BücherFrauen e. V. - Women in Publishing, 10.03.2026
Unterstützt durch den Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) e.V.
Mit großer Sorge haben wir die Entscheidung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer zur Kenntnis genommen, drei Buchhandlungen einen bereits zugesprochenen Preis zu verwehren. Sie markiert eine Zäsur und stellt ein Prinzip infrage, das die Kulturpolitik in der Bundesrepublik bislang getragen hat: die klare Trennung zwischen staatlicher Rahmensetzung und unabhängiger fachlicher Juryentscheidung.
Über Jahrzehnte bestand ein bewährtes Modell darin, dass das zuständige Ministerium die rechtlichen und finanziellen Grundlagen schafft – während unabhängige Fachjurys nach kulturellen und künstlerischen Kriterien entscheiden. Diese Kriterien sind selbstverständlich diskutierbar, sie sind nie „neutral“ im luftleeren Raum. Doch sie sind fachlich begründet und gerade nicht parteipolitisch motiviert. Genau darin liegt die Garantie kultureller Unabhängigkeit.
Wenn nun Preisträger nachträglich gestrichen werden, ohne transparente Begründung, entsteht der Eindruck politischer Einflussnahme. Ein solches Vorgehen öffnet Tür und Tor für einen kulturpolitischen Präzedenzfall, der weit über den Einzelfall hinausweist. Die Entwicklungen in Ländern wie Ungarn, Slowakei oder auch den Vereinigte Staaten zeigen, wie schnell staatliche Einflussnahme auf Kulturinstitutionen zur systematischen Schwächung unabhängiger Strukturen führen kann. Eine lebendige Demokratie braucht jedoch genau diese Unabhängigkeit – gerade auch dort, wo Kunst und Kultur unbequem, streitbar oder politisch positioniert sind.
Wir sollten daher klar Stellung beziehen: Nicht einzelne politische Haltungen dürfen über kulturelle Förderung entscheiden, sondern ausschließlich transparente, fachlich begründete Kriterien. Die Einschaltung des Verfassungsschutzes in Preisentscheidungen stellt dieses Prinzip infrage und gefährdet das Vertrauen in die Autonomie kultureller Institutionen.
