Hamburg: "Am Anfang war die Wut" - Selfpublishing-Abend mit Maria Poets und Bettina Schaefer

Wie sieht die deutsche Selfpublishing-Szene aus? Was bewegt Autorinnen und Autoren dazu, ihre Werke im Selbstverlag herauszubringen? Was sind die Chancen – und wo liegen die Risiken? Verändert Selfpublishing den Buchmarkt langfristig?

Auf diese und viele weitere Fragen gaben die Pionierinnen und erfahrenen Selfpublishing-Autorinnen Maria Poets und Bettina Schaefer auf dem Themenabend der Hamburger BücherFrauen Antwort. Am 3. November trafen sie sich zum Gespräch im Kulturhaus Eppendorf und diskutierten mit rund 30 Gästen.

 

Erfolgreich ohne Verlag
Der Impuls zum Selbstverlegen entsprang bei beiden Autorinnen der Wut über die Verlagswelt. Bettina Schaefer versuchte vergeblich, den Bericht über die Arbeit einer Krankenschwester und Rettungsassistentin in Krisengebieten nach schweren Naturkatastrophen wie dem Tsunami 2004 und dem Erdbeben auf Haiti 2010 bei einem Verlag unterzubringen – eine wichtige Perspektive, die die Journalistin in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen wollte. Aber sie bekam von Verlagsseite nur zu hören, dass die Krankenschwester keine Prominente sei und ein solches Buch sich daher nicht verkaufen lasse.

So beschloss Bettina Schaefer 2009, ins kalte Wasser zu springen und sich mit dem jetztzeit verlag als Selbstverlegerin zu versuchen. Mit Erfolg: Mit drei erzählenden Sachbüchern hat sie sich internationales Renommee verschafft. Ihr Buch „Ich bleibe Optimist, trotz allem“ über den Holocaust-Überlebenden Noach Flug gewann drei Buchpreise in den USA (2015) und Kanada (2016). Sie ist damit die erfolgreichste deutsche Selfpublisherin in den USA.

Maria Poets trat mit ihrem Krimi „Mordswald“ an verschiedene Literaturagenturen heran, zurück kam jedoch vor allem Funkstille. So nahm sie die Veröffentlichung kurzerhand selbst in die Hand und brachte das Buch als E-Book über Amazon heraus. Mit bislang vier veröffentlichten Romanen war sie seitdem schon häufig in der Amazon-Bestseller-Liste vertreten.

Als der Rowohlt-Verlag auf ihren Roman „Berechnung“ aufmerksam wurde und die Printrechte anfragte, nahm sie das Angebot gern an – aber eher als Balsam für die Seele, nicht aus finanziellen Gründen. Denn entgegen gängigen Vorurteilen sind Selfpublisher und Selfpublisherinnen eben nicht die, die kein Verlag haben will, sondern manchmal auch umgekehrt.

Buchproduktion auf Augenhöhe
Was sind nun die Vorteile des Selfpublishings? Volle Kontrolle, sagen beide Autorinnen übereinstimmend – über den Text, die Gestaltung, das Marketing. Bettina Schaefer ist überzeugt von der Buchproduktion als Teamarbeit. Sie hat viel Freude daran, auf Augenhöhe mit Text- und Gestaltungsprofis zusammenzuarbeiten, und lernt immer viel dazu. Unter den BücherFrauen hat sie viele Dienstleisterinnen gefunden, mit denen sie gern und oft kooperiert.

Ihr Buch „Ich bleibe Optimist, trotz allem“ wurde unter anderem auch für das Layout bei den kanadischen Book Excellence Awards 2016 ausgezeichnet – eine Würdigung, die sie gern an die Buchgestalterin Rafaela Nimmesgern weiterleitet, die dafür verantwortlich ist. Auch Maria Poets hat mit BücherFrau Kerstin Schürmann eine verlässliche Partnerin bei der Covergestaltung ihrer Romane gewonnen.

Maria Poets kümmert sich gern selbst um alles und sucht sich aus der Vielzahl an Dienstleistungen gezielt das aus, was sie für ihre Bücher braucht. Neben der Gestaltung und Textdienstleistungen wie Lektorat und Korrektorat sind für Selfpublisher und Selfpublisherinnen vor allem gute Veröffentlichungsplattformen und Distributoren wichtig, die E-Books in die wichtigsten Onlineshops bringen und AutorInnen viel Arbeit abnehmen. Allerdings muss man genau abwägen, welche Leistungen einen tatsächlich weiterbringen. Das Angebot im Selfpublishing-Bereich wächst ständig und verändert sich, es ist daher wichtig, sich immer auf dem Laufenden zu halten.

Selfpublishing vs. Verlag
SelfpublisherInnen tragen die Verantwortung für ihr Buch – und daher auch alle Konsequenzen. Wenn ein Buch floppt, gibt es niemand anderen, der die Schuld daran trägt oder den finanziellen Verlust abfängt. Ist das Cover eher nicht so der „Burner“ oder das Buch voller Fehler: Der Verlag als Übeltäter fällt aus.

Damit muss man umgehen können. Verlage übernehmen viele Aufgaben, um die Autorinnen und Autoren sich dann nicht mehr kümmern müssen, und treten dabei auch in Vorleistung. Ob sich ein Verlagsvertrag in finanzieller Hinsicht immer lohnt, bezweifelt Maria Poets allerdings. Sie empfiehlt, immer konkrete Zahlen zu vergleichen: Wie viele Bücher muss man als SelfpublisherIn verkaufen, um die Unkosten einzuspielen? Ab wann macht man einen Gewinn? Und: Ab wann erreicht man diesen Gewinn bei einem Verlag? Es ist auch wichtig zu überlegen, was genau man möchte. Wenn man das eigene Buch unbedingt im Buchladen sehen möchte, empfiehlt sich eher der Weg über den Verlag. Mit Selfpublisher-Titeln tut sich der Buchhandel noch schwer.

Dabei gibt es immer mehr professionelle Selfpublisher und Selfpublisherinnen, die qualitativ hochwertige Titel veröffentlichen und damit kommerziellen Erfolg haben. Im Bereich Genreliteratur wie Krimi, Romance oder Fantasy fällt das allerdings leichter als zum Beispiel bei Sachbüchern. Wer von den Einnahmen seiner Bücher leben will, hat es generell sowohl im Selfpublishing als auch im Verlag nicht leicht.

Maria Poets und Bettina Schaefer hoffen jedoch, dass die wachsende Konkurrenz durch Selfpublisher-Titel die Verhandlungsposition der AutorInnen gegenüber Verlagen langfristig stärken kann. Auf jeden Fall ermöglicht es Selfpublishing, Themen und Perspektiven in die Öffentlichkeit zu bringen, die auf dem traditionellen Weg über die Verlage wenig Aufmerksamkeit erhalten. Und: Selbstmachen bringt auch ziemlich viel Spaß!

Text: Martha Wilhelm
Bilder: Felix Schaefer

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