Berlin: Sommerplaisir vom Viktoria-Luise-Platz zum Bayerischen Platz

Dieses Jahr führte das Sommerplaisir durch das Bayerische Viertel, den Kiez der Literat*innen, Schriftsteller*innen und Kritiker*innen. Kaum eine Gegend in Berlin bietet derzeit so viel Literarisches wie das Viertel rund um Viktoria-Luise- und Bayerischen Platz. Eleganz und Revolte und eine untergegangene jüdische Vergangenheit sind hier immer wieder sichtbar. Die Veranstaltung war auch in diesem Jahrstark nachgefragt. 35 BücherFrauen und Freundinnen hatten sich am frühen Samstagmorgen für den Spaziergang durch das literarische Schöneberg eingefunden.

Die Tour startete mitten auf dem Viktoria-Luise-Platz an der wasserspendenden Fontäne. 1866, vor 150 Jahren, im Modernisierungsumbruch Berlins hin zur Metropole, gründete Wilhelm Adolf Lette den "Verein zur Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts". Ziel waren Ausbildungsangebote speziell für Frauen. Frauen hatten lange Zeit kein Recht, weiterführende Schulen zu besuchen oder das Abitur abzulegen. Erst 1908 erfolgte in Preußen die Zulassung von Frauen an die Universitäten. Daher war ein gut qualifizierendes Bildungsangebot, das Frauen die Möglichkeit einräumte, ihr eigenes Geld zu verdienen, ein wichtiger Schritt der Emanzipation. Lange war es nicht selbstverständlich, dass Frauen einer Erwerbsarbeit nachgingen oder in der Politik tätig waren. Anna Schepeler-Lette (1829–1897), Tochter von Wilhelm Adolf Lette, ebnete den Weg dorthin. Die Politikerin, Frauenrechtlerin und Schulgründerin kann als „Role Model“ für andere Frauen gelten. Nach dem Tod ihres Vaters 1872 benannte sie den Verein um. Er hieß nun "Lette-Verein". Viele bedeutende Lehrkräfte haben hier gewirkt, wie z.B. Alice Salomon (1872–1948), Elly Heuss-Knapp (1881–1952), Dora Lux (1882–1959), Marianne Breslauer (1909–2001), Eva Kemlein (1909–2004) oder Unica Zürn (1916–1970).

In der Regensburger Straße 33 befindet sich eine Gedenktafel, die an die Sängerin und Kabarettistin Claire Waldoff erinnert. Claire Waldoff, eigentlich Clara Wortmann, meinte über unsere Stadt: „Mein Berlin, du bist einzig in deiner erregenden Atmosphäre, in deiner unerhörten Arbeitskraft, in deiner großartigen Geistigkeit.“Bis sie 1933 Berlin verlassen musste. Von dort führte uns der Spaziergang zur fast vergessenen Malerin Lotte Laserstein, zur Autorin und Journalistin Inge Deutschkron, zur „Frau mit der Kamera“ Gisèle Freund und zur Lyrikerin Gertrud Kolmar. Danach machten wir noch einen Abstecher zur ehemaligen Synagoge in der Münchner Straße, wo sich heute die Löcknitz-Grundschule befindet. Auf dem Schulgrundstück erinnert seit 1994 eine Initiative von Schülerinnen und Schülern der 6. Klassen an die Bürger*innen jüdischen Glaubens des Bezirks Schöneberg, die in Konzentrationslagern gewaltsam zu Tode gekommen sind.

Unser Rundgang endete mit dem sehr eindrucksvollen Besuch bei Christiane Fritsch-Weith, die aus der fast 100-jährigen Geschichte des „Buchladens Bayerischer Platz“ erzählte und uns so Einblicke in den Buchladen und die Umgebung gab. Ganz zum Abschluss trafen wir Rena Friedrichs und ihre Kollegin Frau Hartmann vom Berliner Forum für Geschichte und Gegenwart e.V., die uns im Café Haberland weitere Informationen zur Stadtgeschichte des Bayerischen Viertels und zum jüdischen Leben im Quartier vermittelten. Wir konnten die dortige Multimedia-Ausstellung ansehen und bei einer Tasse Tee oder Kaffee die Tour ausklingen lassen.

Die vorgestellten Frauen sind Rollenmodelle, manches Mal auch Vorbilder für Frauen heute. Uns, Carola und mir, hat es großen Spaß gemacht, euch diese Frauen näherzubringen. Die Schwierigkeit bestand in der Auswahl dieser exemplarischen Frauen, die stellvertretend für die letzten 150 Jahre Berlin-Geschichte stehen.

Text von Carola Köhler und Yvonne de Andres, Fotos von Martina Martens

 

Zum Weiterlesen:

http://blog.buecherfrauen.de/berlin-stadt-der-frauen/

http://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Buecher_Sachbuch.php?id=14191599http://www.aviva-berlin.de/aviva/content_Buecher_Sachbuch.php?id=14191599

http://www.cafe-haberland.de/

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