Chinese Women in Publishing

Spannender Dialog mit Verlegerinnen - die Podiumsdiskussion der BücherFrauen auf der Buchmesse in Frankfurt 2009

Breiter gespannt hätte der Bogen bei dieser von den BücherFrauen in guter Tradition bereits zum vierten Mal veranstalteten Podiumsdiskussion mit Teilnehmerinnen des Gastlandes auf der Frankfurter Buchmesse kaum sein können: Wang Fang, Direktorin für Marketing und Distribution von Foreign Language Teaching and Research Press (FLTRP), dem staatlichen und drittgrößten Verlag der Volksrepublik China, und Mary Chan, Inhaberin und Verlegerin von MCCM Creations, einem kleinen privaten Verlag aus Hongkong, sprachen mit Veronika Licher, BücherFrau aus Mannheim und Verlagsberaterin mit Schwerpunkt VR China, über die vielfältigen Facetten des chinesischen Verlagswesens und die dortige Situation von Frauen.

hier ist eine Diskussionsrunde zu sehen

Wie spannend diese Themen für die Besucherinnen und Besucher der Buchmesse waren, zeigten die bis auf den letzten Platz besetzten Bänke im Zuschauerraum – versprach die Kombination auf dem Podium doch Einblicke in eine oder besser gesagt: zwei nach wie vor weitgehend fremde berufliche Welten.

So räumte Wang Fang – übrigens in ausgezeichnetem Deutsch – zunächst einmal mit dem Vorurteil auf, dass Mitarbeiter in staatlichen Unternehmen grundsätzlich weniger engagiert seien als in privat geführten. Wenn sie danach gefragt werde, was denn FLTRP von einem privaten Unternehmen unterscheide, fiele ihr gar kein Unterschied ein. Ihr möchte man es glauben, verkörpert sie doch die Expertise, Professionalität und Beharrlichkeit, die mit dem Umbruch in der chinesischen Verlagsbranche der VR China einhergeht. Die Germanistin, die auch Medienwissenschaften in Konstanz studierte, stieg bei FLTRP von der Lektorin zur Vizepräsidentin auf und leitet heute einen Bereich mit 300 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Auf der Podiumsdiskussion präsentierte sie sich als sympathische und kenntnisreiche Powerfrau, die offen die an sie gestellten Fragen beantwortete.

Mary Chan erzählte – in reinstem britischen Englisch – von ihrem Alltag als unabhängige Unternehmerin in Hongkong. Sie berichtete von einer spannenden Kultur- und Verlagsszene, die auch ihr Verlagsprogramm bestimmt. MCCM Creations bringt aufwändige Bildbände im Bereich Kunst, Literatur, Design und Architektur heraus. Am Anfang stand allerdings ein Kinderbuch, das ein befreundeter Autor ihr antrug. Inzwischen hat der Verlag mehr als 50 Bücher herausgebracht. Die umtriebige Verlegerin hat ursprünglich englische Sprache und Kultur studiert und blickt mit ihrem Verlagsprogramm sowohl auf lokale als auch internationale Leser und Leserinnen. Kultureller und interkultureller Austausch liegen ihr am Herzen, wie man auch an ihrer Bereitschaft sieht, an dieser Podiumsdiskussion teilzunehmen.

Schnell wurde klar, dass sich der Markt und die Bedingungen in der VR China und in Hongkong nach wie vor stark unterscheiden, auch wenn Hongkong seit 1997 wieder an die VR China angegliedert ist. Wobei klar ist, dass es für MCCM weit schwieriger ist, in der VR China Fuß zu fassen, als umgekehrt. Sprache, Schrift, Produktionskosten, unterschiedliche Preisniveaus und Vertriebswege sind die Gründe. Während in Peking beispielsweise Mandarin gesprochen wird, wird in Südchina häufig Kantonesisch verwendet, das Mary Chans Muttersprache ist. Auch die Schrift ist unterschiedlich: In Hongkong werden noch die traditionellen chinesischen Zeichen verwendet im Gegensatz zu den vereinfachten in der VR China. Die Produktionskosten sind in Hongkong sehr viel höher als in der VR China, was sich entsprechend auf die Verkaufspreise auswirkt, und auch der weitgehend staatlich organisierte Buchhandel auf dem Festland tut ein Übriges. Mary Chan erinnert sich noch gut, wie sie anfangs mit dem Köfferchen ihre Bücher nach China brachte, um sie auch dort verkaufen zu können, in der Sonderverwaltungszone Shenzhen. Der eigene Buchladen in Hongkong war daher ein wichtiger Schritt, mit einem kleinen, ambitionierten Verlagsprogramm in den Markt zu kommen.
Insofern ist Hongkong – ebenso wie Taiwan – für die VR China nach wie vor ein Lizenzmarkt und für ausländische Geschäftspartner ist darauf zu achten, Lizenzverträge für die unterschiedlichen Sprachräume und Regionen abzuschließen.

Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde bei diesem Podium die Frage nach dem Thema chinesische Frauen in Führungspositionen erwartet – von Veronika Licher gestellt und von beiden Teilnehmerinnen mit großer Bestimmtheit übereinstimmend beantwortet: Das ist bei uns kein Thema. Wang Fang ist eine von drei Vizepräsidentinnen bei FLTRP. Auch für Mary Chan gilt: kein Thema. Sie fühlt sich in Hongkong frei, ihre beruflichen Vorstellungen umzusetzen. Mehr gab es dazu nicht zu sagen – deutlicher geht es kaum.

Veronika Licher führte mit sicherem Gespür durch die Veranstaltung. Ihr ist es überhaupt zu verdanken, dass diese spannende Runde zustande kam – auf Grund von sehr guten persönlichen Kontakten, Vor-Ort-Gesprächen, zahlreichen E-Mails im Vorfeld und stets mindestens zweisprachig. Im Sprachdreieck Deutsch – Englisch – Chinesisch wurde sie auf dem Podium professionell unterstützt von dem Übersetzer Li Bin, dem an dieser Stelle ein großer Dank gebührt. Ebenso wie den Teilnehmerinnen, die bereit waren, mit dieser Offenheit über ihren beruflichen Alltag zu berichten.

Text: Sabine M. Kempa, kempa-konzepte für verlage, Heidelberg
Foto: Alexandra Klusmann

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