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Jahrestagung: "Wir brauchen Modelle und kein Tabu!“


BF-Jahrestagung: Podiumsdiskussion zum Jahresthema "Der Wert des geistigen Eigentums im digitalen Zeitalter"; Foto: Rafaela Nimmesgern

Was ist das geistige Eigentum (noch) wert in Zeiten der Internetpiraterie, in denen der „User“ Musik, Hörspiele, Filme, Texte und ganze Bücher mit einem Klick downloaden – oder besser klauen – kann, ohne einen Cent dafür zu bezahlen? Wie müssten sich die Vergütungsmodelle ändern, um Autorinnen und Autoren angemessen und gerecht entlohnen zu können? Was können Urheberinnen tun gegen das x-fache kostenlose Runterladen ihrer Werke, außer sich darüber zu empören? Was die Verlage? In welchem neuen Verhältnis steht die Autorin mit dem Verlag und der Leserin? Und was sagt eigentlich die Rechtsprechung?

Darüber diskutierten am Sonntagmorgen zum Abschluss der BücherFrauen-Jahrestagung drei Expertinnen in der Bucerius Law School in Hamburg. Eingeladen waren die Bibliothekarin und Juristin Prof. Dr. Gabriele Beger, Direktorin der Hamburger Staats- und Universitätsbibliothek, die Autorin und Journalistin Nina George sowie die Verlagsleiterin des Friedrich Oetinger Verlags Dr. Doris Janhsen. Durch das Gespräch führte NDR-Moderatorin Janina Kalle.


Auf dem Podium (v.l.n.r.): Prof. Dr. Gabriele Beger, Janina Kalle, Dr. Doris Janhsen, Nina George; Foto: Karina Schmidt

Mitgestalten statt lamentieren

Während sich Internet und technische Möglichkeiten rasant weiterentwickeln, mahlen die Gesetzesmühlen langsam. Es sei ein Trugschluss zu denken, dass der Gesetzgeber sich um die Belange der Urheberinnen kümmere und ihre Probleme löse, klärte Frau Prof. Dr. Beger auf. Will man im Urheberrecht etwas ändern, brauche man einen langen Atem: Fünf Jahre dauerte es, bis Gabriele Beger eine Regelung zu verwaisten und vergriffenen Büchern im Gesetzbuch verankern konnte. Doch Lamentieren ist nicht ihr Ding. „Warten Sie nicht darauf, dass das Recht etwas für Sie regelt. Werden Sie selbst aktiv und treten Sie an die Gesetzgeber heran“, so ihr Appell. Ob Kulturflatrate, Kulturwertmark oder Fairnesspauschale: Es gilt, darüber zu reden, zu diskutieren und zu prüfen und nicht gleich alles von vornherein abzulehnen, denn so Gabriele Beger: „Wir brauchen Modelle und kein Tabu!“ In dem Moment, wo sich die Vertriebswege ändern, benötigen wir ein neues Verwertungsmodell, um das Geld zu den Autorinnen zu bringen. Als Juristin gehe sie davon aus, dass es irgendwann zwei Urheberrechte geben wird: eines für analoge und eines für digitale Medien.



Prof. Dr. Gabriele Beger: „Wir brauchen Modelle und kein Tabu!“
Foto: Karina Schmidt

Schreiben = Blut, Tränen und Schweiß

Die Empörung ist groß, wenn eine Autorin ihr Werk auf Piraterieportalen findet. Das weiß auch Autorin Nina George, die nach 20 Jahren Autorinnendasein mit ihrem Buch „Das Lavendelzimmer“ einen Bestseller gelandet hat. Vor zwei Jahren gründete sie die Initiative „JA zum Urheberrecht“, um dagegen anzukämpfen. Ihr sei klar geworden, dass Emotionen alleine uns nicht weiterbringen. Jetzt sucht sie nach Modellen für Bezahlsysteme, gerechte Verteilungsschlüssel, Datenschutz und Regelungen im internationalen Datentransfer. An die Werbepartner der Piraterieseiten appelliert sie: „Wenn es 30 Prozent weniger Werbung auf den Piraterieportalen gäbe, könnte man beginnen sie auszutrocknen.“ Nina George geht es aber nicht nur darum, ihr geht es auch um die Seele, die Persönlichkeit, die Arbeit und auch den Frust, die mit dem Schaffen verbunden sind. „Wir lieben unseren Job, sonst würden wir ihn nicht machen. Er ist traditionell schlecht bezahlt. Wir werden auch in Zukunft Blut, Tränen und Schweiß investieren und ständig einen Hauch unterbezahlt sein.“ Das, so Nina Georges Prognose, werde sich auch mit den neuen Medien nicht ändern. Lösungen werden wir also nicht auf dem Silberteller präsentiert bekommen. Die, meint Nina George, müssten aus uns selbst kommen. Ansätze aus Politik, Buchmarkt und Amazon gelte es kritisch zu prüfen.

Konkurrenz ade! Verlage neu denken

Inhalte, kreativ sein, das Brennen für eine Idee, die Treue zum Verlag und das geistige Eigentum um seiner selbst willen müssen nicht nur aus Nina Georges Sicht ebenso eine Rolle spielen. „Ohne Autorinnen und Illustratorinnen können wir eine Locke auf der Glatze drehen“, konstatierte Doris Janhsen. Die Ideen der Kreativen sind der Ursprung der Wertschöpfungskette, ohne sie läuft nichts. Und doch ist und bleibt der Autor „der Schwächste in der Kette“, so Beger. Wie sie weigert sich auch Doris Janhsen in das Dauerlamento einzustimmen. Wichtig sei, den Riesen wie Amazon Paroli zu bieten, indem man Portale entwickle, die für Qualität sorgen und ein „Mehr“ bieten wie etwa geschützte Räume für Kinder oder Social media, die die Leserinnen miteinbeziehen. Doch dafür muss eine neue Haltung her: Verlage sollten kooperieren und netzwerken, um der „Amazonisierung“ etwas entgegenzusetzen. Und eigentlich, meint Doris Janhsen, könnten wir den „Digis“ dankbar sein: Letztendlich schweißen sie die Buchbranche zusammen.



Dr. Doris Janhsen und Nina George
Foto: Karina Schmidt

Der Weg zum Buch: nur einen Klick entfernt

Die meisten Menschen, so Gabriele Beger, hätten sehr wohl ein Rechtsbewusstsein und wollten für Qualität zahlen – eine gute Basis, um solche qualitätsvollen Plattformen und virtuellen Räume aufzubauen. Das zeigt auch die Studie zur Digitalen Content Nutzung 2013. Allerdings macht die schnelle Verfügbarkeit im Netz – insbesondere kleinen – Buchhandlungen schwer zu schaffen: Selbst Ketten denken inzwischen über ihr Sortiment nach und schließen Filialen. „Ich gehe ganz bewusst in einen Buchladen, von dem ich will, dass er morgen noch da ist. Wir wissen alle, dass der Buchhandel es unheimlich schwer hat, weil der Vertrieb übers Internet, dieses Klicken, verdammt einfach ist“, so Gabriele Beger.
Und wie sieht es aus mit dem Lesenachwuchs? Schrumpft er wirklich? Ja, meinte Doris Janhsen und begründet unter anderem damit die sinkenden Autorinnen-Honorare. „Es wird mehr gelesen, aber eben anders“, setzte Gabriele Beger entgegen. Vor allem für Kinder, sind sie und Doris Janhsen sich einig, muss Sorge getragen werden, dass sie „mit ihren ipads Qualität wischen“.

Janina Kalle: „Volle Punktzahl“ für Endplädoyers

Nina George spricht den Autorinnen Mut zu. Neben Mehrfachverwertung, Loyalität zum Verlag, keine Angst vor Piraterie und Kreativbleiben macht sie klar: „Kulturschaffende sind das Zentrum und wir werden es bleiben.“ Es werde nicht nur in Zukunft Leserinnen und Leser geben, weiß Gabriel Beger, es werde auch immer Neues geben. Die Befürchtung einer Zuhörerin, dass es zukünftig weniger Autorinnen und Verlage gäbe und die Qualität leiden würde, teilt sie nicht. „Niemand ist zu bremsen, der kreativ ist!“, so Gabriele Beger. Autorinnen werden immer Mittel und Wege finden uns mitzuteilen: „Ich habe gerade etwas Wunderbares verfasst.“


Danach: Die Hamburger BücherFrau Inge Vietzen dankt den Diskutantinnen. Foto: Rafaela Nimmesgern

 

Text: Heike Pfirrmann

 

Einzelne Ausschnitte der drei Expertinnen aus der Podiumsdiskussion können Sie hier jetzt auch  als mp3 nachhören.

 


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