Berlin: 50 Jahre Frauen- und Lesbenbewegung – was bleibt?


Dagmar Schultz, Cristina Perincioli, Doris Hermanns © Foto: Cillie Rentmeister

Dagmar Schultz, Cristina Perincioli, Doris Hermanns © Foto: Cillie Rentmeister

Angelehnt an das BücherFrauen-Jahresthema: „50 Jahre 68er – was bleibt?“ luden die Berliner BücherFrauen vergangenen Mittwoch-Abend, am 9. Mai 2018, zur Veranstaltung "50 Jahre Frauen- und Lesbenbewegung – was bleibt?" ins Literaturhaus.

„Endlich ist es wieder einmal voll“, sagte die Moderation Doris Herrmanns gleich am Anfang, denn das war es. Eingeladen waren mit Cristina Perincioli (u. a. Mitgründerin des ersten Berliner Frauenzentrums und des Frauennotrufs Berlin, Autorin von „Berlin wird feministisch. Das Beste, was von der 68er Bewegung blieb“) und Dagmar Schultz (u. a. Mitgründerin des FFGZ, Mitgründerin des Orlanda Verlags) zwei frauenbewegte Aktivistinnen der ‚ersten Stunde‘.

Florence Hervé über eine „kleine Revolte mit großen Folgen“

Florence Hervé (u. a. Mitgründerin der Demokratischen Fraueninitiative sowie der Zeitschrift & des Kalenders "Wir Frauen"), war erkrankt und konnte leider nicht teilnehmen, schickte uns aber ein 'kämpferisches' Grußwort, in dem sie von einer „kleinen Revolte mit großen Folgen“ schrieb, von einer Zeit als Utopien greifbar wurden.

Dagmar Schultz über wichtige Etappen ihres Lebens

In ihrem Impulsreferat sprach Dagmar Schultz über wichtige Etappen ihres Lebens. Dazu gehört vor allem auch ihre Prägung als junge Frau, durch das Studium und die Lehre in den USA, wo sie sich in der Bürgerrechtsbewegung engagierte und schnell begann, sich „im Bewusstsein meiner Hautfarbe zu bewegen“. Die Frauenbefreiungsbewegung, wie sie damals noch hieß, das erkannte sie bald, schloss schwarze Frauen und Women of Color nicht mit ein. Zugleich wurde sie aber als Deutsche auf die eigene Geschichte und den Antisemitismus zurückverwiesen. Beide Themen haben daraufhin ihre feministische Arbeit begleitet, u. a. als Gründerin des Orlanda Frauenbuchverlags, der sich auf Literatur von jüdischen und schwarzen Frauen spezialisiert hatte und den sie bis 2001 leitete. Sie sprach über ihre Begegnung mit der afroamerikanischen Aktivistin Audre Lorde, die sie nach Berlin brachte und deren Bücher sie veröffentlichte. Weitere wichtige Stationen waren die Gründung des 1. Frauengesundheitszentrums und die Arbeit an der Alice-Salomon-Hochschule ab 2004, wo sie u. a. interkulturelle und antirassistische Sozialarbeit lehrte.

Cristina Perincioli: "Ich kam nicht zur Frauenbewegung - ich musste sie erst einmal machen!"

Cristina Perincioli (u. a. Autorin von "Berlin wird feministisch. Das Beste, das von der 68er Bewegung blieb"), 1. Berliner Frauenzentrum, Regisseurin von „Anna + Edith“ und „Die Macht der Männer ist die Geduld der Frauen“. Sie engagierte sich vor allem gegen häusliche Gewalt und die Paragraphen 218 und 219a. Als sie nach Berlin kam, kannte sie keine einzige Lesbe und wusste nicht, wie sie eine kennenlernen sollte. Den Feminismus hält sie weltweit als Lösung für viele Probleme.

"50 Jahre Frauen- und Lesbenbewegung – was bleibt?" am 9. Mai 2018 © Foto: Anke Heimberg
"50 Jahre Frauen- und Lesbenbewegung – was bleibt?" am 9. Mai 2018 © Foto: Anke Heimberg

Diskussion über das bisher Erreichte und Ziele

Wie kamen die Referentinnen zur Frauen- und Lesbenbewegung? Was wollten und wollen sie bewegen? Welche Entwicklungen liefen gut und welche erwiesen sich als Sackgassen?

Nach den Statements der Referentinnen versuchten wir gemeinsam, eine Bilanz des bisher Erreichten zu ziehen und die Ziele, die noch nicht erreicht wurden bzw. noch zu erreichen sind, zu diskutieren.

Einen großen Teil des Abends bestritt das Publikum, in dem sich offenbar selbst einige Aktivistinnen befanden. Viele Themen sind immer noch aktuell:

  • die Paragraphen 218 und 219a,
  • Rassismus und Antisemitismus und
  • die Einbeziehung von Migrantinnen (was Dagmar Schultz auch für die Zusammensetzung des Podiums anmahnte).

Trotzdem wurde viel erreicht, gerade bei der häuslichen Gewalt und Frauengesundheit. Lesben zu finden, ist heute nicht mehr schwer, und wie eine Frau im Publikum meinte, ist es auch eine Errungenschaft, dass man heute lesbisch oder bisexuell und unpolitisch sein kann.

Fazit war: Es bleibt viel Redebedarf.

Moderation: Doris Hermanns (u. a. Autorin, Herausgeberin, Übersetzerin, Redakteurin der "Virginia" und BücherFrauen-Städtesprecherin Berlin)

Organisation: Anke Heimberg, Doris Hermanns und Christiana Puschak

Vielen Dank an die Referentinnen, die Moderatorin und das Organisationsteam sowie allen Interessierten im Publikum!


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