FührungsFrauen und die MehrWert-Studie

Die MehrWertStudie war ein wichtiger Schritt für die BücherFrauen, um weiterhin innerhalb der Branche einen Bewusstseinswandel hin zu mehr Geschlechter-Gerechtigkeit zu erreichen. Vor diesem Hintergrund interessiert es uns natürlich besonders, was Frauen, die es bereits an die Spitze eines Unternehmens geschafft haben, zu den Ergebnissen der Studie zu sagen haben.

Wie nehmen sie die Lage war? Was tun sie, um Frauen zu unterstützen und zu fördern? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Exemplar der Studie mit der Bitte um ein Statement an FührungsFrauen der Buchbranche und darüber hinaus geschickt. Hier einige Rückmeldungen:

 

Sabine Dörrich, Personalagentur für Verlage, Buchbach:

Die Ergebnisse der BücherFrauen-Studie MehrWert überraschen selbst mich, die ich mit den Gehaltsstrukturen in Verlagen vertraut bin. Besonders beschämend finde ich, wie stark ausgeprägt die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Einkommen in unserer Branche im Vergleich zu anderen Wirtschafszweigen sind. Offensichtlich (ver-)führt die Identifikation vieler Frauen mit ihrer Arbeit zum Verzicht auf ein angemessenes Gehalt – Hauptsache, der „Spaß- und Sinnfaktor“ stimmt. Meiner Ansicht nach müssen sich Frauen stärker vor Augen führen, dass sie mit ihrer beruflichen Tätigkeit ökonomischen „Mehrwert “ (sprich: Gewinn) erzeugen und zwar keinesfalls weniger als ihre männlichen Kollegen. Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen und kein Ponyhof, auf dem man kostenlos die Pferde striegelt, um eine Runde reiten zu dürfen. Es ist auch kein Gnadenakt, in einem Verlag arbeiten zu dürfen, sondern ein Austausch von Leistungen, nämlich Arbeitskraft gegen Entlohnung. Insofern täten Frauen gut daran, ihren Marktwert zu kennen und angemessen in die Gehaltsverhandlung einzubringen.

Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin der Buchhandlung Hugendubel:

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, wie ungleich die Karrierechancen in der Buchbranche sind. Frauen sind noch immer nicht in den Führungspositionen angekommen. Damit sich dies ändern kann, bedarf es einer Qualifizierungsoffensive für Frauen. Unternehmen müssen Frauen eine bestmögliche Unterstützung bieten und ihnen noch viel häufiger die Chancen geben, sich in Führungspositionen zu bewähren. Wir unterstützen diese Bestrebungen und erreichen mit diesem Ansatz sehr gute Erfolge.

Anita Offel-Grohmann, Geschäftsleitung Programm Der Club Bertelsmann

  Was halten Sie von den Ergebnissen der Studie?

Die Studie der Bücherfrauen hat mein Bauchgefühl bestätigt, denn in der Buchbranche arbeiten traditionell viele Frauen, und ich kenne eher wenige Kolleginnen in gehobenen Führungspositionen. Deshalb hat es mich nicht wirklich überrascht, dass nur 20 Prozent der Frauen (fast ausschließlich der mittleren) Führungsebene angehören und dass die Frauen durch die Bank knapp 30 Prozent weniger verdienen als Männer in vergleichbaren Positionen. Die Studie zeigt aber auch, dass es in der Buchbranche gutes Entwicklungspotenzial für Frauen gibt. Aus diesem Grund begrüße ich es sehr, dass dazu wissenschaftlich gesichertes Zahlenmaterial erarbeitet wurde. Das wird viele emotionale Diskussionen versachlichen. Ich bin zwar skeptisch, ob eine Frauenquote für Firmen und Mitarbeiter wirklich hilfreich ist, aber ich habe zunehmend Verständnis dafür, dass in Deutschland die Rufe nach Quoten lauter werden. Wir warten schon zu lange auf signifikante Fortschritte der Politik – insbesondere in Bezug auf das zentrale Thema Kinderbetreuung, wo der Staat in der Pflicht ist. Andere Länder, wie beispielsweise Frankreich, sind in diesem Punkt viel besser organisiert: meine französischen Kolleginnen haben keine Schwierigkeiten mit der Kinderbetreuung, da ist die Basis für eine ausgewogene Verteilung auf allen Ebenen in der Wirtschaft gelegt. Als Mitglied der Geschäftsleitung der DirectGroup Germany (deren Tochter der Club Bertelsmann ist) empfehle ich allen Managern, diese Debatte nicht abzutun. Deutsche Unternehmen und Manager müssen sich im Alltag vielmehr immer wieder fragen, ob sie genug für die leistungsgerechte Entwicklung von Frauen und Männern tun: eine Studie der Prognos AG aus dem Jahr 2004, an der sich die Bertelsmann AG als eines von acht Unternehmen beteiligt hat, kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen durch Work-Life-Balance-Programme Wettbewerbsvorteile sowie Kosteneinsparungen realisieren können. Ein partnerschaftlicher Umgang miteinander im Sinne der Bertelsmann Unternehmenskultur lohnt sich für alle Beteiligten. Wachstum und Entwicklung hängen zunehmend davon ab, ob es den Unternehmen gelingt, die richtigen Mitarbeiter zu rekrutieren und Ihnen langfristig einen Arbeitsplatz anzubieten, an dem sie in einem motivierenden Klima ihr volles Potenzial entwickeln können.


 Was tun Sie, um Frauen in Ihrem Unternehmen zu fördern?

Die Mehrzahl unserer Kunden sind Frauen. Deshalb arbeiten im Programmbereich des Club Bertelsmann viele Frauen: unser Angebot muss in erster Linie Frauen gefallen. Doch nicht nur deshalb beträgt der Frauenanteil sowohl in dem von mir verantworteten Bereich als auch bei meinen Abteilungsleiterinnen 67%. Nach meiner Erfahrung entwickeln gemischte Teams die besten Lösungen, weil dann gemeinsam und mit echtem Teamgeist kooperiert wird. Mir ist es wichtig, die jungen Mütter in meiner Abteilung zu ermutigen, mit Kindern und Familie Ihre Laufbahnen fortzusetzen. Obwohl sich aktuell viele meiner Stammmitarbeiter in Elternzeit befinden, gibt es keine besonderen Engpässe. Die angehenden Mütter haben diese Periode langfristig mit mir und den entsprechenden Aushilfskräften geplant und sie kommen immer wieder zu Besuch ins Büro, um sich auf dem Laufenden zu halten. Abgesehen davon finde ich es gut, dass junge Paare sich zunehmend gemeinsam die Verantwortung für Kinder und Familie teilen. Doch unabhängig von ausreichenden ganztägigen Betreuungsangeboten für Kinder müssen wir attraktive Arbeitszeitmodelle und Unterstützung für Familien anbieten. Bertelsmann bietet seinen Beschäftigten seit vielen Jahren eine Vielzahl von Arbeitszeitmodellen an, um eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu ermöglichen. Das geht von Gleitzeitmodellen, Vertrauensarbeitszeit und Altersteilzeit bis hin zu Jahres- und Lebensarbeitszeitkonten. Unsere jüngste Mitarbeiterbefragung aus dem Jahr 2010 zeigt, dass unsere Beschäftigten die angebotenen Möglichkeiten positiv sehen.


 Welchen Rat geben Sie Frauen, damit sie auf ihrem Berufsweg vorankommen?

Ich persönlich habe in allen meinen Karriere-Stationen immer eng mit erfolgreichen Frauen zusammengearbeitet, das ist für mich vollkommen selbstverständlich. Trotzdem habe ich in den 80er Jahren am eigenen Leib erfahren, wie schwierig es war, Mann, Kinder, hilfsbedürftige Angehörige und Karriere unter einen Hut zu bringen. Und obwohl mich meine Familie unterstützt hat, musste ich oft improvisieren. Deshalb würde ich jungen Frauen raten: Erkundigt Euch, wie viele weibliche Führungskräfte in Eurer Wunsch-Firma beschäftigt sind und wie familienfreundlich das Unternehmen ist. Dann wird es mehr Verständnis geben, wenn ihr eine Familie gründen wollt – denn sie haben für Eure manche Wege bereits geebnet.

 

Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales

Leider gehört Deutschland beim Frauenanteil in Leitungsgremien im europäischen Vergleich noch immer zu den Nachzüglern. In den 330 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands ist der Frauenanteil in den Vorständen in den letzten acht Jahren um gerade einmal 0,4 Prozentpunkte gestiegen. Dies bedeutet, dass Unternehmen die Potenziale, die ihnen die Universitäten und der Arbeitsmarkt bieten, nicht ausschöpfen. Dies muss sich ändern, notfalls auch durch gesetzliche Regelungen, denn eine gleichberechtigte Teilhabe erfordert ebenso eine gerechte Entlohnung wie auch faire Aufstiegschancen.

Frauen wollen nicht nur in der Breite mitarbeiten, sondern auch in der Spitze. Die Chancengleichheit muss deshalb mehr denn je ein vorrangiges Ziel der Personalpolitik in den Unternehmen werden. Ihr Verein BücherFrauen e.V. leistet hier als Branchennetzwerk einen wichtigen Beitrag, um die notwendige gesellschaftliche Debatte zum Thema Chancengleichheit zu befördern.


Tanja Dziewior / AG MehrWert

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