Nach einer kurzen Kaffee-, Sekt- und Dessertpause begann das Gespräch mit den drei Autorinnen, das Katharina Gerhardt einfühlsam, umsichtig und souverän moderierte. Befragt nach der Wandlung, die Carla Mittmann im Roman durchlebt, berichtete Katja Kullmann von ihren soziologischen Recherchen und verortete ihre Ich-Erzählerin als eine Frau, die trotz einfacher Herkunft studieren kann, im akademischen Milieu aber nicht wirklich ankommt – was Carla Mittmann schließlich mit ihrem beruflichen Erfolg kompensiert. Jehona Kicaj antwortete auf die Frage, ob das Schreiben des Romans für sie eine Form der Ermächtigung sei, sie habe das Buch nicht als Heilungsgeschichte geschrieben, sondern den deutschsprachigen Romanen von Autor*innen mit Wurzeln auf dem Balkan die noch fehlende literarische Stimme aus dem Kosovo hinzufügen wollen. Sie beklagte, wie sehr die Kriege nach dem Zerfall Jugoslawiens, insbesondere der Kosovokrieg, in Vergessenheit geraten sind. Jina Khayyer sprach über die besondere Situation ihrer Hauptfigur, einerseits als in Deutschland Geborene den Blick einer Fremden auf das Land ihrer Eltern zu haben, sich andererseits – nicht zuletzt weil sie Persisch spricht – dort fast wie zu Hause zu fühlen. Statt sie von außen zu beurteilen, wolle sie mit ihrem Roman die im Iran lebenden Menschen verstehen und mit ihnen fühlen.