Ein Besuch im Kinderliteraturhaus Lübeck

Bei den Bücherpiraten in Lübeck wird viel gelesen! Foto: Bücherpiraten e.V.

Im Kinderliteraturhaus in Lübeck sind die Bücherpiraten aktiv. Das sind Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 25 Jahren, die gerne lesen, schreiben, rezensieren und organisieren. Bei so viel Seelenverwandtschaft haben sich die BücherFrauen Hamburg bei ihrem Besuch in Lübeck Ende März richtig wohl gefühlt.

Gefolgt waren die Hamburger BücherFrauen einer Einladung ihrer Städtesprecherin Inga Vietzen, die hier selbst eine Schreibgruppe für Jugendliche leitet. Die Hamburger Bücherfrauen staunten am 30. März 2014 nicht schlecht, was Lübecker Kindern und Jugendlichen alles im Verein der „Bücherpiraten“ ermöglicht wird.

Das Haus

Der pädagogische Leiter des Hauses, Martin Gries, empfing uns sehr herzlich am Sonntagmorgen im Erdgeschoss des typischen Lübecker Dielenhauses in der Fleischhauerstraße 71. Im Jahre 1310 wohnte hier der Knochenhauer Johann Tappenhagen; Anfang des 19. Jahrhunderts beherbergte das Gebäude eine Elementar-Knabenschule; 1895 eine Buchbinderei. Anfang des 21. Jahrhunderts kaufte eine Lübecker Förderin das Haus, und ließ es für die „Bücherpiraten“, die selbst maßgeblich in die Gestaltung mit einbezogen wurden, entkernen und umbauen.

Einige der freigelegten historischen Schichten, wie z.B. ein tiefer gelegenes älteres Stück Fußboden oder ein niedriger zugemauerter Türbogen in der Wand zum Nachbarhaus, wurden bewusst sichtbar erhalten und haben, so Martin Gries, schon so einige junge Schreibtalente inspiriert.

2011 konnten die Bücherpiraten das Haus beziehen. Sie sitzen dort nun zum Teil auf selbst bemalten und beschrifteten Stühlen, in die Tischplatte eines Besprechungstischs sind Fragmente einer alten Zeitung, die beim Umbau gefunden wurde, eingearbeitet, und überall stehen natürlich Bücherregale. Für den winzigen Innenhof wünschten sie sich eine Mehrpersonen-Hängematte und an der einen Wand ein Moosgrafitti-Zitat aus Astrid Lindgrens „Die Brüder Löwenherz“.

Weitere Mitwirkende

Im Erdgeschoss ist außerdem der Benefiz-Buchladen für gespendete Kinder- und Jugendbücher untergebracht, den ca. 40 Ehrenamtliche an Wochentagen von 10–18 Uhr geöffnet halten. Hier können auch die von der Lübecker Tafel unterstützten Kinder, die 2013 zum zweiten Mal alle mit einem Gutschein über €15,- bedacht wurden, sich selber Bücher aussuchen und erwerben. Und oben unterm Dach gibt es einen Veranstaltungsraum mit Klavier, kleiner Bühne, Technik und Bestuhlung für ein mehr als 80-köpfiges Publikum. Der Seitenflügel des Hauses beherbergt einige Ateliers, die zurzeit an drei Autorinnen und drei Illustratorinnen vermietet werden, sowie die Büros der pädagogischen Mitarbeiter.

Bücherpiraten – der Verein

Den Verein Bücherpiraten e.V. gibt es bereits seit 2002. Er entstand im Zuge der Vorbereitungen für das 1. Bücherpiraten-Festival, das 2003 in einem Zelt in Lübeck stattfand. Dieses Kinderbuchfest ist seitdem fester Bestandteil des Lübecker Sommerprogramms. 2007 kamen auf Wunsch einiger engagierter Jugendlicher die Jugendbuchtage im Januar dazu. Beide Festivals werden ein Jahr lang von den Kindern und Jugendlichen selbst konzipiert und vorbereitet, und dann auch durchgeführt. Das ist Projektmanagement zum Anfassen!

Martin Gries berichtete, dass seine Gruppe sich gerade auf den Besuch von Cornelia Funke vorbereite. Die Jugendlichen hatten ihn bereits gebeten, ihnen ein Coaching in Sachen Interviewtechnik zu ermöglichen; dazu holte er ihnen eine TV-Profifrau vom Schleswig-Holstein-Journal ins Haus. Als Nächstes wollten sie ihr fototechnisches Wissen und Können verbessern. Die Grundlage ist hier „partizipative Pädagogik“, bei der sich der Begleiter bewusst zurücknimmt.

Was die alles so machen…

Neben den Vorbereitungsgruppen für die beiden Festivals gibt es bei den Bücherpiraten noch die „U20-Slam“-Reihe (mit einem „Auf-der-Bühne“-Team“ und einem „Um-die-Bühne“-Team), den „Club der wundersamen Vorleser“, zwei Schreibgruppen (die „Geschichtenmacher“ [12–14 J.] und die „Autorengruppe“ [15–19 J.]), ein Online-Literaturmagazin (www.die-blaue-seite.de), sowie zwei Kita- und Schulprojekte („Geschichten-Sucher“ und „Skriptonauten“). Mehr darüber auf www.buecherpiraten.de.

Ein internationales mehrsprachiges Online-Bilderbuchprojekt für muttersprachliches Lesenlernen, „Eine Geschichte reist um die Welt“ (www.bilingual-picturebooks.org) ist in der Pilotphase.

Weiterempfehlen!

Das Erstaunlichste für uns war, dass der Verein Bücherpiraten ohne öffentliche Mittel auskommt, d.h. ohne Förderungen von Stadt, Land oder Bund. Allein durch Geld-, Zeit- und Bücher-Spenden von Einzelpersonen und Firmen sowie durch Förderungen von Stiftungen wird seit 11 Jahren ein wirklich beeindruckendes (und wachsendes) Angebot aufrechterhalten. Toll!

Text: Maya Kiesselbach

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