E-Books – schöne neue Buchwelt?

»Es ist etwas unterwegs.« Mit dieser Prognose, dass sich in den nächsten Monaten viel tun werde, schloss Miriam Hofheinz, Produktmanagerin bei Libri.de, die Podiumsdiskussion »E-Book – schöne neue Buchwelt?«, zu der die BücherFrauen Köln/Bonn am 2. November geladen hatten.

Auf der Bühne der Kulturen im Kölner Arkadaş-Theater stellten sich sechs kompetente Vertreterinnen aus der Verlags- und Lesewelt den Fragen der beruflich oder privat interessierten Gäste. Was dieser Abend der unterschiedlichsten Positionen und Zukunftsentwürfe deutlich machte, war vor allem eines: So sehr auch in allen Bereichen der Branche daran, dafür oder dagegen gearbeitet wird, das Thema E-Book ist hochaktuell.

 Podium links
Podium, v.l.: F. Frank, S. Christ, S. Martin, M. Hofheinz

»‘Entweder-Oder’ lass ich nicht gelten!« betonte Miriam Hofheinz schon zu Beginn der Podiumsdiskussion. Mit dieser Aussage nahm sie gleich zu Anfang allen Skeptischen im Publikum den Wind aus den Segeln und warb im Verlauf der Veranstaltung immer wieder vehement für den Nutzen der verschiedenen Formate, betonte aber auch den eindeutigen Mehrwert des digitalen Buches gegenüber dem Printmedium.

Die Auswirkungen auf den Buchhandel lassen sich nur erahnen: Als Vertreterin des Buchhandels (kurzfristig für Monika Kolb-Klausch eingesprungen) zeigte sich Susanne Martin, Inhaberin der Schiller-Buchhandlung in Stuttgart, aber überzeugt, dass die Zahl der Buchhandlungen auf Dauer deutlich abnehmen werde. Sie persönlich setzt auf den Ausbau der Medienkompetenz innerhalb der Buchhandlung und präsentiert bereits seit März 2009 den Sony-Reader an auffälliger Stelle.

Für Verlage sieht Elke Hansel, Geschäftsführerin des O'Reilly-Verlags, weitreichende Gestaltungsmölichkeiten, die der Buchhandel so nicht habe. Fachbücher, die meist nicht linear gelesen werden, bieten als digitales Medium z.B. die Möglichkeit der Volltextsuche und können mit weiteren Inhalten wie ausfürlichen Bibliografien, Bildern, Querverweisen oder Verlinkungen angereichert werden. Die Verlage hätten allerdings noch viel Gedankenarbeit zu leisten, um neue, tragfähige Konzepte zu entwickeln.

Dies trifft auch auf die Preispolitik bei digitalen Inhalten zu. Im Fachbuchbereich ist es üblich, E-Books 20 % günstiger als das gedruckte Buch anzubieten (analog zu den eingesparten Druckkosten). Elke Hansel nannte aber auch Kombinationen aus kostenpflichtigen und kostenfreien Inhalten (Leseproben oder ältere Auflagen werden digital kostenlos angeboten), mit denen eine gute Leserbindung erreicht wird. Ergänzend verwies Miriam Hofheinz auf das Modell PaperC, ein Portal, in dem Fachbücher zum Lesen kostenlos einsehbar sind und für die weitere Verwendung wie Ausdrucken, Zitieren etc. Centbeträge bezahlt werden müssen, um zu unterstreichen, dass ‘gratis’ nicht unbedingt weniger Umsatz bedeuten müsse.

In ihrem Arbeitsfeld als Fachautorin kennt die Rechtsanwältin Susanne Christ beim Honorar keine Unterschiede zwischen gedruckten und digitalen Inhalten. Beim Schreiben hingegen werden weitere Veränderungen anstehen, da immer mehr »Zusatznutzen« der Produkte gefordert werde, z. B. eingearbeitete Formulare oder Vordrucke. Außerdem muss beim Erarbeiten digitaler Inhalte darauf geachtet werden, dass die Fachinhalte möglichst modular aufgebaut werden, um die Information gezielt auffindbar und verknüpfbar machen zu können. Der Versuchung, durch die fehlende Seitenbeschränkung ausschweifender zu schreiben, sollte allerdings widerstanden werden, da die Aufmerksamkeit beim Lesen digitaler Inhalte nicht so groß sei.

Podium rechts
v.l.: E. Hansel, C. Riedl, A. Niefindt-Umlauff, S. Berger

 

Eben diese Veränderung der Aufmerksamkeit sieht Anette Niefindt-Umlauff, langjährige Deutschlehrerin am Gymnasium, sehr skeptisch. Sie beobachtet schon seit mehreren Jahren, dass es durch die zunehmende Vermischung von Umgangs- und Schriftsprache für Kinder und Jugendliche schwieriger wird, sich zusammenhängend und strukturiert auszudrücken. So sehr es zu wüschen wäre, dass die neue Technik auch eher uninteressierte Schülerinnen und Schüer an die Inhalte heranführt, fürchtet sie, dass mit den neuen multimedialen Möglichkeiten das «reine» Lesen unattraktiver wird.

Claudia Riedl, Studentin der Buchwissenschaften, die ihre Magisterarbeit über das ‘E-Book’ schreibt, prognostiziert ein Nebeneinander von gedruckten und digitalen Büchern, Zeitungen und Zeitschriften und eine weitergehende Vermischung von Texten, Tönen, bewegten und unbewegten Bildern. Ein Kunstbuch z. B. wird in absehbarer Zeit noch nicht auf einem E-Reader zufriedenstellend darstellbar sein, andererseits wird in den USA bereits mit neuen medialen Inhalten wie den ‘VOOKS’ experimentiert, einer Kombination aus Video und Buch – eine Aussicht, die jenen nicht behagt, die sich die Möglichkeit, beim Lesen eigene Bilder im Kopf zu entwickeln, gerne erhalten mögen.

Bei der anschließenden lebhaften Diskussion wurden weitere Felder der digitalen Aufbereitung wie DRM (digital rights management) sowie die verschiedenen Nutzungs- und Eigentumsrechte angesprochen. Der Abend, an dem die unterschiedlichsten Positionen zur Sprache kamen, ließ nicht nur die neuen Chancen, sondern auch die gewaltigen Herausforderungen erkennen, die nicht allein auf die Buchbranche, sondern auch auf eine lesende und papiernutzende Gesellschaft zukommen. Gleichzeitig konnten die Fachfrauen auf dem Podium mit ihrer Kompetenz und Erfahrung den Skeptischeren sicher einige Ängste nehmen: Der »Untergang des Abendlands 2.0« steht nicht vor der Tür.

Theater Cafe
Gespräche im Café

Im Café des Arkadaş Theaters wurde zum Ausklang noch lange weiter diskutiert und »genetzwerkt« und die beiden Moderatorinnen, Susanne Berger und Flora Frank, die wunderbar durch den Abend und die Diskussion geführt hatten, konnten nun auch entspannt in die Menge eintauchen. Ein besonderer Dank geht an dieser Stelle an die Teilnehmerinnen des Podiums, die von Hamburg bis Stuttgart angereist waren, und die Veranstaltung zu einem inhaltsreichen und gelungenen Abend machten.


Text: Flora Frank, Brigitte Gutzen, Barbara Lauer;
Fotos: Brigitte Gutzen, Barbara Lauer

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