Learning by doing! - Buchmesserundgang in Leipzig

Am Buchmessefreitag um 10 Uhr in Halle 3 der Leipziger Messe war es zum vierten Mal wieder soweit. Jana Stahl traf sich mit 10 jungen Frauen des Branchennachwuches am Stand des Hinstorff Verlages, um sie auf vier Stationen quer durch alle Messehallen mit Führungsfrauen der Buchbranche bekannt zu machen. Ines Paliege hat den Rundgang begleitet.

Das Glück der Tüchtigen

Neben Jana Stahl begrüßte uns die Verlagsleiterin von Hinstorff, Eva Maria Buchholz. Auf ihrem beruflichen Weg, betont sie, sei auch Glück mit im Spiel gewesen. Doch diesem Glück hat tatkräftiges Engagement auf die Sprünge geholfen. 50 Praktikumsbewerbungen schrieb sie nach dem Studium. Für ihre Volontariatsstelle hatte sie sich persönlich auf der Buchmesse bei Verlagen vorgestellt. Nach einigen Jahren Verlagserfahrung und als Zeitungsredakteurin bewarb sie sich bei Hinstorff als Redakteurin. Erfolglos. Aber die Assistenz der Verlagsleitung sollte ebenfalls neu besetzt werden. Eva Buchholz ergriff die Gelegenheit und wurde 2003 nach dem Ausscheiden ihres Vorgängers Verlagsleiterin.

 

Am Stand des Hinstorff Verlags: Eva Buchholz und Jana Stahl

Dabei ist es oft nicht leicht, in dem 180 Jahre bestehenden, regional geprägtem Verlag einen zukunftsweisenden Weg zwischen Tradition und Moderne zu finden. Es ist ihr gelungen. Neben den immer noch erfolgreichen Auflagen des Mundartendichters Fritz Reuter, konnten sich sowohl das 2003 ins Leben gerufene Kinderbuchprogramm als auch die neu eingeführten Regionalkrimis vielversprechend am Markt positionieren. Was qualifiziert die ehemalige Studentin der Germanistik und Romanistik für ihre jetzige Arbeit mit Budgetkalkulation, Programmplanung und Personalentscheidungen? Vor allem ihre Praxiserfahrungen und die Bereitschaft sich neu zu orientieren, nicht zuletzt der Spaß an der Arbeit.

"Ich habe nie in Überstunden gedacht"

Ähnlich klingt auch der Werdegang von Annette Beetz, der nächsten Führungsfrau auf unserer Tour. Mit ihrem Studium der Amerikanistik, Germanistik, Soziologie hatte sie ihr Berufsziel früh ins Visier gefasst: Verlagsbranche, Lektorin für amerikanische Literatur. Dafür bewarb sie sich noch während des Studiums um Praktika in den USA. Doch ihr drittes Praktikum absolvierte sie auf Wunsch des Verlages im Vertrieb statt im Lektoratsbereich. Und es passte. So gut, dass Annette Beetz heute, nach Stationen bei DuMont und Graefe und Unzer, Geschäftsführerin für Marketing und Vertrieb bei Rowohlt ist.

Bei Rowohlt: Annette Beetz und Teilnehmerinnen

Wie sie es so weit gebracht hat? Zielstrebigkeit, die Bereitschaft hart zu arbeiten und natürlich die Liebe zum Job. Auch mit Kindern hat sie weiter Vollzeit gearbeitet. Wenn viel zu tun war, nahm sie die beiden am Wochenende schon mal mit in den Verlag. Rückblickend, so sagt sie, staune sie selbst, wie sie diese Doppelrolle gemeistert hat. Eine weitere Voraussetzung für ihre erfolgreiche Laufbahn sieht Anette Beetz in der Bereitschaft, ihr Interesse an attraktiven Posten zu kommunizieren. Nur wer selbst die Initiative ergreife und auf seine Stärken aufmerksam mache, werde wahrgenommen. Das erwartet sie auch von ihren Mitarbeitern.

Die Zeit war günstig

Initiative ergriffen auch Natalja Schmidt und Julia Abrahams, zu denen wir nun weitereilen. 2005 gründeten sie die Literaturagentur Schmidt und Abrahams mit Schwerpunkt Fantasy und Science Fiction. Waren es ursprünglich drei, vertritt die Agentur heute circa 80 Autoren aus verschiedenen Bereichen der unterhaltenden Belletristik. Seit Kurzem verstärkt Kristina Koblischke das Team der Agentur.

Schmidt & Abrahms: Kristina Koblischke und Natalja Schmidt mit Jana Stahl

Grundlegend für ihre Arbeit sei die genaue Kenntnis der Verlagsbranche, erklärt Natalja Schmidt. Insbesondere die persönlichen Kontakte, die auf den Messen geknüpft und gepflegt werden. Darüber hinaus helfen ihnen Branchenmedien wie 'Buchreport' oder 'Börsenblatt' stets auf dem Laufenden zu bleiben.

Wofür braucht man eigentlich Agenturen, fragt eine Teilnehmerin. Agenturen leisten heute das, wofür die großen Verlagshäuser oft keine Zeit mehr haben: Manuskripte sichten, ebenso wie die intensive Betreuung auch unbekannter Autoren. Natalja Schmidt genießt es, ihr eigener Chef zu sein. Für sie hat sich der Sprung in die Selbstständigkeit gelohnt. Zum Abschied versorgt sie uns noch fröhlich mit Keksen.

Der Spaß am Erfolg

Jetzt geht es weiter zum Dietrich Reimer Verlag, einem kleinen Fachverlag für Kunstgeschichte und Architektur. Hier erwartet uns Ingrid Schulze, Pressechefin und Assistentin der Geschäftsleitung. Als ausgebildete Wirtschaftskorrespondentin für Fremdsprachen, arbeitete sie zunächst für das Deutsche Institut für Normung. Nach der Geburt ihres ersten Kindes stieg sie als freiberufliche Übersetzerin wieder ein. Doch die Arbeitszeiten vertrugen sich schlecht mit ihrem Familienleben. Sie ging vor elf Jahren zu de Gruyter und wechselte 2006 mit Dr. Hans-Robert Cram als Pressechefin in dessen neu übernommenen Verlag Dietrich Reimer GmbH.

Ingrid Schulze

Was sie an dem zehnköpfigen Verlag schätzt, ist die Nähe zu allen Bereichen. In der wöchentlichen Teamsitzung hören sich Lektorat, Vertrieb und Presse gegenseitig zu, werfen Ideen ein, helfen einander. An ihrer Arbeit liebt sie die Herausforderung, den Verlag in den Medien sichtbar zu halten. Eine gut platzierte PR-Mitteilung hier, eine gelungene Veranstaltung dort. Stillstand gibt es nicht. Kontakte müssen ständig erweitert und gefestigt, neue Möglichkeiten ausgelotet und genutzt werden. So hat Ingrid Schulze eine BücherFrauen-Schulung zu Online-PR und Social Media Marketing besucht und entwickelt nun Strategien für den Verlag, sich in Social Media Portalen zu präsentieren und den e-book-Markt sinnvoll zu nutzen. Wir verabschieden uns und lassen den Rundgang am BücherFrauen-Stand ausklingen.

Hier empfangen uns Valeska Henze und Susanne Krones vom Vorstand der BücherFrauen. Sie stellen dem Nachwuchs das Netzwerk und dessen Arbeit vor. Und weisen auf die später stattfindende Podiumsdiskussion zum Thema Urheberrecht hin. Karrieremöglichkeiten, das nehmen wir heute mit, gibt es auch abseits der eigenen Ausbildung viele. Mit oder ohne Familie eint die Führungsfrauen dieser Runde ihre Begeisterung für die Arbeit, verbunden mit dem Willen, sich tatkräftig neue Horizonte zu erschließen.

Jana Stahl und Valeska Henze

Text und Fotos: Ines Paliege

 

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