Berlin: Bericht - Was ist richtiges Deutsch?

Genus hier – Genus da

Die BücherFrauen-Veranstaltung im Oktober 2015 im Kaminzimmer des Literaturhauses in der Fasanenstraße war lehrreich und vergnüglich! Und das, obwohl zu einem nicht ganz einfachen Thema eingeladen worden war: Was ist richtiges Deutsch?

Durch den Abend führte Meiken Endruweit, Gast war Heike Wiese, Professorin für Deutsche Sprache der Gegenwart der Universität Potsdam. Heike Wiese ist auch Sprecherin des Zentrums "Sprache, Variation und Migration"  und Mitglied im Rat für Migration. Durch die Medien ging 2012 ihr Buch Kiezdeutsch. Ein neuer Dialekt entsteht. Als Sprachspezialistin konnte sie den anwesenden BücherFrauen Einblicke geben sowohl in verblüffende Phänomene des stetigen Sprachwandels als auch in überraschende Entwicklungen des Sprachkontakts in mehrsprachigen, urbanen Sprachgemeinschaften. Den Schwerpunkt ihres Vortrags setzte sie bei einem ihre Forschungsinteressen:

Sprachliche Variation: Variation im Gegenwartsdeutschen, Multiethnolekte und neue Dialekte (insbesondere Kiezdeutsch), grammatische Variation und Informationsstruktur

Was ist richtiges Deutsch? Um der Antwort zu dieser Frage auf die Schliche zu kommen, musste geklärt werden, in welcher Vielfalt Sprache existiert: mündlich und schriftlich, Soziolekte und Dialekte, regionale und historische Varietäten. Auch hat Heike Wiese daran erinnert, dass der Begriff Hochdeutsch das Gegenteil von Plattdeutsch ist, also eigentlich eine regionale Bezeichnung für süd- und mitteldeutsche Dialekte. Der gängige Begriff Standarddeutsch ist ebenso problematisch, suggeriert er doch, dass es eine Instanz gäbe, die den sprachlichen Standard festlegt. Selbst  die DUDEN Grammatik schreibt nicht vor, sondern dokumentiert und zeigt, was sich in den Bereichen Schriftsprache, mündliche Sprache und  Intonation verändert. Die „ideologische Verbundenheit“ mit der Hochsprache führt dazu, dass diese als „bessere“ Sprachform angesehen wird. Das bedeutet, dass vermeidliche Fehler als Abweichung, als Nicht-Standard, klassifiziert werden. Nicht-Standard-Sprecher/innen werden aus dieser Haltung  heraus häufig negativ bewertet. Was also als richtiges Deutsch empfunden wird, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Hierzu die Ermunterung von Heike Wiese, den eigenen mündlichen Sprachgebrauch über einige Tage konsequent zu beobachten und auch die Sprecher-Sprache der Tagesschau kritisch zu reflektieren.

Dass sich Sprache ständig wandelt und Dynamik und Richtung diese Wandels wiederum unterschiedlich bewertet wird, zeigen die heftigen Diskussionen zum Thema Kiezdeutsch, einer Jugendsprache des Deutschen. Diese urbane Jugendsprache hat sich in Begegnung unterschiedlicher Sprachen (und Kulturen) entwickelt. Ähnliche Sprachentwicklungen werden auch in anderen europäischen Großstädten beobachtet und erforscht. Heike Wiese zeigte spannende Beispiele aus dem Kiezdeutschen, die vom Publikum oft erkannt wurden („Wir sind eine einsprachige Familie aus Steglitz, aber meine Kinder reden auch so…“ ).

Jugendliche, die in mehrsprachigen Wohnumgebungen aufwachsen, kommunizieren adressatenorientiert und effizient. Ihr Kiezdeutsch ist innovativ und dynamisch. Heike Wiese konnte an diesem Abend gut verständlich machen, dass wir alle regelmäßig und fließend Nicht-Standard-Deutsch sprechen. Wir wählen, wie Kiezdeutsch-Sprecher/Innen, situationsadäquat sehr unterschiedliche Kommunikationsstrukturen, Ausdrücke und grammatikalische Gefüge. Die Mehrsprachigkeit der Gesellschaft, so Heike Wiese, ist oft schon der Normalfall und soll als Chance anerkannt werden.

 

Für Interessierte zum Weiterlesen:

www.kiezdeutsch.de

www.kiezdeutschkorpus.de

 

Ein Text von Uta Kural

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