Stuttgart: Zu „brav“ für Erfolg – Eine Nachlese

Das „Brave-Tochter-Syndrom“: Bin ich eine brave Tochter und wenn ja, was bedeutet das für meine private und berufliche Lebenssituation? Diese Frage beschäftigte die rund 30 Frauen, die der Einladung der Stuttgarter BücherFrauen gefolgt und gespannt auf das Thema „Zu ‚brav’ für den Erfolg – Warum viele Frauen sich im Beruf selbst im Weg stehen“ waren. 

Beate Scherrmann-Gerstetter, Diplompädagogin, Theologin und ausgebildete Einzel- und Paartherapeutin, beschrieb zum Einstieg ihres Vortrages die großen Qualitäten von braven Töchtern: 

Sie fühlen sich für das Wohlergehen der Lieben – und dazu gehören übrigens auch Kollegen, Vereinsmitglieder oder Nachbarn – verantwortlich. Klar, dass sie alles im Blick und im Griff haben: Die Kinder werden aufopferungsvoll umsorgt, der Ehemann ebenso.

 

Beate Scherrmann-Gerstetter ist selbst „Brave Tochter“ und weiß daher nicht nur in der Theorie, wovon sie spricht. Foto: Sinem Ertürk

Ihre Hilfsbereitschaft kennt auch keine Grenzen, wenn es um Terminorganisation, das Besorgen von Geschenken, die Übernahme von Vertretungen oder unangenehmen Aufgaben geht. „Ohne brave Töchter“, stellt Beate Scherrmann-Gerstetter denn auch klar, „wäre die Welt ärmer.“

Eine klassische Win-Win-Situation also – denn brave Töchter fühlen sich in diesen Situationen, in denen sie große Anerkennung vom Umfeld erhalten, ebenfalls am zufriedensten. Soweit die Theorie.

Ein solches Gleichgewicht gibt es aber leider im Berufs- und Familienalltag nur sehr selten. Denn wie sich die Zuhörerinnen zu diesem Zeitpunkt bereits zusammenreimen konnten, gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. So führen brave Töchter ein hochtouriges Leben. Das hohe Tempo überfordert dabei oft nicht nur die Mitmenschen, sondern vor allem auch die braven Töchter selbst. Da sie oft über ihre Kräfte hinausgehen, ist der Akku schnell leer und muss durch weitere Leistungen und das daraus resultierende Lob und die für brave Töchter so wichtige Anerkennung wieder aufgeladen werden. Denn das Sich-geliebt-Fühlen ist sehr eng verbunden mit Gebrauchtwerden.

Und ehe man sich versieht, fühlt sich das Umfeld von braven Töchtern genervt, weiß die Referentin nur zu gut. Denn diese wissen ja immer, was gut für die anderen ist (oder glauben das zumindest!). Fassungslosigkeit macht sich breit, wenn andere etwas anders sehen. Noch schlimmer ist es, wenn es das Gegenüber wagt, Kritik zu üben. Denn darauf reagieren brave Töchter hochempfindlich. Es muss dann alles bis ins Detail geklärt und erklärt und gerechtfertigt werden, anstatt es abzuhaken und den Blick wieder nach vorne zu richten.

Nach dem Credo „großzügig geben, wenig fordern“, leben brave Töchter dann oft auch im Berufsleben. Und wenn frau mit der Grundhaltung, dass sie im Zweifel sicher einfacher Abstriche machen kann als ihr Gegenüber, in eine Gehaltsverhandlung geht, ist das Ergebnis vorprogrammiert. 

Der starken äußeren Seite von braven Töchtern stehen also durchaus Schwächen gegenüber, die diese „Lebensform“ zu einer oft anstrengenden Existenz machen. Und so erklärt sich der psychologische Begriff des „Brave-Tochter-Syndroms“, den Beate Scherrmann-Gerstetter und ihr Mann in der Beratungspraxis eingeführt haben und zu dem sie übrigens auch ein Buch veröffentlicht haben*.

Dort lässt sich dann auch nachlesen, welche Auslöser in der Kindheit die Grundsteine zu diesem „Sosein“ gelegt haben und wie Gegenwart und Vergangenheit miteinander verknüpft sind. Schritte zur Überwindung der Symptome hin zu einem selbst bestimmten Leben finden sich dort natürlich auch. Denn das „Brave-Tochter-Syndrom“ ist keine unheilbare Krankheit! Wenn man sich, so das Fazit von Beate Scherrmann-Gerstetter, der Gründe und Einflüsse bewusst ist, kann man Reaktions- und Verhaltensalternativen suchen. Und somit ein Gleichgewicht finden, das einen selbst und das Umfeld zufrieden macht. Und genau das wollen wir braven Töchter letztendlich ja, oder?

Text: Sylvia Detzel

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