Buchmesse 2015: Einblicke ins indonesische Verlagswesen


V.l.n.r.: Auf dem Podium die junge Verlegerin Laura Prinsloo, Journalistin und Moderatorin Ziphora Robina und Verlags-Geschäftsführerin Kartini Nurdin

Indonesische Bücherfrauen im Gespräch auf der Frankfurter Buchmesse 2015 – Literatur und Buchbranche auf den „17.000 Inseln der Imagination“


Indonesien als ‚Stargast’

Eine meiner ersten Stationen auf der Buchmesse war der indonesische Pavillon. Der Einstieg fiel leicht, sofort wird frau neugierig und macht sich auf den Weg durch die schön beleuchteten Stationen. Der große Raum ist gelungen mit der Installation verschiedener ‚Inselwelten’ gestaltet, die den BesucherInnen von aktuellen Kinderbüchern, über Nachbildungen wertvoller alter Schriftdokumente, Comics und Graphic Novels bis zu Gewürzen und Musikinstrumenten ein reich gefächertes Kaleidoskop der indonesischen Kultur nahebringen. Das ebenfalls vielfältige Informationsmaterial ist geschickt aufgeteilt auf die unterschiedlichsten Informationsbedürfnisse. Mit einer kleinen Auswahl davon mache ich mich auf den Weg zu unserer traditionellen BücherFrauen-Podiumsdiskussion, die seit vielen Jahren eine besondere Möglichkeit schafft, Frauen aus der Branche des jeweiligen Gastlandes kennenzulernen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, und dadurch einen ganz persönlichen Zugang zum Ehrengastland zu finden.

Prominent besetztes Podium

Die Leseinsel der unabhängigen Verlag ist schnell gefunden und fast ein wenig zu klein für unsere Veranstaltung – auch ohne das Laufpublikum, das sich etwas später einfindet, sind die Plätze schnell besetzt, und nachdem die eingeladenen Diskussionsteilnehmerinnen Platz genommen haben, stehen viele der neugierigen Zuhörerinnen im Rund. In diesem etwas gedrängten Rahmen geben uns zwei Verlegerinnen und die junge Journalistin Ziphora Robina, die die Moderation übernahm, die Ehre. Sie wurde übrigens im Vorfeld der Buchmesse von Radio Bremen zum Gastland interviewt. Wer sich dafür interessiert, findet hier das dazugehörige Video.

Gut besucht: Unsere Podiumsdiskussion mit Branchenfrauen aus dem Gastland Indonesien.

Ziphora Robina stammt selbst aus Indonesien und hat in Deutschland Sprachen studiert – also die perfekte Vermittlerin für uns. Sie stellt uns Laura Prinsloo vor, President Director von Kesaint Blanc Indah. Laura Prinsloo erklärt gleich zu Beginn, dass sie nicht nur einen ungewöhnlichen Namen für ihr Land habe, sondern auch einen ungewöhnlichen Weg ins Verlagswesen. Die heutige Verlegerin wuchs in Neuseeland auf und war nach einem Mathematik- und Wirtschaftsstudium zunächst mehrere Jahre im Bankensektor tätig, bevor sie vor fünf Jahren nach Indonesien zurückkehrte und die Leitung des Verlagshauses übernahm. Prinsloo ist Teil des Vorbereitungs-Komitees für den Gastlandauftritt gewesen und im Indonesischen Verlegerverband zuständig für PR und Kooperationen.

Lesekultur in Indonesien

Auf dem Podium sitzt außerdem Kartini Nurdin, Geschäftsführerin von Yayasan Pustaka Obor Indonesia. Eine Äußerung von ihr hat sich mir sehr gut eingeprägt und hier leuchteten auch die Augen der Verlegerin: Nurin erzählt, dass sich in den letzten Jahren viel verändert habe, es einen Wandel im indonesischen Buchmarkt gebe und das Thema Menschenrechte sehr wichtig sei. Indonesien ist eine sehr junge Demokratie und es gibt vieles aufzuarbeiten. Laut Nurdin gibt es gute Bücher dazu, die früher nie eine Chance gehabt hätten und denen sich jetzt eine Verbreitungsmöglichkeit biete.

Prinsloo betont, der Lesehunger in der Bevölkerung müsse sich erst einstellen. Bisher sei dieser noch nicht sehr ausgeprägt. In ihrem Land gibt es zum Beispiel keine Kinderbuch-Vorlese-Tradition, eine Ausnahme davon bilden ‚religiöse’ Kinderbücher. Prinsloo schildert sehr eindrücklich, wie ihr Verlag ‚Geschichten mit Moral’ in passende Kinderbücher umschreiben lässt. Kesaint Blanc ist zwar auf Sprachlerntitel spezialisiert, hat aber einen wachsenden Kinderbuchsektor, da der Kinderbuchmarkt auch in Indonesien nennenswerte Zuwächse erfährt.

Frauen in der Buchbranche

Wie steht es denn jetzt mit unserem BücherFrauen-Lieblingsthema, nämlich der Beteiligung von Frauen im Verlagswesen Indonesiens? Nach dem Hinweis, dass sie keine genaueren Zahlen zur Verfügung hätten, sind sich dann aber doch beide Frauen einig: Es gibt auch in Indonesien überwiegend weibliche Mitarbeiterinnen im Lektorat, aber in den oberen Etagen sitzen Männer. „Besides me“, sagt Nurin und schmunzelt. Für uns BücherFrauen ist das keine Überraschung. „Same old story“, meint dann auch BücherFrau Eva Hehemann neben mir und widmet sich wieder dem Fotografieren unserer indonesischen role models. Denn Sichtbarkeit ist wichtig! Und etwas verschmitzt fügt Nurdin an, dass Frauen besser im Einfädeln von Kooperationen seien. Direkt im Nachhinein fand ich eine schöne Bestätigung ihrer Äußerung: Springer Nature hat während der Buchmesse bekannt gegeben, dass man mit ihrem Verlag im E-Publishing Bereich kooperiere.

Die drei indonesische Medienfrauen mit der BücherFrauen-Messekoordinatorin Heike Weise.

Zum Abschluss wünschen alle drei eine schöne BücherFrauen-Geburtstagsparty und die BücherFrauen danken mit einem herzlichen Applaus. Einen besonderen Dank an dieser Stelle an unsere Messekoordinatorin Heike Weise und – weil wir ja dieses Jahr an viele Dinge aus der Vereinsgeschichte erinnern – an Britta Jürgs, die dieses Veranstaltungsformat für die BücherFrauen erfand und jahrelang auch selbst betreute.

 

Text: Stephanie Hanel (www.wegholz.de)
Fotos:© Eva Hehemann (www.hehemann-fotografie.de)


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