Kinderbücher und Apps - Martina Lenhardt (zuuka) zu Gast bei den BücherFrauen-München

Auf iPad und Smartphone tummeln sich längst nicht nur Apps für erwachsene Userinnen und User, sondern zunehmend auch Kindern aus dem Buch- und Fernsehbereich vertraute Helden und Themen – vom kleinen Eisbären des ZDF, den PIXI-Charakteren des Carlsen Verlags bis zu den Tieren der Welt, wie sie GEOmini vorstellt. Grund genug für die BücherFrauen-München, sich am 11. April 2012 in großer Runde zu einem Expertinnengespräch mit Martina Lenhardt von zuuka zu treffen, um die Potentiale von Apps im Kinderbuchmarkt und die praktische Umsetzung in der Arbeit zwischen Verlag und externen Dienstleistern zu diskutieren.

Martina Lenhardt, die im Projektmanagement von zuuka die Umsetzung von Buchtiteln in Apps und interaktive eBooks verantwortet, führte kompetent und engagiert in einen jungen, schwer kalkulierbaren Markt ein, der beinahe monatlich mit neuen Geräten und technischen Möglichkeiten überrascht. zuuka, eine junge Agentur in Offenbach am Main, produziert für Verlage und Filmstudios und fusionierte vor Kurzem mit einem US-amerikanischen Pendant in Kalifornien.

 

Dynamische eBooks und Apps für Verlage

Zielgruppe von zuuka sind Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre, für die das Unternehmen sowohl als Auftrag- als auch als Lizenznehmer dynamische eBooks und Apps erstellt, und für die es unter den eigenen Marken iStorytime, zuuka Comics und iTalk auch eigene Inhalte kreiert. Während Buchverlage statische eBooks in der Regel selbst herstellen, greifen Buchverlage und Medienhäuser für enhanced eBooks auf Agenturen wie zuuka zurück, die als „Certified Apple Vendor“ mehrheitlich in iOS, aber auch für Android-Umgebungen arbeiten. zuuka konzipiert und produziert für Buchverlage wie arsEdition, esslinger, Random House und Bastei Lübbe, für Medienhäuser wie ZDF und Gruner+Jahr. zuuka gilt inzwischen als einer der weltgrößten Anbieter für interaktive Buchinhalte und bespielt neben den Apple-Produkten auch NOOK (den Reader von Barnes and Noble), Amazon Kindle Fire, und produziert für Google Play, wo verschiedene Angebote auf Android-Basis gehandelt werden.

 

Fünf Tage Softwareentwicklung bedeuten auch fünf Tage Testing.“

Beratung und Konzept, Design und Animation, Audio und Sound, Lokalisierung in über 40 Sprachen, Software-Entwicklung, Social Media Marketing und PR werden dabei aus einer Hand geboten. Für iOS und Android stehen für jeden der beiden Bereiche spezialisierte Entwicklerinnen und Entwickler zur Verfügung. Wollen Verlage beides realisieren, haben sie mit annähernd doppelten Kosten zu rechnen, da die Programmiersprachen kaum Überschneidungen aufweisen. Zum Unternehmen gehört außerdem die Abteilung Testing und Qualitätssicherung, deren Arbeit Lenhardt als essentiell für den Erfolg der Produkte beschreibt: „Fünf Tage Softwareentwicklung bedeuten auch fünf Tage Testing.“

Tabelle ePUB3 versus ePUB2
Tabelle ePUB3 versus APP

Experimente wagt zuuka momentan weniger auf dem kleinen, vorsichtigen und qualitativ hochwertigen deutschsprachigen Markt, sondern auf etablierten Märkten wie den USA oder auf rasant wachsenden Märkten wie in China, wo das kleine Unternehmen mit zwei externen Mitarbeitern in Peking vertreten ist. Wie sieht die Agentur die Zukunft der Lesegeräte? „Tablets werden in Zukunft wichtiger werden und die Reader noch deutlicher überholen. Die Reader allerdings werden dennoch als Exklusivgeräte für das Lesen von Buchinhalten dauerhaft Bestand haben“, vermutet Lenhardt im Gespräch mit den BücherFrauen-München.

 

Kinderbuch-Apps und eBooks: Technik und Möglichkeiten, Entwicklungen und Trends

Apps, die als eigenständige Software-Programme für Tablet oder Smartphone unterschiedliche Bestandteile wie Animation, Audio, Video und Spiel integrieren können, bilden längst eine attraktive Produkterweiterung für klassische Kinderbuchverlage. Ideen und Content für die multimediale Weiterverarbeitung sind dabei kein Problem – anders als die vertrieblichen Herausforderungen: „Eine App im Shop sichtbar zu halten ist das A und O“, so Lenhardt, „allerdings ist das gar nicht so einfach, weil im AppStore in aktuell ca. 20 Kategorien Inhalte relativ ungeordnet präsentiert werden. Was sich etwa in der sehr heterogenen Kategorie ‚Bücher’ verbirgt, ist mitunter grotesk.“

Das Verhältnis von Buch und App sieht sie produktiv: „Mir geht es darum, dem Medium Buch etwas entgegenzusetzen, ohne mich von ihm zu verabschieden.“ Für Martina Lenhardt bedeuten die digitalen Produkte keine Aufwertung, sondern eine Umwertung des klassischen Buches, das auf diese Weise an Bedürfnisse und Fähigkeiten der Altersgruppe angepasst werden und einen geschützten Lese- und Spielraum bieten kann. Apps begeistern Kinder etwa mit ihrer Vorlesefunktion, der Möglichkeit, seine eigene Lesestimme aufzunehmen und abzuhören – mit einer ganz klassischen Form der Interaktivität also, die zur Lernförderung genutzt werden kann, spielerisches Lernen und die Integration pädagogischer Konzepte erlaubt.

iPad-Apps wie der Bestseller des HarperCollins-Bilderbuchprogramms „The Heart and the Bottle“, erzählen Geschichten über bildliche und atmosphärische Veränderungen, die man suchen und auslösen muss. Viele Handlungsschritte, so Lenhart, würden direkt aus den Bildern oder aus interaktiven spielerischen Elementen entwickelt. HarperCollins erntete für dieses aufwändige Pilotprojekt, das zu einem Preis von ca. 7,99 Euro in den Markt ging, große Aufmerksamkeit.

Kaufmännisch erfolgreicher agieren können Buchverlage im App-Geschäft über Reihen, die bei Standardisierung die Kosten für die Programmierung der Folgebände minimieren können. Carlsen etwa ist es mit seiner PIXI-Reihe gelungen, auch im App-Store erfolgreich zu sein. Die älteren einsprachigen und neueren zweisprachigen PIXIs, die mit englischer Übersetzung erscheinen, verfügen über klassische Navigationsleisten, ausgearbeitete Animationen, atmosphärische Sounds und Extras wie Puzzle-Spiele. Die inzwischen ca. zwanzig PIXIs helfen sich gegenseitig im Verkauf und haben Carlsen zu einer eigenen Kategorie im Store und damit zu optimaler Sichtbarkeit verholfen.

Wie auch Kindermagazine im App-Geschäft erfolgreich sein können, so Lenhardt, beweist die Reihe GEOmini: „Die Kinder können die Magazinlandschaft in beliebige Richtungen durchwandern, Belohnungssysteme – etwa ein Tiersticker für ein erfolgreich absolviertes Quiz, den man verschicken oder am Ende zu etwas Vollständigem zusammensetzen kann – begeistern die Kinder.“

Insgesamt erweisen sich in allen während des BücherFrauen-Abends analysierten Beispielen Apps als attraktive neue Formen, Inhalte für Kinder lebendig zu machen. Bis allerdings tatsächlich eine dem Buchbereich vergleichbare Auswahl von interaktiven und intuitiven Kindertiteln vorliegen wird, die die App als eigenständige Medienform begreifen, entwickeln und etablieren, ist es noch ein langer Weg. Erste Erfolge konnte zuuka mit der Eigenproduktion „Mikas Abenteuer“ verbuchen, einer Geschichte, die ohne Buch- oder Filmvorlage direkt für das digitale Format entwickelt wurde. Hier führte die Verwertungskette von der App zum interaktiven eBook mit Animation und multiplen Soundlagen, Vorlesefunktion und Zoom von Textfenstern durch Overlays.

Im besten Fall gelingt durch digitale Angebote eine Erweiterung der Buchzielgruppe und eine Ergänzung zum analogen Angebot. Synergien zwischen gedruckten und digitalem Angebot sollten BücherFrauen nicht unterschätzen; so verweist etwa die GEOmini-App ebenso auf das Magazin zurück wie das Magazin auf die GEOmini-App.

 

eBook macht Schule: iBooks Author

Einen gangbaren Weg für Verlage und Agentur, Produktionskosten insbesondere in den Bereichen Schulbuch und Sachbuch niedrig zu halten, bietet die Freeware iBooks Author mit der für den iBookstore mit verhältnismäßig geringem Aufwand produziert werden kann. zuukas Pilotprojekt ist hier das „Leporello Tiefsee“ zur Sachbuch-Reihe von Jacoby&Stuart, bei dem Widgets zusätzliche Interaktivität und Features erlauben, etwa die Kombination von Video und Audio, ein U-Book zum Tauchen, spielerische Extras, eine Taschenlampe zum Erleuchten von Details und ein Kontinentalplattenpuzzle. „Zwischengesten“ wie Öffnen und Schließen zwischen verschiedenen Funktionen, die man bei einer Eigenprogrammierung umgehen könnte, ließen sich bei der Verwendung des iBooks Author allerdings nicht vermeiden, so Lenhardt.

In der Abschlussdiskussion, bei der die Kolleginnen der Münchner Städtegruppe viele Detailfragen und Standpunkte aus ihren eigenen beruflichen Zusammenhängen in Redaktion, Lizenzbereich und Produktion diskutierten, spielten neben Kalkulationsmodellen und Kostenschätzungen die Entwicklungen und Trends der Zukunft: Integration von 3D und Augmented Reality, Objektsteuerung über Kamera, personalisierbare Apps, Weiterentwicklung des Author Tools und Integration in den Unterricht und One Step Publishing.

 

Text: Susanne Krones

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