Argentinische Verlegerinnen im Gespräch

Am Donnerstag, dem 7.10.2010, fand im gut besuchten Salon Weltempfang die von den BücherFrauen organisierte Podiumsdiskussion statt.


Auf dem Bild ist der Salon Weltempfang mit Besucherinnen und besuchern zu sehen

Zunächst stellte Moderatorin Anita Djafari mit Unterstützung der Konsekutivdolmetscherin Elisabeth Müller die Teilnehmerinnen vor. Für die angekündigte Adriana Hidalgo, die kurzfristig abgesagt hatte, war Ileana Lotersztain eingesprungen, die gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Carla Baredes in Buenos Aires den Verlag Iamiqué betreibt, der naturwissenschaftliche Literatur für Kinder verlegt. Neben ihr saßen Constanza Brunet vom Verlag Marea Editorial, der sich auf Sachbücher journalistischen Inhalts spezialisiert hat, und Ana María Cabanellas, argentinische Anwältin und Verlegerin, sowie Präsidentin der Internationalen Verleger-Union.
Zum Einstieg wurden die Teilnehmerinnen um einen Kommentar zur Nobelpreisverleihung an Mario Vargas Llosa gebeten, die gerade bekannt geworden war. Sie alle freuten sich, dass der Preis nach Lateinamerika gegangen war.

Auf dem Bild sind die Frauen auf dem Podium zu sehen

Die weiteren Fragen im Einzelnen:
Ist es ein Klischee, dass Buenos Aires die Stadt der Bücher ist?
Fakt ist immerhin, dass Buenos Aires im Jahr 2011 UNESCO-Weltstadt des Buches ist. Von der Regierung gibt es in Form von Förderprogrammen viel Unterstützung für die Branche. Trotz Schulden wird viel in Kultur investiert; der Staat kauft zum Beispiel viele Bücher für Schulen und öffentliche Einrichtungen und fördert Kurse, Seminare und kulturelle Veranstaltungen. Die Verleger sind zwar dankbar für jede Unterstützung, hätten aber trotzdem gerne mehr. Zum Beispiel mussten viele Autoren auf eigene Kosten zur Buchmesse anreisen.

Auf dem Bild ist Frau Ana Maria Cabanellas zu sehen

In Deutschland ist die Branche weiblich, außer in den Chefetagen. Ist das in Argentinien auch so? Gilt das Klischee des Machismo noch?
Als Ana María Cabanellas 1961 in den Beruf einstieg, gab es nur wenige Frauen in Verlagen; heutzutage sitzen die Frauen in Argentinien auch mit im Management. Auch in den Verlegerverbänden waren Frauen erst später präsent. Sie selbst ist in zwei Verlegerverbänden aktiv; in dem größeren sind mehr Männer, in dem kleineren, in dem unabhängige Verlage vertreten sind, mehr Frauen. Wenig überraschend arbeiten im Bereich Kinderbuch mehrheitlich Frauen, im Bereich Sachbuch mehr Männer. In Ileana Lotersztains Verlag jedoch gibt es – abgesehen von dem Boten – eine rein weibliche Belegschaft!

Auf dem Bild ist Frau Constanza Brunet zu sehen

Sind Frauennetzwerke unzeitgemäß? Sind sie heutzutage noch nötig? Ist man in Argentinien in der Beziehung weiter als in Deutschland?
Ana María Cabanellas berichtet, dass ihr Geschlecht in ihrem Berufsleben keine Rolle gespielt habe. Constanza Brunet findet, dass die Frauen in der Welt des Buches gut positioniert sind. Argentinierinnen hätten zwar einen großen Anspruch, Berufstätigkeit und Familie miteinander zu vereinbaren, schafften das aber mit Hilfe von Hausangestellten und kooperierenden Vätern recht gut. Auch die Selbstständigkeit kann dabei helfen. Ileana Lotersztains jüngster Sohn z.B. hat in ihrem Verlag in der Wiege gelegen. Brunet hat ihren Verlag gegründet, als ihre Tochter unterwegs war, weil sich die Mutterschaft nicht mit ihrem stressigen Beruf als Journalistin vereinbaren ließ. Für sie sind Verknüpfung und Kooperation immer wichtig, aber nicht nur zwischen Frauen, sondern auch zwischen Verbänden. A.M. Cabanellas findet Berufsverbände sehr wichtig; sie findet dort Anerkennung, Motivation und Unterstützung. Deshalb sieht sie momentan keinen Bedarf an einem weiblichen Netzwerk, schließt jedoch nicht aus, dass es irgendwann einmal von Nutzen sein könnte.

Auf dem Bild ist Frau Ileana Lotersztain zu sehen

Welche Bedeutung hat die Frankfurter Buchmesse für Sie?
Alle Verlegerinnen schätzen die Frankfurter Messe und auch andere Messen als wichtige Station, um ein Netz an internationalen Kontakten zu knüpfen und sich auszutauschen.

Fazit:
Ganz so ideal wie anfangs dargestellt ist die Situation in Argentinien doch nicht. Auch dort haben die kleinen Verlage gegen multinationale Verlage zu kämpfen. In der jüngeren Generation beteiligen sich die Männer zwar inzwischen an der Haushaltsarbeit, in Brunets Generation haben jedoch 80% der Frauen eine Doppelbelastung. Auch fördern die staatlichen Programme vor allem bekannte Autoren, und es wurde der Wunsch nach Unterstützung kleiner, unabhängiger Verlage geäußert, da viele Verlage aus finanziellen Gründen zu Hause bleiben mussten.

Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, doch es wurden auch Stimmen laut, die sich konkretere Informationen gewünscht und über die Möglichkeit gefreut hätten, Publikumsfragen zu stellen.

Ein herzlicher Dank geht an die Organisatorinnen Britta Jürgs und Stephanie Hanel!


Text: Antje Althans
Fotos: Richard Zinken

Siehe auch den Bericht in der "junge Welt" vom 12.10.2010 von Franziska Lüdtke: "Den Rest investieren"

Über uns
Vereinsporträt
Blaues Buch Online Extern
Vorstand
Überregionale Ansprechpartnerinnen
Beirat
BücherFrau des Jahres
Jahresthema
Publikationen
Buchmessen
Jahrestagung
LiteraturBrunch
International
Regional
BERLIN
BIELEFELD/OWL
BREMEN-OLDENBURG
FRANKEN
FRANKFURT/MAIN
FREIBURG
GÖTTINGEN-KASSEL
HAMBURG
HANNOVER
KÖLN/BONN-RHEIN/RUHR
LEIPZIG
MÜNCHEN
MÜNSTERLAND
RHEIN-NECKAR
STUTTGART
Mentoring
... in Berlin
... in Frankfurt/Rhein-Neckar
... in Hamburg
... in München
... in Stuttgart
Akademie
Akademie im Grünen
Profilbildung & Genderkompetenz
Sommerakademie
Online-Akademien
Finanzielle Fördermöglichkeiten
Kooperationen
Unsere Dozentinnen
Das Akademieteam
Bisherige Seminare
SocialMedia
BücherFrauen-Blog
Weitere Kanäle
Termine
Presse
Pressemitteilungen
Downloads
Pressestimmen