Berlin: Interview mit Hannah Lotte Lund, Direktorin des Kleist-Museums in Frankfurt (Oder)


Dr. Hannah Lotte Lund, Foto: Kleist-Museum

Dr. Hannah Lotte Lund, Foto: Kleist-Museum

Vorbereitung auf das Sommer-Pläsier "Kein Ort. Nirgends." mit dem Ausflug ins Kleist-Museum am 16. Juni 2018: ein paar Plätze gibt es noch, am besten ganz schnell anmelden! Ina Pfitzner führte das Gespräch mit Dr. Hannah Lotte Lund, Historikerin und Literaturwissenschaftlerin mit Spezialisierung auf jüdische Salons und die Kleistzeit. Seit 2016 ist Dr. Hannah Lotte Lund Direktorin des Kleist-Museums in Frankfurt (Oder).

Ina Pfitzner: Hallo Frau Dr. Lund, was verbindet Sie mit Kleist?

Hannah Lotte Lund: Um ihn gleich zu zitieren: ach! Wieviel Platz und Zeit haben ich? Chronologisch gesprochen: mein Studium – es endete bei und mit Kleists Frauenbild -, meine Liebe zum Sprechtheater, zu originellen Denkern und politischen Dichtern. Dann vor allem die Epoche, ein wesentlicher Forschungsschwerpunkt ist die Literatur- und Kommunikationsgeschichte um 1800, das Denken der Aufklärungsbewegungen und ich habe die letzten 20 Jahre ebensoviel in seiner Zeit, in den Netzwerken der Gebildeten verbracht, wie in unserer… Meine Forschungsperspektive brachte mich auf den Wegen der Intellektuellen von damals nach Brandenburg und in die Zusammenarbeit mit dem Kleist-Museum…

Ina Pfitzner: Sie sind eine von wenigen Museumsleiterinnen. Wie gefällt es Ihnen?

Hannah Lotte Lund: Das ist eine mindestens doppelt zu beantwortende Frage, denke ich, für die allgemeine und die spezielle Situation „bei Kleistens“:  das Haus, das ich derzeit leite, ist wunderschön, die Aufgaben überaus reizvoll, sie fordern die ganze Frau und mehr. Ich habe schon für viele Forschungseinrichtungen an der Schnittstelle zwischen Quelle/Archiv/Historie und verschiedenen Öffentlichkeiten gestanden, kein Job war so vielfältig und überraschend wie dieser. Ich liebe die Aufgabe, neugierig zu machen, Inhalte zu vermitteln, über Geschichte und Ideen miteinander ins Gespräch zu kommen, das kann und muss man hier täglich neu. Wie ein Kleist-Forscher mir sagte: „Was für ein schönes Haus, aber man muss auch mit dem Feuerwehrmann flirten können und dem Rohrleger verhandeln“ (oder umgekehrt). Er hatte recht, und das Verhandeln, nach innen und aussen und „oben“ nimmt den größten Teil des Tages ein. Dass für Inhalte sowenig Zeit bleibt, das bedaure ich jeden Tag. Frauen in Leitungspositionen waren und sind ja auch ein Forschungsthema von mir – wieviele Widerstände es da immer noch gibt, wieviele Klischees in den Köpfen (beider Geschlechter!), das hat mich doch überrascht. Dass frau, wenn sie  freundlich ist, oder begeistert für ihren Job, nicht ernst genommen wird, kann mich sogar in Rage bringen. Da lese ich dann Kleist…

Ina Pfitzner: Wie müssen wir uns Frankfurt/ Oder zur damaligen Zeit vorstellen?

Hannah Lotte Lund: Willkommen in Preußen! Frankfurt war Garnisonsstadt- unser Museum ist die ehemalige Schule für Soldatenkinder – war bedeutende Universitätsstadt bis 1811 und  stark in Handel und Bürgerstolz. Also hörten wir jetzt gerade: Schüsse/Exerziergebrüll, Studentengelächter, Oderschiffe, die anlegen und klingeln…

Ina Pfitzner: Gab es da auch Frauen? Vielleicht sogar eine Salonszene?

Hannah Lotte Lund: Überall gab es und gibt es Frauen! Rege und bedeutende- und, wie Sie wissen, immer noch mehr zu entdecken als bisher bekannt sind. Noch viel zu wenig erforscht ist zum Beispiel Ulrike von Kleist, die Halbschwester, die Heinrich von Kleists Reisen großenteils mitfinanzierte (und mitreiste!) und über deren Selbständigkeit er sehr ambivalente Gedichte und Briefe schrieb. Sie blieb aber selbständig, auch in den drei Jahrzehnten nach seinen Tod. Es gab interessante anziehende und gebildete Gastgeberinnen, berühmt ist Wilhelmine von Zielinski.

Ina Pfitzner: Noch eine letzte Frage: War Kleist ein Windbeutel?

Hannah Lotte Lund: Windbeutel im Sinne des 18. Jahrhunderts, jemand der viel (süß) verspricht, aber keinen Gehalt zu bieten hat, war Kleist nicht, denke ich. Aber da müssten wir meine KollegInnen fragen, die jedes Zitat von ihm kennen, jeden Bruch in seinem Leben. Ein Windbeutel war zum Beispiel der Publizist Friedrich Gentz, der auswanderte, Frau und Schulden hinterliess und die politische Richtung wechselte für einen Job. Vielleicht war auch Friedrich Schlegel einer? Aber ein unruhiger Geist, in dem Sinne ein moderner, das war Kleist sicher ...

Ina Pfitzner: Vielen Dank für das Gespräch.


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