Sybil Volks: "Café Finito"
Schauplatz des neuen Romans von Sybil Volks ist der Dorotheenstädtische Friedhof in Berlin Mitte. Sein Hüter Kristof steht als Friedhofsverwalter auf vertrautem Fuß mit den mehr oder minder prominenten Toten, die hier begraben sind. Er wohnt im ockergelben Haus des Totengräbers und betreibt darin das fiktive Friedhofscafé Finito, Anlaufpunkt für alle Trostsuchenden.
Kristof bietet jedes Jahr eine Abschiedsgruppe an. Als Lesende begleiten wir sechs Menschen durch ihr Trauerjahr, erfahren nach und nach ihre Geschichte und verfolgen, wie sie von Zufallsbekannten zu Gefährten werden. Iris, die Autorin, die sich für die Rettung des Blauschillernden Feuerfalters einsetzt. Kristof, der in einer Zigarrenkiste Begriffsvorräte sammelt. Die 90-jährige Lizzy, die auf dem Akkordeon ihres verstorbenen Mannes spielt. Jonas, der Wolfgang Herrndorf zitiert. Sie und andere sehr unterschiedliche Trauernde ringen mit der existenziellen Erfahrung von Verlust und Vergänglichkeit. Weitere, teils skurrile Typen wie die beiden Bestatterinnen Dorothee und Dorothea bevölkern den Friedhofskosmos.
Dabei verwebt die Autorin behutsam die seidenen Fäden zwischen den Einzelnen, lässt ihre Figuren aus der Reihe tanzen und über die Stränge schlagen. Sie verleiht dem Erzählten poetische Tiefe und trotzt der Trauer Humor und Leichtigkeit ab.
Ein Roman über die Kostbarkeit der Erinnerung, über in Seidenpapier gewickelte Worte und den Mut, weiterzuleben. Für den Seelenmonat November und alle anderen Monate des Jahres.
Sybil Volks, Café Finito
C. Bertelsmann Verlag, 2025
Hardcover mit Schutzumschlag, 336 Seiten
ISBN: 978-3-570-10540-5
Preis: 22 Euro
Eine Empfehlung von Marion Voigt
www.folio-lektorat.de
Marion Voigt M. A., Novemberkind, freie Lektorin und Autorin.
Zuletzt erschienen: »Verheißung und Dekadenz. Baden-Baden und die russische Literatur im 19. Jahrhundert«
Transparenzhinweis: Die Empfehlung erfolgt aus Eigeninteresse und nicht aus wirtschaftlichen Gründen.
