Berlin: Bericht - Neue E-Book-Plattformen - BücherFrauen im virtuellen Raum

Eine eingeschworene Gemeinde aus BücherFrauen und ARTwertigen – vielen Dank Wolfgang Barnick für die tolle Kooperation! – versammelt sich um den "Ring der E-Book-Plattformen" in der Volksbühne Berlin. Worum es geht: Drei E-Book-Spezialisten stellen sich vor: Skoobe, Sobooks und LOG.OS.


Podium (v. li. n. re.) mit Johannes Finke, Veronika von Bredow, Marlies Michaelis, Katharina Herbst, Katja Splichal.

Marlies Michaelis, selbst Inhaberin eines E-Book Verlags (cividale) und Regionalsprecherin der Berliner BücherFrauen, moderiert den Abend. Gelassen bounct Johannes Finke, Content Director (Programmchef) bei Sobooks, in Sneakers auf die Bühne und fläzt sich gelassen in die bereitgestellten Polster. Katja Splichal von LOG.OS steht ihm in puncto Coolness in nichts nach: Sie weiß sich ähnlich gediegen auf dem Sessel zu drapieren, im Laufe des Abend schummelt sich ein Bein relaxt über die Lehne. Ihre engagierte Mitstreiterin Katharina Herbst setzt sich achtsam in Positur und wartet auf den Einsatz. Völlig unaufgeregt kommt Veronika von Bredow daher, um Skoobe zu präsentieren, eine Plattform, die sich schon zwei Jahre lang auf dem Markt beweisen konnte.

Die Namen sprechen: Skoobe lässt sich auch rückwärts lesen und jeder weiß dann, worum es geht: E-Books! LOG.OS setzt sich zusammen aus Log=Wort und OS=Operating System: "Am Anfang war das Wort. Jetzt kommt das Betriebssystem." Sobooks ist eine Abkürzung und steht für "Social Books".

Sobooks: "Der Buchclub des 21. Jahrhunderts!"

Auftritt: Johannes Finke. Schon nach wenigen Minuten macht sich im wahrsten Sinne des Wortes Lampenfieber bei ihm breit. Im Schweiße seines Angesichts kämpft er sich durch die Folien der Sobooks-Präsentation. Kein Wunder! Steht er doch direkt unterm Spot – Johannes lässt sich aber nicht beirren. Zu Sobooks: Die Plattform will nichts weniger als das digitale Buch neu erfinden. Eine Art neues Format soll zukünftig direkt im Browser gelesen werden können, ohne dass dazu ein Reader notwendig wäre. Im Mittelpunkt steht selbstverständlich, der Name ist Programm, die Möglichkeit des Social Reading: Marginal rechts darf der Leser fleißig direkt kommentieren. Im Text selbst soll es Buttons geben, über die Diskussionen gestartet werden können. Kommentare werden von Experten moderiert bzw. redaktionell betreut. Quellenangaben direkt mit den entsprechenden Textpassagen im Originaltitel verlinkt. Textstellen können gehighlightet werden. Geliebte, gehasste oder wie auch immer gefühlte Passagen können ausschnitts- oder seitenweise über die Social-Media-Kanäle geteilt oder empfohlen werden. Die ersten zehn Seiten der Titel sind kostenfrei lesbar, zum Weiterlesen muss das Buch bezahlt werden. Auch gemeinfreie Bücher sollen erhältlich sein. Fazit: Die LeserInnen wissen in Zukunft: Sie sind beim Lesen nicht social-media-seelen-allein. Sie werden wissen, was sie lesen sollen, wo sie über das Gelesene diskutieren können und was ihre FreundInnen dazu zu sagen haben.   

Das Podium (von li. nach re.) Johannes Finke, Veronika von Bredow, Marlies Michaelis, Katharina Herbst, Katja Splichal.

Skoobe verändert das Leseverhalten!

Sachlich und kompetent präsentiert Veronika von Bredow die Münchener E-Book-Plattform Skoobe. Das Unternehmen wurde vor vier Jahren gegründet und vor zwei Jahren gelauncht. Das 17-köpfige Team betreibt hauptsächlich eine "Bastelei um die [Lese-]Apps herum." Das Besondere an Skoobe: Schon lange vor Amazon (Unlimited) boten sie nach dem "All-you-can-eat-Prinzip" eine Flatrate für E-Books an. Es gibt drei Tarife ab 9,99 € im Monat, die unter anderem bestimmen, auf wie vielen Endgeräten (mindestens zwei) die Bücher gelesen werden dürfen und zwar mehrere parallel. Inzwischen sind 60.000 Titel lieferbar, hauptsächlich auf Deutsch, aber auch zunehmend in anderen Sprachen wie Englisch oder Spanisch. Mit dem Riesenangebot von Amazon ist natürlich nicht zu konkurrieren (600.000 Titel). Dementsprechend entscheidet die Qualität der Auswahl über Erfolg oder Misserfolg – Skoobe meint, da gut aufgestellt zu sein, zumal das Unternehmen auch regelmäßig einige Bestseller zu bieten hat. Interessanterweise scheint die Flatrate das Leseverhalten zu beeinflussen. Nach Nutzerangaben verbringen 64 % mehr Zeit mit Lesen und 40 % schauen weniger fern. Dank Flatrate werden auch öfters Titel gefunden und gelesen, die nicht auf der Leseliste der User standen. 85 % empfehlen Skoobe-Books weiter, 25 % kaufen die Bücher später als gedrucktes Buch! 34 % verschenken die gekauften E-Books in der Printversion.

LOG.OS: Gemeinnützige Plattform für alle

LOG.OS ist ein komplexes Modell und will in bewusstem Gegensatz zu Amazon gemeinnützig sein. Die E-Book-Plattform soll eine Benutzeroberfläche für alle branchenrelevanten TeilnehmerInnen bieten, wie Katharina Herbst es schildert: für Leser, Autoren, Verlage, Buchhändler. Es wird soziale Plattform, Publishingplattform und Vermarktungsplattform, Marktplatz für Bücher und Universalbibliothek zugleich sein.

Der Verkauf von E-Books soll über eine GmbH laufen und das eingenommene Geld ins Projekt reinvestiert werden. Grundlage des Modells ist eine Stiftung, die zum Gemeinwohl aller Seiten agieren soll. Zusätzlich wird es eine KG geben, von der Anteile erworben werden können und die der Frontend-Entwicklung/ wirtschaftlichen Auswertung dienen wird. Katja Splichal spricht von Verlusten, denen durch dieses Modell aus dem Weg gegangen werden soll: Im Kontrast zur Amazon-Praxis wird ein Verlust der wirtschaftlichen Grundlage vermieden – es soll kein Druck auf Verlage ausgeübt werden. Man will fair kooperieren. Auch dem Verlust der Kundenbeziehung (bei Amazon gibt es wenig Transparenz, Daten werden zurückbehalten) und der technischen Selbstbestimmung soll entgegengewirkt werden. Datensouveränität und Persönlichkeitsrechte werden großgeschrieben: LOG.OS will, anders als Amazon, kein proprietäres System sein, sondern alle Formate sollen auf allen Endgeräten gelesen werden können. Zurzeit gehen LeserInnen-Kommentare verloren, wenn ein E-Book gelöscht wird. LOG.OS möchte das ändern:

Katja Splichal "metaphorisiert" und lässt uns die Augen zuzumachen. Wir sollen uns in die Pubertät zurückzuversetzen und ein tolles Briefmarkenalbum vorstellen, in dem wir all unsere Briefmarkenschätze sammeln. Doch eines Tages stellt sich heraus: Das Album ist schadstoffverseucht! Enthält Nickel oder was auch immer. Das geliebte Buch wird uns weggenommen und mit ihm der Inhalt, die Briefmarken. Alles perdu. So sieht's auch mit dem Content der E-Books aus, wenn wir Pech haben. Sollte es aber nicht.

Nach der Podiumsdiskussion fragen die ZuschauerInnen noch interessiert weiter. Eine der letzten Fragen lautet: "Wie geht ihr mit Selfpublishern um?" Das Amazon Bashing sei doch abgedroschen und der Online-Anbieter gewähre mit 70% Umsatzanteilen für AutorInnen traumhafte Konditionen. Alle drei Plattformen wollen Selfpublisher in ihre Systeme einbeziehen, setzen ihre Schwerpunkte aber zunächst woanders. Während Selfpublisher ihre Werke bei Skoobe über BoD oder Epubli anbieten können, womit AutorInnenverträge nicht in ihren Verantwortungsbereich fallen, sehen Sobooks und LOG.OS die Umsatzverteilung zukünftig jeweils bei 50/50 für Plattform und AutorInnen.

Drei spannende Konzepte! Unterhaltsam präsentiert! Die Organisation reibungslos! Bestens gelungen.

Text: Katja Marczinske, Foto: Wolfgang Barnick

Über uns
Vereinsporträt
Blaues Buch Online Extern
Vorstand
Überregionale Ansprechpartnerinnen
Beirat
BücherFrau des Jahres
BücherFrauen-Literaturpreis
Jahresthema
Publikationen
Buchmessen
Jahrestagung
LiteraturBrunch
International
Regional
BERLIN
BIELEFELD/OWL
BREMEN-OLDENBURG
FRANKEN
FRANKFURT/RHEIN-MAIN
FREIBURG
GÖTTINGEN-KASSEL
HAMBURG
HANNOVER
KÖLN/BONN-RHEIN/RUHR
LEIPZIG
MÜNCHEN
MÜNSTERLAND
RHEIN-NECKAR
STUTTGART
Mentoring
... überregional
... in Berlin
... in Frankfurt/Rhein-Neckar
... in Hamburg
... in München
... in Stuttgart
Akademie
Akademie im Grünen
Profilbildung & Genderkompetenz
Sommerakademie
Online-Akademien
Design your life
Digitale Meetings und Workshops
Finanzielle Fördermöglichkeiten
Kooperationen
Unsere Dozentinnen
Das Akademieteam
Bisherige Seminare
SocialMedia
BücherFrauen-Blog
Weitere Kanäle
Termine
Presse
Pressemitteilungen
Downloads
Pressestimmen