Bielefeld/OWL im September: Ein Abend im Buchtipp

Dort, wo sonst Bilderbücher präsentiert werden, erwartet uns BücherFrauen heute in der Buchhandlung Buchtipp ein hübsch gedeckter Tisch. Zwar kennen wir die Inhaberin Christiane Lemcke als Mitglied unserer Regionalgruppe seit vielen Jahren und auch der Laden ist uns nicht unbekannt; schließlich brauchen auch BücherFrauen einen Ort, an dem sie sich Lektüre besorgen. Und dennoch: Wie Christiane vor elf Jahren dazu gekommen ist, eine Buchhandlung aufzumachen, wie es so läuft – und welche Perspektiven für die Zukunft sie sieht: Über solche Dinge spricht frau so ganz nebenher denn doch nicht. Und so sind wir zusammengekommen, um mehr in Erfahrung zu bringen.

Betritt man den Laden, fallen viele nette raumgestalterische Details auf: alte Kinosessel, ein Eisengitter mit Rostpatina hinter dem Kassentresen, bunte Schals davor, Blumen … Hier verweilt man gerne ein wenig, um nach Lesestoff zu suchen. Und natürlich ist nicht nur das Drumherum stimmig, sondern das Buchsortiment ist es auch. Ihr sei klar gewesen, dass sie viel Zeit in diesem Laden verbringen würde, sagt Christiane. Und deshalb habe sie großen Wert darauf gelegt, für sich etwas „Wohnzimmeratmosphäre“ zu schaffen. Und das kommt anscheinend auch bei Kundinnen und Kunden gut an.

Doch wie kommt eine Sprachwissenschaftlerin und nicht gelernte Buchhändlerin dazu, eine Buchhandlung zu eröffnen? Angefangen hat sie mit Büchertischen in der Universität. Für ihre damalige Work-Life-Balance, mit drei Kindern, war diese Möglichkeit optimal und bot zudem einen vernünftigen Verdienst. Hätte die Universitätsverwaltung ihr nicht irgendwann die Bewilligung für diese Büchertische entzogen, wäre sie nie auf die Idee gekommen, den Laden zu eröffnen. Doch als absehbar war, dass sie keine Büchertische mehr würde machen können, fand sich ein Ladenlokal in der Nähe des Siegfriedplatzes, eine ehemalige Metzgerei. Und so wagte Christiane den Sprung in den stationären Buchhandel. Zunächst bot sie zunächst schwerpunktmäßig modernes Antiquariat an und besorgte auch andere lieferbare Titel über das Barsortiment. Als jedoch Amazon stark in das Geschäft mit gebrauchten Büchern einstieg, funktionierte dieses Geschäftsmodell nicht mehr und das Sortiment wurde komplett umgestellt auf Neuware.
In der Anfangszeit habe sie noch viele Büchertische gemacht, z.B. in den Waldorfschulen in der Umgebung Bielefelds. Ganze Klassenräume, voller Bücher – schön arrangiert und gestaltet. Noch heute wird sie darauf manchmal angesprochen. Das sei aber sooo aufwändig gewesen: Bestellen, aufbauen, abbauen, remittieren … Irgendwann mal überschnitten sich die Termine in den einzelnen Schulen und so habe sie sich aus diesem Geschäftszweig verabschiedet.

Lesungen? 2004 fand auf einem Biohof eine Lesung mit Claudia Schreiber statt: „Emmas Glück“. Ich selbst erinnere mich noch gut: In der Scheune war eine auf den Roman abgestimmte Bühne errichtet worden – und man konnte anscheinend sehr glücklichen Schweinen dabei zusehen, wie sie das Erdreich mit ihren Nasen durchwühlten. Diese Lesung habe für sie Maßstäbe gesetzt; eine nächste müsste mindestens genauso stimmig sein. Und wenn sich keine Idee, keine passende und machbare Inszenierung ergibt, dann lieber keine Lesung mehr, sagt Christiane.
Internet? E-Books? Sie habe sich damit beschäftigt, auf der Plattform ihres Barsortiments einen Onlineshop aufzubauen. Das sei aber ganz schön kostspielig – und es erscheint ihr sehr fraglich, ob eine solche Webpräsenz wirklich die Investition wieder einspielt. Der Laden funktioniere, weil die Kundinnen und Kunden sich von Angesicht zu Angesicht gut beraten fühlen. Außerdem bietet der Buchtipp einen Lieferservice an.
E-Books – klar – werden besorgt. Bei der geringen Marge und wenig Nachfrage spielt dieser Geschäftszweig jedoch keine besonders große Rolle. Die Kunden kommen in den Laden, um etwas anzufassen. Und um gut beraten zu werden. Dafür sorgen neben Christiane derzeit zwei feste Mitarbeiterinnen. Dass sich dieses feste Team immer mehr einspielt und verzahnt – darauf hofft sie.

Nach einem informativen Abend gehen wir gut gestimmt nach Hause. Wir wünschen uns sehr, dass dem Buchtipp seine Stammkundinnen und -kunden weiterhin treu bleiben … und natürlich, dass noch neue hinzukommen. Uns allen würde viel fehlen, wenn irgendwann tatsächlich mal die kleinen Buchhandlungen um die Ecke, mit dem ganz persönlichen Service, wirklich verschwinden würden.

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