Berlin: Bericht - Wer hat Angst vor Daniela Dahn?

Am 12. November 2014 war die Autorin Daniela Dahn bei den Bücherfrauen zu Gast. Gekommen war eine kleine Gemeinde von Daniela-Dahn-Verehrern.

Von dem amerikanischen Renaissance- und Shakespeareforscher Stephen Greenblatt stammt die Idee von subversion and containment in unserer modernen Gesellschaft. Abgewandelt beschreibt es das, was vermutlich viele frühere DDR-Schriftsteller seit der Wende wahrnehmen: Früher durfte man nicht alles sagen und schreiben, und jetzt, wo man es darf, hört niemand zu oder es geht im allgemeinen Medienrummel unter oder es wird gleich zum neuen Trend gemacht. Subversion aller Art, so Greenblatt, wird nämlich heutzutage durch die Gesellschaft vereinnahmt und damit entschärft. Das ist ganz schön desillusionierend.

Eine, die es trotzdem tut, immer wieder, ist Daniela Dahn: Ihre Texte sind sorgfältig recherchiert, sachlich und doch voller Sprengkraft. Sie begann zu DDR-Zeiten mit Feuilletons, und Büchern wie Spitzenzeit und der Tour de Force Prenzlauer-Berg-Tour, einem Klassiker der emotional involvierten Mikro-Geschichtsschreibung, der in jeden Prenzlauer Berger Haushalt gehört.

In der Wendezeit war Daniela Dahn politisch zu aktiv um zu schreiben. Die kurze Stille danach hatte damit zu tun, dass sie sich gegen die Rückübertragungsansprüche an ihrer Wohnsiedlung engagierte. Daraus entstand das erste Nachwendebuch Wir bleiben hier oder wem gehört der Osten?. Seitdem machte sie weiter mit der laufenden Kritik am Wiedervereinigungsprozess, in dem Ost und West vieles verloren haben, in Büchern wie Westwärts und nicht vergessen, Vertreibung ins Paradies, Wenn und Aber, Wehe dem Sieger, Wir sind der Staat. Warum Volk sein nicht genügt. Darin betreibt sie Systemkritik, wer traut sich das heute schon noch?

Letztes Jahr erschien ihr erstes E-Book, Emanzipiert Euch, in dem sie den Zustand der Demokratie und die Macht des Geldes thematisiert. Sie ist außerdem Kritikerin des Ukrainekonflikts und interessiert sich für aktuelle, durch soziale Medien gestützte  Formen der Revolution.

Angst haben wohl tatsächlich einige Leute vor ihr, meint sie, so dass sie vor ein paar Jahren als Mitherausgeberin des Freitag abgesetzt wurde. Für den schreibt sie aber immer noch, zuletzt „Von allen Seiten Nebelkerzen“ und „Raus aus dem Schatten“, ebenso wie für die Nachfolgeschrift der Weltbühne, Ossietzky.

Dass Daniela Dahn eine Frau ist, spielte vermutlich bei einigen öffentlichen Anfeindungen eine Rolle, gegen die sie sich erfolgreich zur Wehr setzte. Was sie aber besonders auszeichnet, und das zeigt sich in ihren Texten und im Gespräch, ist, dass bei ihr die scharfe Analyse mit großer Herzenswärme einhergeht. Das macht sie zu so einer wichtigen, immer noch unbequemen oder wenig mediengefälligen Stimme, die mehr gehört und gelesen werden sollte.

Als Freiberuflerin, die den Zwängen des Markts unterliegt, bedauere ich oft, dass ich mich nicht so umfassend über das Weltgeschehen informiere und es hinterfrage, wie ich es möchte oder sollte, so auch auf alternativen von Daniela Dahn genannten Seiten wie http://weltnetz.tv/ und http://www.kontext-tv.de/ oder direkt bei Amy Goodman und Democracy now!

Daniela Dahn tut es und teilt sich uns immer wieder auf ihre klare, ruhige Weise mit. Wenn wir ihr denn zuhören wollen.

Organisiert, moderiert und zusammengefasst von Ina Pfitzner

 

Und aus der Sicht einer Zuhörerin

Es war ein sehr schöner Abend. Das einmal vorausgeschickt. Ruhig und entspannt. Und doch fühlte man sich schnell in die aufregende Wendezeit zurückversetzt, als Daniela Dahn erzählte, das sei ihre aktivste Zeit gewesen. Forderungen wurden schneller erfüllt als sie formuliert werden konnten, sie saß mit am Runden Tisch und erarbeitete unter anderem mit Christa Wolf einen Alternativen Verfassungsentwurf. Aber sie verklärt die Zeit nicht, bemerkt auch kritisch, dass in einem Untersuchungsausschuss die Hälfte Theologen waren, keiner besaß die notwendige Wirtschaftskompetenz. Desillusionierend sei es gewesen, dass die Bürgerbewegung bei den ersten freien Wahlen in der DDR nur 3,5 Prozent der Stimmen bekommen hätten. Enttäuscht nahm sie eine Professur an einer amerikanischen Privatuniversität an. Aber die Aufbruchstimmung von 1989 knistert ein wenig durch das Kaminzimmer im Literaturhaus. Sie macht Lust auf die Bücher von Daniela Dahn und auch auf die große Welle von Frauenliteratur, die Ende der 80er-Jahre in der DDR entstand.

Ramona Ehret

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