Berlin: Bericht - READ!BERLIN. Das Literaturfestival für die Stadt

READ!BERLIN war in 2015 ein neues und laut den Veranstaltern das erste Berliner Literaturfestival, das die Stadt selbst zum Thema hat. Über Idee und Visionen, über Erfolg und auch über „Nicht-so-gut-gelaufen“ sprach Britta Jürgs, Bücherfrau und Verlegerin im AvivA Verlag, mit Anna Mandalka, Mitinitiatorin und Verlegerin im Orlanda Verlag, am 09. März im Kaminzimmer des Literaturhauses in der Fasanenstraße.

Berlinfestival, Begegnungsfestival, Literarturfestival der Nachhaltigkeit – Anna Mandalka füllt die Schlagworte im Laufe des Abends. Das insgesamt fünfköpfige Veranstalter-Team wollte weg von der üblichen Fixierung auf Neuerscheinungen, hin zum Spiel mit den Backlists der Verlage. Trotz positiven Feedbacks fand sich kein Verlag als Sponsor. Schließlich unterstützte die Lotto-Stiftung die Neugründer mit einer Anschubfinanzierung von € 100.000 und ermöglichte die Entwicklung eines nachhaltigen, werblichen Auftritts. An die Plakate und Kino-Trailer erinnern sich einige der Bücherfrauen im Publikum, obwohl das Budget im April 2015 keine große Reichweite ermöglicht hatte. Obwohl niemand, kein Moderatorin, kein Barmann und kein Praktikant bei READ!BERLIN umsonst arbeitet, reichte die finanzielle Deckung auch, um das Festival in den sozialen Medien eng zu begleiten und zahlreiche multimediale Räume zu eröffnen. Die über ein Jahr lang abrufbaren Video-Clips „Worte der Weisheit“, Facebook-Stories, Podcasts etc. trugen zur Nachhaltigkeit bei und werden ein Element des Festivals bleiben.

READ!BERLIN soll ein Forum sein, auf dem sich die Vielfalt des Buchmarkts und auch der Gesellschaft in Berlin spiegelt. Anna Mandalka bedauert, dass die Gelder nicht für alles, beispielsweise nicht für die Sparte Kinderbuch, reichen. Aber vieles andere geht. So lud der Philosoph Albert Kitzler zum „Shared Reading“ täglich in eine chinesische Teestube und philosophierte gemeinsam mit den Leuten über Begriffe wie Alltagsglück und Erfolg. READ!BERLIN dient auch als Podium für E-Book-Verlage. Gemeinsam mit mikrotext-Verlegerin Nikola Richter wurden 2015 unter dem Titel „Flüchtlingsgespräche“ türkische E-Book-Autoren und Autorinnen präsentiert. Beim diesjährigen Festival erhält die Syrische Autorenszene, die ihre Homebase im Café Kotti aufgeschlagen hat, ihre Bühne. Unter anderen wird die junge syrische Autorin Rasha Abbas aus ihren in Berlin entstandenen Geschichten über „Die Erfindung der deutschen Grammatik“ lesen. 

„Wir sind am Probieren“

Freiwillig und auch gezwungenermaßen: Anna Mandalka räumt offen ein, dass sie und ihr Team „am Probieren“ waren und es immer noch sind. 2015 entpuppte sich der „Tatort“ als der unerwartete Feind des Sonntagabend-Programms. Gut konzipierte Veranstaltungen blieben weitestgehend unbesucht. Andererseits waren die Erwartungen an den Verkauf über die Ticketsysteme gering. Vermutlich mehr noch als die gute PR waren es Eventim und Co., die ihnen viele zahlungskräftige und -freudige Touristen bescherten, die am Berliner Kulturleben teilnehmen wollten und viele Bücher kauften.

Auch vor dem Hintergrund, dass Lotto die Fördergelder für 2016 auf 50.000 Euro reduziert hat, stürzen sie sich in ein weiteres Experiment. Gespannt ob es funktionieren wird, setzt das Team auf das Galli Theater in den Heckmannhöfen als einzigen Veranstaltungsort. „Hier können die Leute noch stärker zusammen kommen“ erhofft sich Anna Mandalka. Es soll werden „wie ein eigenes Dorf“.

READ!BERLIN 2016

Und dieses Dorf wird den hundertjährigen Geburtstag der Dada- Bewegung und deren Ikonen feiern. Im erfolgreichen Format der „Vergessenen Premieren“ wird die Schauspielerin Taneshia Abt Verse der „Dada Baroness“ Elsa von Freytag-Lohringhoven auf die Bühne bringen. Die Literarischen Spaziergänge durch Mitte, bei denen der Schriftsteller Helmut Kuhn seine Gäste lesend unterhalten und ins Gespräch mit ihm und anderen mitgehenden Autoren gebracht hatte, werden fortgesetzt und um zwei Dada-Spaziergänge erweitert. Start der Tour ist an einem der Dada-Happening-Orte, am Berliner Dom.  

Eine der Veranstaltungen, in denen Berlin, wie man es nicht mehr kennt, wieder der Hauptakteur sein wird, wird die Lesung des Berliner Cliquenromans „Blutsbrüder“ von Ernst Haffner sein, der als Regimegegner nach der nationalsozialistischen Machtergreifung spurlos verschwand.

„Literatur hat einfach eine unglaubliche Kraft und kann sehr viel bewegen“ - und das auch lokal, sagt Anna Mandalka. Eine Idee des Festivals ist , dass die Nachbarn der Veranstaltungsorte in Kontakt miteinander treten. 2015 hat sich eine Gruppe gefunden, die sich seither regelmäßig in der Tucholsky-Buchhandlung des Mitinitiators Jörg Braunsdorf trifft. Nachbarschaftlich ist es auch, dass die Schauspielerin Fritzi Haberlandt kürzlich genau in dieser Buchhandlung Bände der bei AvivA verlegten Schriftstellerin Ruth Landshoff kaufte und zusagte, bei READ!BERLIN 2016 daraus zu lesen.

READ!BERLIN vom 22. – 29.04.2016; das Programm wird kurz nach der Leipziger Messe online gehen.

Zum weiter lesen: http://read.berlin/

Text von Martina Martens, Foto von Yvonne de Andrés

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