„Zwischen allen Stühlen“ – die Schriftstellerin und Bildhauerin Christa Winsloe


Über eine Lesung mit Doris Hermanns im Museum Wäschefabrik

Die Bezeichnung „mein zweites Wohnzimmer“ hat sich mittlerweile für Orte durchgesetzt, an denen Menschen sich wohlfühlen und wo ihnen Gutes gelingt. Für uns Bielefelder BücherFrauen ist dieses zweite Wohnzimmer bestimmt kein Tennisplatz oder irgendeine andere Arena. Wenn wir denn eins haben, könnte es sich im Museum Wäschefabrik befinden. Die Räumlichkeiten und die Veranstaltungsreihe „Kleiner Kultursalon“ bieten einen wunderbaren Rahmen für interessante Themen, für Austausch und Nähe zwischen Publikum und Vortragenden. Gute Gründe, dort mal wieder eine Lesung zu veranstalten.

Eingeladen hatten wir in diesem Jahr Doris Hermanns, aus ihrer Winsloe-Biografie „Meerkatzen, Meißel und das Mädchen Manuela“ zu lesen. Als Form hatte Doris sich eine Mischung aus Lesung und Gespräch gewünscht. Und deshalb saß Heidrun Großjohann neben ihr, um die Gesprächspassagen durch gezielte Fragen einzuleiten. Um es gleich vorwegzunehmen: Doris Hermanns hat viele Jahre in Archiven und Bibliotheken zu Winsloes Leben geforscht und in ihrem Buch eine Fülle an Material über eine „vielseitige und kosmopolitische“ Frau zusammengetragen. Alle Aspekte konnten an diesem Abend überhaupt nicht zur Sprache kommen. Wer ein wirklich umfassendes Bild möchte, kommt an der Lektüre der Biografie einfach nicht vorbei

Was wissen wir über Christa Winsloe? Vielleicht, dass sie Autorin war und mit „Mädchen in Uniform“ einen großen Erfolg hatte. Doch bevor sie zum Schreiben fand, widmete sich Winsloe der Bildhauerei und schuf vor allen Dingen Tierskulpturen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es einige Frauen, die auf diesem Feld tätig waren. Ihre Werke fielen oft klein und filigran aus. Auf diesem Hintergrund ist es vielleicht verständlich, dass Christa Winsloe für eine ihrer Plastiken von Zeitgenossen eine vernichtende Kritik zuteilwurde: „Ein großer Irrtum ist allerdings ihre Skulptur eines Schweins in weißem Marmor. (Die alten italienischen Meister haben solche unförmigen hässlichen Tiere in Eisen und unedlem Material gegossen.)“ (S. 79)

Die Geschichte um diese inzwischen verschollene Skulptur, aber auch beispielsweise Winsloes humorvolle Schilderung eines schlafenden Mopses vermochten das Lesungs-Publikum einzunehmen. Es kamen aber auch ernsthaftere Themen zur Sprache: Winsloes Probleme, nach 1933 in Deutschland zu veröffentlichen, hauptsächlich deshalb, weil ihr Roman „Das Mädchen Manuela“ in Amsterdam in einem Exil-Verlag erschienen war; ihre Hilfe für Verfolgte des Naziregimes; ihr erfolgloser Versuch, in den USA Wurzeln zu schlagen, ihr Exil in Frankreich ...

Christa Reinig hatte einst über Christa Winsloe geschrieben: „Keine menschliche Gesellschaft fing sie auf.“ – War ihr Leben wirklich so hoffnungslos, wurde Doris Hermanns am Ende der Lesung gefragt. Christa Winsloe sei doch ihren Weg gegangen und habe einiges erreicht. Sie sei auf viele Widerstände gestoßen, meint Doris Hermanns und bestätigt nachdrücklich Christa Reinigs Bild von Winsloe als einer Frau zwischen allen Stühlen.

Fotos: Barbara Semper


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