Berlin: Bericht - Wer früher spart, hat später mehr – Altersvorsorge für Frauen aus der Buchbranche

In einer Podiumsdiskussion klärten ein Vertreter der Rentenversicherung, eine Finanzexpertin speziell für freie Berufe und eine KSK-Expertin darüber auf, welche Möglichkeiten der Altersvorsorge es gibt.

Dass die Veranstaltung nicht wahnsinnig witzig werden würde, war eigentlich abzusehen bei dem Thema „Wer früher spart, hat später mehr – Altersvorsorge für Frauen aus der Buchbranche“. Dass sich aber auf vielen Gesichtern Ratlosigkeit zeigte, je weiter der Abend fortschritt, war so sicher nicht geplant. Über 30 Frauen hatten den Weg in den Pfefferberg gefunden, um den ersten echten Herbst-Regen-Dunkel-Alles-Doof-Tag mit Informationen über die Altersvorsorge zu beschließen. Auf dem Podium und moderiert von Wolfgang Barnick von ARTWert (Kooperationspartner dieser Veranstaltung) saßen drei sehr unterschiedliche Expert_innen: Veronika Mirschel von ver.di, Referat Selbstständige, Susanne Haid von der rvbb, Rechtsberatung für Versicherungsangelegenheiten in Berlin und Brandenburg und Volker Heine, Berater von der Deutsche Rentenversicherung Bund.

DRV Bund: die gesetzlichen Renten-Giganten

Die Einführung ins Thema – und hier fielen sofort die ersten eisigen Schlagworte (Altersrente, Rente und Erwerbsminderung, Rente wegen Todes, Rehabilitationsleistungen) – durch Volker Heine war faktenreich, aber für den Großteil der Selbstständigen in der Buchbranche und vermutlich auch im Publikum eher irrelevant: das ist die Kiste für Angestellte, die gesetzliche Renten-Versicherung, die von „Die-Renten-sind-sicher, aber macht trotzdem noch ein bisschen Rürup-Rente und Riester-Rente dazu“. Die Materie hat unendliche Weiten, wer mehr wissen will, kann kostenlose Beratungstermine bei der DRV wahrnehmen oder sich erst einmal einlesen auf der Internetseite (www.deutsche-rentenversicherung.de). Kleiner Tipp: Die DRV bietet ihre Seiten auch in „Leichter Sprache“ und in 7 Fremdsprachen an!

Ver.di, die Solo-Selbstständigen und die KSK

Veronika Mirschel von ver.di und dort Bereichsleiterin des Referats Selbstständige informierte über die Künstlersozialkasse bzw. die Frage, wer dort überhaupt eine Chance hat, aufgenommen zu werden, und wie das Aufnahmeverfahren aussieht. Der „Fragebogen zur Prüfung der Versicherungspflicht nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz“ ist im Internet zu bekommen, ebenso die wichtigsten Informationen und Fragen rund um die KSK (www.kuenstlersozialkasse.de). Von dort gelangt man auch zur Seite von mediafon, die sich um die solo-selbstständigen Gewerkschaftsmitglieder kümmern (www.mediafon.net). Auch Nichtmitglieder finden auf diesen Seiten kostenfrei wichtige Informationen.

Unabhängige Versicherungsberatung: Hilfe für alle, die dafür zahlen
Susanne Haid war als unabhängige Versicherungsberaterin eingeladen. Sie bietet Rechtsberatungen für Versicherungsangelegenheiten in Berlin und Brandenburg an (www.rvbb.de). Die Überprüfung bestehender Verträge, eine Beratung zu eventuell notwenigen Neuabschlüssen und Hilfe im Schadensfall sind bei ihr zu bekommen. Susanne Haids Aufzählung, welche Versicherungen allein im Falle eines Immobilienkaufs als Alterssicherung sinnvoll und/oder notwendig sind, war spannend: Lebensversicherung, Gebäudeversicherung, Bauherrenhaftpflichtversicherung, Hausratversicherung, private Haftpflichtversicherung. Die Versicherungsprämien können sich so auf bis zu 1.000 Euro im Jahr summieren. Vielleicht aber eine Kleinigkeit, schließlich hatte Susanne Haid die Versicherungen für einen Immobilienkauf im Wert von 200.000 bis 250.000 Euro kalkuliert.

Fallbeispiele aus der Buchbranche

Alle drei Altersabsicherungsspezialist_innen waren im Laufe des Abends aufgefordert, die versicherungstechnische Situation branchentypischer Beispiel-Frauen und vor allem deren finanzielle Perspektiven im Alter zu diskutieren.

  • Klara ist Mitte 30 und hat sich nach einigen Jahren als angestellte Lektorin in einem Verlag selbstständig gemacht. Sie lebt mit ihrem Freund zusammen, möchte sich aber eigenständig absichern. Schließlich kann jede Beziehung auch in die Brüche gehen.
  • Hannah, Verlegerin, ist Mitte 40 und möchte nun auch das Thema Altersvorsorge verstärkt angehen. Sie ist verpartnerschaftlicht und überlegt, eine Immobilie zu kaufen.
  • Luise ist Anfang 50, alleinstehend und seit zwei Jahrzehnten als Übersetzerin selbstständig. Das Thema Altersvorsorge hat sie bisher gemieden, soweit es ging. Schließlich ist ihr monatliches Einkommen recht überschaubar. Doch nach und nach wächst in ihr die Sorge vor einer drohenden Altersarmut.

 

(von links: Susanne Haid, Volker Heine, Wolfgang Barnick, Veronika Mirschel)

Was bleibt? oder „Der Tod der Altersversicherung“
Das Fazit führt zurück zum Thema der Veranstaltung: Wer früher spart, hat später mehr. Klara hat vielleicht noch gute Chancen vorzusorgen, sie sollte sich um Aufnahme in die KSK bemühen oder schleunigst wieder in eine Festanstellung wechseln. Hannah hat entweder einen brummenden Verlag, eine finanziell potente Partnerin oder ein nettes Erbe. Oder alles drei! Dann ist das mit der Immobilie keine schlechte Idee. Wenn sie anschließend immer noch Geld übrig hat, kann sie sich weitere und sicher sinnvolle Versicherungen zulegen: Berufsunfähigkeits- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen kämen da in Frage. Luises Aussichten dagegen sind nicht rosig, ihre Sorge vor Altersarmut berechtigt: sie verdient zu wenig, um zu sparen, und hat auch nicht mehr „genug Zeit“, um bestimmte Anwartschaften zu erfüllen.
Arm, alt, weiblich: neben Luise wird es viele Frauen aus der Buchbranche treffen. Und da ist es nicht wirklich tröstlich, dass die Zahl der Männer, deren Renten nicht ausreichen und die auf eine staatliche Grundsicherung angewiesen sind, ebenfalls steigt.
Dass die drei geladenen Fachleute des Abends es nicht schafften, bei den Zuhörerinnen Bilder einer sicheren, geregelten, sorgenfreien Zukunft hervorzurufen, lag nicht an mangelnder Expertise. Auch dass einige Versicherungstipps wie von einem anderen Stern klangen, war der Materie geschuldet. Klar ist, dass für viele Bücherfrauen Altersvorsorge ein Riesenthema bleibt und bezahlbare Modelle  noch auf den Weg gebracht werden müssen. Und daran sollten auch Politik und Gesellschaft ein Interesse haben.

Bericht: Uta Kural

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