Tagung des Deutschen Frauenrates im Juni 2026

Deutscher Frauenrat warnt vor Sozialabbau und setzt neue politische Schwerpunkte


Mit klaren Botschaften zu Sozialpolitik, Frauengesundheit und Gleichstellung hat die Mitgliederversammlung des Deutschen Frauenrats (DF) am 20. und 21.Juni 2026 in Berlin ihre politischen Schwerpunkte für die kommenden Jahre gesetzt. Rund 130 Delegierte der Mitgliedsverbände verabschiedeten zahlreiche Beschlüsse und diskutierten die Herausforderungen einer zunehmend angespannten gesellschaftlichen und politischen Lage. 

Sozialstaat unter Druck

Breiten Raum nahmen die geplanten Reformen der Bundesregierung in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Rente ein. Der Deutsche Frauenrat warnt davor, dass Einschnitte im Sozialstaat vor allem Frauen treffen würden.

DF-Vorsitzende Beate von Miquel machte deutlich, dass Kürzungen häufig dort aufgefangen werden, wo Sorgearbeit geleistet wird – überwiegend von Frauen. Sie forderte, Gleichstellung bei allen Reformvorhaben von Anfang an mitzudenken.

In einer Resolution forderten die Delegierten unter anderem die zügige Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, eine stärkere Unterstützung von Gleichstellungsbeauftragten und Frauenorganisationen sowie wirksame Maßnahmen gegen Alters- und Pflegearmut. Weitere Beschlüsse beschäftigen sich mit der gesetzlichen Rente und dem sozialen Wohnungsbau.

Vorbereitung auf den politischen Herbst

Auch die politische Entwicklung der kommenden Monate stand auf der Tagesordnung. Die Mitgliederversammlung beschloss Änderungen an der Satzung des Deutschen Frauenrats, um auf mögliche Herausforderungen im Vorfeld der anstehenden Wahlen vorbereitet zu sein.  

Frauengesundheit dauerhaft im Fokus

Zum Abschluss der zweijährigen Arbeit des Fachausschusses Frauengesundheit verabschiedeten die Delegierten ein umfangreiches Forderungspapier für ein geschlechtersensibles und barrierearmes Gesundheitssystem.

Im Mittelpunkt stehen Themen, die bislang oft zu wenig berücksichtigt wurden: Schwangerschaft und Geburt, die Gesundheit von Müttern sowie die Versorgung von Frauen in den Wechseljahren. Der Deutsche Frauenrat fordert, diese Aspekte künftig stärker in Forschung, Versorgung und Gesundheitspolitik einzubeziehen.

Neue Themen: Sicherheit und ländliche Räume

Für die kommenden zwei Jahre setzte die Mitgliederversammlung zwei neue Schwerpunkte. Angesichts internationaler Konflikte und wachsender Sicherheitsdebatten wird sich ein neuer Fachausschuss mit Sicherheits- und Friedenspolitik aus gleichstellungspolitischer Perspektive befassen. Frauenperspektiven sollen stärker in Fragen der Konfliktprävention, Friedenssicherung, internationalen Zusammenarbeit und des Zivilschutzes eingebracht werden.

Ein zweiter Fachausschuss widmet sich der Gleichstellung in ländlichen Räumen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Geschlechtergerechtigkeit als Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung und gleichwertige Lebensverhältnisse gestärkt werden kann.

Veränderungen im Vorstand

Auch personell gab es Veränderungen. Mo Lüttig vom Lesbenring übernimmt künftig die Verantwortung für Strukturen der nationalen Gleichstellungspolitik. Susanne Maier (BPW Germany) wurde als Verantwortliche für europäische und internationale Gleichstellungspolitik wiedergewählt.

Abschied von prägenden Stimmen

Mit großem Dank verabschiedete die Mitgliederversammlung Elke Ferner (SPD Frauen), die acht Jahre dem Vorstand angehörte und insbesondere die Debatte um Parität in Parlamenten maßgeblich vorangetrieben hat.

Verabschiedet wurde außerdem Regine Rapp-Engels (AKF). Mit dem Abschluss des Schwerpunktthemas Frauengesundheit endet auch ihre Vorstandsverantwortung in diesem Bereich.

Ebenfalls abgeschlossen wurde das Schwerpunktthema Demokratie. Zum Ende seiner Arbeit stellte der zuständige Fachausschuss ein Toolkit zum Umgang mit Antifeminismus vor. https://www.frauenrat.de/wp-content/uploads/2025/07/Handreichung-Antifeminismus_Web.pdf

Jubiläumsjahr mit politischem Anspruch

Im Jahr seines 75-jährigen Bestehens unterstreicht der Deutsche Frauenrat seinen Anspruch, Frauenrechte, soziale Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe gemeinsam zu denken. Die Beschlüsse der Mitgliederversammlung zeigen: Der Verband will sich auch künftig aktiv in die politischen Debatten einmischen – und Gleichstellung als zentrales Zukunftsthema auf der Agenda halten.