltag ja nicht so viele gibt. Durch die BücherFrauen habe ich viele kompetente und selbstbewusste Frauen erlebt und kennengelernt, die mir, sozusagen als Rollenvorbilder, sehr geholfen haben.

Du bist Buchhändlerin mit einer Menge Berufserfahrung – auch im Vertrieb renommierter Verlage warst du lange tätig. Im September hast du deinen Bachelor in Buchwissenschaft und Kommunikationswissenschaft an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität abgeschlossen und seit diesem Semester mit dem Masterstudiengang begonnen. Damit schlägst du in deinem Berufsleben einen neuen Weg ein. Weißt du schon, wohin er dich führen soll?

Ich habe das Studium gemacht, weil ich nach so vielen Jahren im immer ähnlichen Bereich das Gefühl hatte, es tut sich nichts Neues mehr, ich bewege mich hauptsächlich innerhalb von Routinen. Nochmal etwas Lernen, neue Blicke auf die Welt zu bekommen, hat mich gereizt. Und da unsere Branche sich gerade in einem umfassenden Umbruch befindet, habe ich die Gelegenheit genutzt und mir durch das Studium der Buchwissenschaft und Kommunikationswissenschaft neues Wissen im Bezug auf diese Veränderungen wie z.B. die Digitalisierung und ihre Folgen angeeignet. Sozusagen ein „Update“, das neben einem Job in dem Umfang sicher nicht möglich gewesen wäre.

Ich möchte aber auf jeden Fall innerhalb der Branche bleiben, die ich nach wie vor hochspannend finde und wo ich das Gefühl habe, das ich dort genau richtig bin. Allerdings würde ich gern aus dem Bereich Vertrieb in den Bereich Veranstaltungsmanagement oder Marketing oder Ähnliches wechseln. Mal schauen, was sich ergibt.

War es auch das Studium, was dich Bremer Nordlicht nach Bayern verschlagen hat? Oder vielleicht dein Hobby, das Bergwandern?

Da haben sich einige Dinge parallel ergeben. Mein Wechsel vom hohen Norden in den tiefen Süden hatte einerseits private Gründe, aber auch das Studium hat dazu beigetragen. Da man Buchwissenschaft in Deutschland eigentlich nur in vier Städten studieren kann, hat es sich natürlich gut gefügt, dass München einer dieser Orte ist. Und von Landshut, wo ich lebe, kann man gut pendeln.

Das Bergwandern habe ich vor über 10 Jahren für mich entdeckt, als „Entschleunigungs-möglichkeit“.  Es war zwar nicht wirklich das ausschlaggebende Kriterium für meinen Umzug, aber es ist ein sehr schöner Nebeneffekt, dass man von hier aus schnell in den Alpen ist. Durch das Studium kann ich zwar nicht jedes Wochenende in die Berge, aber etliche schöne Touren, auch längere und auf die Zugspitze, habe ich schon gemacht.

Verrätst du uns noch dein Lieblingsbuch und was dir besonders gut daran gefällt?

„Das“ Lieblingsbuch ist immer schwierig zu beantworten, da das im Laufe des Lebens immer wechselt. Und sich auf eins zu beschränken, ist eigentlich auch unmöglich, dafür gibt es zu viele Bücher, die mich, jedes auf seine Art, beeindruckt haben.
Ich mag gut erzählte realistische Romane, die dürfen gern auch psychologisch gut konzipierte Figuren haben. Im Moment lese ich Alex Capus sehr gern und habe Arno Geiger für mich entdeckt. Und richtig klasse fand ich den Erstling von Stephan Thome: Grenzgang. Das ist eine klug geschriebene Geschichte mit präzise geschilderten Charakteren, die nicht mehr ganz jung sind und sich plötzlich in Lebenssituationen wiederfinden, die sie sich nie erträumt haben. Das schildert meiner Meinung nach sehr gut die Lebensrealität von Menschen, die auch schon mal gescheitert sind oder sich plötzlich mit alternden Eltern auseinandersetzen müssen. Dabei ist das Buch nie traurig oder deprimierend, wie man jetzt vielleicht annehmen könnte.

Welche Autorin hat dich bisher am meisten beeindruckt?

Nachdem ich jetzt lauter männliche Autoren genannt habe, ist es wirklich Zeit für Autorinnen! Dabei fallen mir spontan zwei Namen ein, die mich in meinen Leben, nicht nur durch ihre Bücher, sondern auch durch ihr Leben, sehr beeindruckt haben: Sibilla Aleramo und Gioconda Belli. Vor allem der stark autobiographische Roman „Una Donna“ von Aleramo hat mich damals sehr berührt. Dabei geht es um eine Frau, die es im konservativen Italien um 1900 schafft, aus allen Konventionen auszubrechen, sich scheiden zu lassen und Schriftstellerin zu werden. Wie sie das ohne jegliche Unterstützung schafft, die Kraft dafür nur aus sich selbst heraus findet, hat mich als junge Frau sehr beeindruckt. Diese Kraft findet sich für mich auch in den Büchern von Gioconda Belli wieder.

Ach ja, ein Lieblingsbuch fällt mir doch gerade noch ein: „Ein reiner Schrei“ von Siobhan Dowd. Ein Coming-of-Age-Roman über eine junge Frau in den 1950er Jahren in Irland. Einfach toll und im besten Sinne anrührend.


Liebe Imke,  herzlichen Dank für das Gespräch und deine neugierig machenden Buchtipps!

Die Fragen stellte Heike Pfirrmann.


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